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Parchimer Zeitung

19. November 2017 | 19:11 Uhr

Parchim : Flüchtlinge danken ihren Helfern

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Nihad und Eyad Mallah aus Syrien fühlten sich in Parchim willkommen. Jetzt wollen sich die Zwillinge in Rostock auf ihr Studium vorbereiten

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Ihre ersten Monate in Deutschland werden Nihad und Eyad Mallah immer in guter Erinnerung behalten: Nach ihrer einen Monat und fünf Tage dauernden Odyssee über die Balkanroute fanden die 19-jährigen Zwillinge aus Syrien im Juli 2015 Zuflucht in Mecklenburg. Die Geschwister lebten sich schnell in Parchim ein, bezogen ein Zimmer in der Gemeinschaftsunterkunft und begegneten in Parchim vielen aufgeschlossenen Menschen, die ihnen Mut machten und ihnen halfen, sich in einem völlig neuen Kulturkreis zurechtzufinden. Eine von ihnen ist Angret Kluth.

Dabei bekommt sie heute noch ein flaues Gefühl, wenn sie an die erste Begegnung mit den beiden denkt: Denn Nihad fiel ihr Ende Oktober 2015 im wahrsten Sinne des Wortes fast vors Auto. Angret Kluth wurde unmittelbare Zeugin eines spektakulären Fahrradsturzes: Der junge Mann hatte eine klassische Rolle vorwärts über sein Fahrrad gemacht. Die Autofahrerin kümmerte sich sofort um den Verletzten und seinen Bruder. Nihad musste sogar zwei Tage im Krankenhaus verbringen.

Sein Schicksal ging ihr von diesem Tag an nicht mehr aus dem Kopf, Angret Kluth wollte unbedingt wissen, wie es ihm geht, machte sich mit Kuchen und Äpfeln auf den Weg zur Unterkunft, intensivierte den Kontakt, begleitete die beiden Syrer bei Behördengängen, wanderte mit ihnen um den Wockersee, lud sie schießlich zu sich nach Hause ein. Dass keiner die Sprache des anderen spricht, war dabei Nebensache. Völkerverständigung funktioniert auch ohne Worte: „Wir haben viel miteinander gelacht“, erzählt Angret Kluth. Die beiden Jungs nicken zustimmend. Als Mutter kann sie sich aber auch sehr gut hineinfühlen, wie ihnen zumute sein muss mit dem Gedanken, dass Mutter und Brüder noch im völlig zerstörten Aleppo leben müssen. Den Neujahrstag verbrachten Nihad und Eyad bei Familie Kluth in Herzfeld. Bereits in der Adventszeit lud Angret Kluth ihre Schützlinge zu einer Fahrt nach Rostock ein, wo sie über den Weihnachtsmarkt bummelten und sich die Mensa der Rostocker Uni anschauten. Ostern begleiteten die Jungs Angret Kluth in die Kirche. „Das war sehr eindrücklich“, beschreibt sie diesen Moment.

In dieser Woche haben sich Nihad und Eyad nun aus Parchim verabschiedet – nicht ohne sich vorher bei einigen Menschen zu bedanken, die ihnen in den zurückliegenden Monaten zur Seite standen und den weiteren Weg ebnen halfen. Der führt nach Rostock, wo Nihad und Eyad ab Montag einen Jugendkurs besuchen, um schnell Deutsch zu lernen. Ihr Ehrgeiz ist hoch: In den nächsten Monaten wollen sie ununterbrochen pauken, um so schnell wie möglich die C1-Stufe als Voraussetzung für die Studienzulassung zu erreichen. Die Zwillinge, die in Aleppo ihr Abitur gemacht haben, möchten Informatik studieren. Zufall oder Wink des Schicksals? Johann, der Sohn von Angret Kluth, steckt gerade mitten im Informatikstudium. Mit ihm teilen sich Nihad und Eyad in den kommenden vier Wochen sogar eine Wohngemeinschaft, bevor sie zum 1. Mai ihre Wohnung beziehen können. Angret Kluth, Nihad und Eyad Mallah wollen weiterhin freundschaftlich verbunden bleiben. Für die Herzfelderin seien die zurückliegenden Monate eine große persönliche Bereicherung gewesen. „Helfen macht glücklich, das durfte ich erfahren.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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