Eine Tonne in zwei Tagen : Fischesterben an Parchimer Herrenteichen

Enttäuschte Petrijünger vor den gestern eingesammelten toten Fischen, v. l. Jürgen Brockmann, Stefan Riehm, Hans-Joachim Jänsch und Manfred Rehberg.
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Enttäuschte Petrijünger vor den gestern eingesammelten toten Fischen, v. l. Jürgen Brockmann, Stefan Riehm, Hans-Joachim Jänsch und Manfred Rehberg.

Parchimer Angler zogen innerhalb von zwei Tagen eine Tonne Tierkadaver an Land. Umweltbehörde des Landkreises eingeschaltet

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10. Juni 2016, 05:00 Uhr

Betretene Gesichter am Donnerstag bei Mitgliedern vom Parchimer Anglerverein Wockersee. Rund eine Tonne toter Fische hatten sie innerhalb von zwei Tagen aus den Herrenteichen in der Kreisstadt gezogen. Mindestens die gleiche Menge von Kadavern liegt nach Einschätzung der Angler noch im Schilfgürtel, nicht erreichbar vom Boot aus. Die Angler schalteten am Mittwoch die Umweltbehörde des Landkreises ein.

So viele prächtige Barsche habe er noch nicht auf einem Haufen gesehen, schüttelte ein Angler den Kopf. Doch dieser Fisch stinkt – ebenso wie Hechte, Schleie, Brachsen, Plötze, die sich gestern Mittag auf einem Anhänger stapelten. Dabei ist das im Vergleich zum Vortag nur eine kleine Menge, als die Angler vier Stunden lang Kadaver aus den Teichen gefischt hatten. Allein 40 bis 50 stattliche Hechte waren verendet.

Die Wasserbehörde sei eingeschaltet, berichteten die Vereinsmitglieder Jürgen Brockmann und Manfred Rehberg. Durch den Landkreis wurden Wasserproben veranlasst, um die Ursache für das Fischsterben zu ergründen. Die beiden Petrijünger erinnerten daran, dass es vor einigen Monaten bereits einen Vorfall an den Herrenteichen gegeben hat.

Im Winter hatte ein SVZ-Leser vom Gestank rund um die Herrenteiche zwischen Ostring und Lübzer Straße berichtet. Auch seinerzeit war der Fachdienst Natur- und Umweltschutz eingeschaltet worden, erfuhr SVZ von Andreas Bonin, Sprecher des Landkreises. In der zweiten Februarwoche sei eine starke Verschmutzung der Herrenteiche angezeigt worden. Daraufhin erfolgte eine Kontrolle der Gewässer. Verursacht wurde die Gewässerverschmutzung seinerzeit durch die Einleitung verschmutzten Niederschlagswassers vom Gelände des Gutes Parchim, so das Amt. Das verschmutzte Wasser folss aus dem Schacht in den Hungerbach über die Herrenteiche in den Burggraben. Der Schacht wurde umgehend verschlossen. Auch wurden die Teiche beim Gut Parchim entschlammt, hieß es seinerzeit vom Kreis.

Da die Experten der Umweltbehörden danach keine Verbesserung der Wasserqualität in den Gewässern feststellten, schickten sie eine Kamera auf die Fahrt durch unterirdische Leitungen auf den angrenzenden Flächen der Teiche. Es wurde eine Leckage in einer unbekannten Rohrleitung von den Teichen zum Hungerbach gefunden. Diese Verbindung sei fachgerecht verschlossen worden.

Dass es jetzt erneut eine Verschmutzung der Herrenteiche gab, liegt vermutlich an einer alten Drainage unter dem Regenrückhaltebecken, die noch nicht gefunden wurde, erklärte Jochen Krippenstapel, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis. Nach der werde jetzt gesucht. Oberflächlich seien alle Zuflüsse dicht.

Über die offenbar beschädigten Drainagen sei vermutlich Wasser aus dem Regenrückhaltebecken in den Hungerbach und weiter in die Herrenteiche geflossen, so Andreas Bonin.

Die Ergebnisse der Wasserproben liegen noch nicht vor, so Krippenstapel. Die Behörde hat u.a. das Gut zur Wiederinbetriebnahme einer Belüftungsanlage für die Teiche aufgefordert, um sie mit Sauerstoff anzureichern. „Die Teiche sind empfindlich“, sagt Krippenstapel. Er verweist auch auf die Hitze und auf die Verschlammung. Aufgrund des nicht optimalen ökologischen Zustandes könnte ein solches Gewässer schnell umkippen. Krippenstapel erinnert sich daran, dass es schon einmal vor Jahren, noch zu Zeiten des Altkreises Parchim, an den Herrenteichen Probleme gegeben hat.


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