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Landarzt gibt nach nur zwei Jahren Praxis überraschend auf : Fliegender Arztwechsel in Spornitz

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Als am vergangenem Freitag bei Bürgermeister Dieter Eckert das Telefon klingelte, hatte der kein gutes Gefühl. "Ich werde meine Praxis in Spornitz aufgeben", so die überraschende Nachricht von Dr. Dirk Grotkopp.

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erstellt am 18.Apr.2013 | 05:35 Uhr

Spornitz | Es war wie der Schreck in Abendstunde: Als am vergangenem Freitag bei Bürgermeister Dieter Eckert das Telefon klingelte, hatte der kein gutes Gefühl. "Ich werde meine Praxis in Spornitz aufgeben", so die überraschende Nachricht von Dr. Dirk Grotkopp. Nachdem der Landarzt aus Uelzen, der erst seit zwei Jahren im mecklenburgischen Lewitzdorf tätig ist noch vor Wochen öffentlich dementiert hat, dass er wieder abwandern will, traf die Hiobsbotschaft Eckert wie aus heiterem Himmel. "Ich bin von Patienten immer wieder gefragt worden, ob ich meine Arbeit als Arzt in Spornitz beenden will. An diesen Gerüchten ist absolut nichts dran", so Dr. Grotkopp noch im Sommer 2012. Doch das ist für den Mediziner offenbar Schnee von gestern. Er hat inzwischen ein lukratives Angebot aus der knapp 30 Kilometer entfernten Gemeinde Eldena erhalten und nimmt es kurzfristig an. Dort warten auf Dr. Grotkopp 1500 Patienten, rund 900 mehr als in Spornitz, wie Oliver Kahl von der Kassenärztlichen Vereinigung sagt. Und Bürgermeister Reinhard Tiede aus Eldena will seinem neuen Landarzt, der den Fortbestand der Hausarztpraxis sichern soll, den Start sogar "versüßen". Für ihn sollen neue Räumlichkeiten auf Kosten der Kommune umgebaut und später vermietet werden.

Schon am kommenden Freitag gehen in der Praxis bei Dr. Grotkopp in Spornitz die Lichter aus. Mit dem Landarzt verabschiedet sich zum Leidwesen des Bürgermeisters und der Dorfbewohner auch Schwester Kerstin, die für Patienten längst eine Vertrauensperson geworden ist. Bürgermeister Dieter Eckert ist enttäuscht, weil sich viele in der Gemeinde und im Amt Parchimer Umland seinerzeit dafür eingesetzt haben, dass die Nachfolge für die langjährige Landärztin Dr. Brigitte Frenzel, die nach mehr als 30-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand ging, gesichert werden konnte. Die örtliche Feuerwehr hatte tatkräftig beim Umzug geholfen und Bäckermeister Eckert zur Begrüßung sogar eine Sahnetorte gebacken.

Auf die schlechte Nachricht folgt dann doch noch eine gute: Dr. Detlef Scholz, der als hausärztlicher Internist und Rheumaspezialist in Neustadt-Glewe tätig ist, will möglichst bald die Spornitzer Praxis als Außenstelle übernehmen. "Ich freue mich auf die Spornitzer, werde dort die Ärmel hoch krempeln und um das Vertrauen der Patienten werben", so Dr. Scholz gegenüber unserer Redaktion. Er ist zuversichtlich, dass er sich mit der Eigentümerin der Praxisräume schnell einig wird und nach der notwendigen Umgestaltung im Mai erste Sprechstunden anbieten kann. "Ich lade die Spornitzer ein, bis zur Eröffnung der neuen Praxis bei Bedarf nach Neustadt-Glewe zu kommen."

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung sind die entsprechenden Anträge eingegangen. "Der Vorstand muss noch endgültig entscheiden, aber ich bis ziemlich sicher, dass dem Landarztwechsel in Spornitz nichts mehr im Wege steht", sagt Oliver Kahl. Es sei zwar bedauerlich, dass hier ein neuer Arzt nach kurzer Zeit einspringen muss, aber die Berufsfreiheit der Mediziner erlaube den Standortwechsel. Dass sich Dr. Grotkopp für einen Nachfolger eingesetzt hat, sei hilfreich gewesen. In Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit rund 160 Landarztstellen vakant. Da ist es schon ein großer Glücksfall, wenn ein "Problemfall" quasi über Nacht gelöst werden kann.

Dieter Eckert ist ein großer Stein vom Herzen gefallen. "Entscheidend ist, dass die medizinische Versorgung für unsere Bürger gesichert werden kann", betont er. Da sei es selbstverständlich, dass Dr. Scholz auf die Unterstützung der Spornitzer bauen kann. Für Bäckermeister Eggert steht fest, dass er auch dem neuen Landarzt Spornitz schmackhaft machen wird.

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