Parchimer Wallanlage steht unter Wasser : Feuchtbiotop bedroht uralte Bäume

<strong>Fehlen nur noch die Enten: </strong>Ein kleiner Teich hat sich inmitten der Wallanlage gebildet, doch der schöne Schein trügt - der übersättigte Boden schadet den alten Bäumen <foto>Cawe</foto>
Fehlen nur noch die Enten: Ein kleiner Teich hat sich inmitten der Wallanlage gebildet, doch der schöne Schein trügt - der übersättigte Boden schadet den alten Bäumen Cawe

Land unter in der Parchimer Wallanlage: Seit zwei Jahren versickert das stehende Wasser kaum und beeinträchtigt den alten Baumbestand. Noch in diesem Jahr soll eine Lösung gefunden werden.

svz.de von
15. März 2013, 08:29 Uhr

Parchim | Die Idylle in der Parchimer Wallanlage zwischen der Alten Mauerstraße und der Wallallee trügt. Das stehende Wasser versickert seit zwei Jahren kaum noch und beeinträchtigt den alten Baumbestand in dem denkmalgeschützten Gebiet. Unter anderem führten die Bodenstruktur, der hohe Grundwasserstand sowie die tiefe Lage der Parkanlage zu dieser Entwicklung.

Doch noch in diesem Jahr soll es eine Lösung für das Problem der Staunässe geben, so Karola Kimmen, Sachbearbeiterin für Grünflächen bei der Stadt Parchim. Hierfür betraute die Stadt den selbstständigen Landschaftsarchitekten Andreas Webersinke aus Rostock mit der Analyse. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Karola Kimmen mit dem Rostocker zusammen. So habe er beispielsweise die denkmalpflegerische Zielstellung für die Aschestreuwiese auf dem Parchimer Friedhof angefertigt.

"Ich weiß die feinfühlige Art der Webersinkes zu schätzen. Sie packen ein Projekt mit ganzem Herzen an und so habe ich immer das Gefühl, dass ihnen an jedem einzelnen Projekt etwas liegt", beschreibt es die Sachbearbeiterin für Grünflächen. Daher würde sie es auch sehr begrüßen, wenn die Firma Webersinke auch den Zuschlag für die Umsetzung der denkmalpflegerischen Zielstellung für die Wallanlage erhalten würde. Vorgestellt wird diese voraussichtlich schon im Stadtentwicklungsausschuss am 14. Mai.

Doch welche Auswirkungen hat eigentlich das ständige Wasser in der Parkanlage? Für den Altbestand der Bäume - insbesondere die Buchen und Eichen - sei der übersättigte Boden nachteilig. Als Folge der ständigen Überwässerungen reagieren die Bäume mit Wurzel-Fäulnis, die sich nach und nach auf den gesamten Baum ausdehnt und zu dessen Absterben führt. "Auf diese Weise geht auch eine Gefahr von den Bäumen aus, da sie umstürzen können", erklärt Karola Kimmen und fügt hinzu: "Zudem haben sich auch schon Bürger über die Geruchsbelästigung im Sommer beschwert, da das stehende Wasser zu modern beginnt."

Doch eines liegt der geschichtsinteressierten Parchimerin, die auch Mitglied des Heimatbundes ist, zusätzlich am Herzen - der Wall ist eine historische Anlage und sollte als solche unbedingt erhalten werden. Um das zu gewährleisten recherchierte Andreas Webersinke in den Archiven nach Anhaltspunkte, wie die Wallanlage früher einmal ausgesehen haben könnte.

Dabei kam erstaunliches zu Tage: Um 1860 gab es scheinbar einen Schriftverkehr mit dem Großherzoglichen Gartendirektor Theodor Klett. Dieser gestaltete schon die Schweriner Schloßgärten, den Burggarten, die Marstallhalbinsel sowie den Alten Garten und den Alten Friedhof. Nun lieferte er allem Anschein nach Gestaltungshinweise für die Parchimer Wallanlagen - eine große Ehre für die Stadt an der Elde.

Über den Baumbestand fand der Landschaftsarchitekt in den Archivalien des Parchimer Stadtarchivs einen besonders interessanten Hinweis. So schrieb Friedrich Franz, Großherzog zu Mecklenburg, an den Parchimer Magistraten bezüglich der Umgestaltungsmaßnahmen und der Planierung der Hügel und Untiefen des Walls: "Bei einer beabsichtigten Ebnung der Wälle sollen die dort vorhandenen schönen Eichen erhalten bleiben."

Im Norden der Wallanlagen befinden sich auch heute noch alte Eichen. "Vor dem Hintergrund dieses Schreibens vom 12. Juni 1817 ist es denkbar, dass eben diese Bäume gemeint sind. Das würde bedeuten, dass sie, weil sie 1817 schon eindrucksvoll beschrieben wurden, bereits über 300 Jahre alt sind", erklärt Karola Kimmen. Der Verlust der alten Eichen und Buchen auf diesen Gebiet sei für eine innerstädtische Parkanlage erheblich. Die nachhaltige Sanierung soll diesem Prozess entgegenwirken. Um die Zeit bis zu einer endgültigen Baumaßnahme zu überbrücken und die Flora zu entlasten wird die Staunässe bislang von Zeit zu Zeit durch die Parchimer Stadtwerke abgepumpt. Welche Lösung Andreas Webersinke für die mittelalterliche Befestigung zwischen Alter Mauerstraße und Wallallee vorsieht wird sich im Laufe des Jahres herausstellen.

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