Wirtschaft : Fischer Thies hat Gold im Teich

<p>Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), beobachtet in Friedrichsruhe in einem Aquarium der Bimes Binnenfischerei GmbH die goldfarbenen Schnäpel. Erstmals sind die seltenen Fische in großem Maßstab gezüchtet worden.</p>
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Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), beobachtet in Friedrichsruhe in einem Aquarium der Bimes Binnenfischerei GmbH die goldfarbenen Schnäpel. Erstmals sind die seltenen Fische in großem Maßstab gezüchtet worden.

Weltweit einmalig: In Frauenmark gelingt Nachzucht des „Gold-Schnäpels“ tausendfach / Minister: Aquakultur große Chance fürs Land

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22. September 2015, 21:00 Uhr

Die Geschichte beginnt wie sie die Gebrüder Grimm vor knapp 200 Jahren aufgeschrieben haben: Fischer Guido Thies saß im Sommer 2010 an einem seiner Zuchtteiche und fischte mit dem Kescher ein prächtiges Exemplar, das   wunderschön golden war. Im Grimmschen Märchen flehte der  sonderbare Fisch,  zurück ins Wasser geworfen zu werden und versprach im Gegenzug  ein prächtiges Schloss.   Auch Guido Thieß entließ seinen Pracht-Fisch wieder in den Teich.

Fünf Jahre sind inzwischen   ins Land gegangen. Als Fischer in der elften Generation, blieb Thies bodenständig wie seine Vorfahren.  Doch inzwischen besitzt er  rund 3500  der goldenen Exemplare, die zur Familie der Lachsfische gehören und als Schnäpel bzw. Steinlachse bekannt sind.  Darauf sind er und Juniorchef Remo Thies ziemlich stolz.  Seine „Gold-Schnäpel“ sind als Mutation  in Wildbeständen ziemlich selten. Die Nachzucht in großem Maßstab ist weltweit einmalig. Agrarminister Till Backhaus hat sich gestern von der sensationellen Nachzucht ein Bild vor Ort gemacht. Guido Thies kann in den Frauenmarker Teichen nicht nur einen stattlichen Laichtierbestand vorweisen, sondern besitzt auch ein- und zweisömmrige Gold-Schnäpel, die bis zu 30 Zentimeter groß sind und ab sofort vermarktet werden.

„Es ist eine Laune der Natur. Durch  Mutation  sind die goldenen Schnäpel  entstanden“, erklärt Dipl.-Biologe Gerd-Michael Arndt von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei  die seltene  Schuppenfarbe.  Der Landwirtschaftsminister traut seinen Augen kaum. In einem der Frauenmarker Zuchtteiche, die von rund tausend Quellen gespeist werden, tummeln sich hunderte Schnäpel mit goldfarbenen Schuppen. In der Natur hätten sie keine Chance, da sie leichte Beute wären.

„Es ist eine Riesen-Chance“, meint Till Backhaus. Dass auch der Ostsee-Schnäpel mit einem Forschungsprogramm, in das rund 37 Millionen Euro flossen,  mit Hilfe der Aquakultur eine neue Chance bekam, sei bereits ein großer Erfolg. Mit dem goldenen Schnäpel wird der gelungenen Fischzucht nun in Frauenmark die Krone aufgesetzt. Derzeit kommen aus Deutschland nur rund zehn Prozent des jährliches Bedarfes von 1,2 Millionen Tonnen Fisch. „In der Aquakultur  wird umweltbewusst, artengerecht und im Interesse des Wasserschutzes Fisch produziert“, betont der Minister.

Ob die „Gold-Schnäpel“ nun in der Pfanne, oder zur Zierde im Gartenteich landen, bleibt Geschmackssache. Guido Thies genießt ihn am liebsten frisch geräuchert.

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