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Parchimer Zeitung

20. September 2017 | 18:40 Uhr

Parchim : Essen auf Rädern mit Liebe gekocht

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Mahlzeitendienst der Volkssolidarität bereitet täglich mehr als 400 Portionen für individuelle Kunden und Kita-Kinder zu

von
erstellt am 12.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Pünktlich wie ein Uhrwerk klingelt Hartmut Holstein heute wieder gegen 11 Uhr bei Ullrich Lemcke in Domsühl an der Tür. Mit einem netten Guten Tag übergibt er dem 84-Jährigen eine handliche Box, manchmal wechseln beide noch einen kurzen Satz über die aktuelle Wetterlage und schon braust der weiße Lieferwagen mit dem grünen Schriftzug der Volkssolidarität weiter. Hartmut Holstein ist einer von neun Ausfahrern beim Mahlzeitendienst „Essen auf Rädern“, seine Stammrunde die Crivitzer Tour: Um die 50 Essen bringt er montags bis freitags u. a. zu den Kunden aus Domsühl, Raduhn, Schlieven und Dargelütz ins Haus. Etwa 100 Kilometer hat er jedes Mal zurückgelegt, bis die letzte warme Mahlzeit übergeben und er gegen 12 Uhr wieder zurück in der Kreisstadt ist.

In der Lübzer Chaussee von Parchim wird das „Essen auf Rädern“ täglich frisch zubereitet: durchschnittlich 300 Portionen für individuelle Besteller aus der Stadt und dem Parchimer Land. Kunden zum Beispiel aus Spornitz, Matzlow-Garwitz oder Ziegendorf ebenso wie aus Plau am See oder Goldberg nehmen den Lieferservice des Wohlfahrtsverbandes dankbar in Anspruch. Innerhalb des Stadtgebietes von Parchim wird das „Essen auf Rädern“ sogar an den Wochenenden und an Feiertagen direkt ins Haus gebracht. Darüber hinaus versorgt der Mahlzeitendienst des Parchimer Kreisverbandes der Volkssolidarität Kindereinrichtungen in seiner Trägerschaft: Das macht noch einmal ca. 100 bis 110 Portionen täglich. Seit dem Umzug in die Lübzer Chaussee vor zwei Jahren betreibt der Mahlzeitendienst zudem eine öffentliche Kantine am Standort: An fünf Tagen in der Woche können Mittagsgäste hier ohne Anmeldung von 11.30 bis 13 Uhr einkehren und ihren Appetit auf Hausmannskost stillen. Zur Auswahl stehen jeweils zwei Gerichte.

Egal ob in der Parchimer Weststadt oder in Drefahl: Damit das Essen mittags überall pünktlich auf dem Tisch steht, müssen Matthias Pätzel und seine Crew sehr früh loslegen und minutiös den erprobten Zeitplan einhalten. Für den Küchenleiter ist es Ehrensache, morgens als erster am Herd zu stehen: Offiziell beginnt sein Arbeitstag um 4.30 Uhr, meistens werden es aber doch schon ein paar Minuten eher. Gegen 7 Uhr trifft der „Spätdienst“ ein.

Das Essen für die Kunden wird in umweltfreundliche, einfach zu öffnende und wiederverwertbare Kunststoffteller verpackt, die zuvor auf 80 Grad temperiert wurden. Gegen 8.45 machen sich die ersten vier Fahrzeuge auf den Weg übers Land zu den Kunden, zwei weitere rollen eine Stunde später vom Hof.


Mittags ist für den Küchenchef Feierabend


Wenn andere Berufstätige ihre Mittagspause einlegen, rüstet sich Matthias Pätzel für den Feierabend. Der 40-jährige Parchimer kommt mit diesem Rhythmus gut klar, kann sich derzeit keine anderen Arbeitszeiten vorstellen. Fit für den zweiten Teil des Tages macht er sich mit einer kurzen Siesta. „Die Stunde muss sein, sonst hält man das nicht durch“, gesteht der gelernte Koch. Seine Arbeit gefällt ihm: „Man ist stets im Trockenen und Warmen und man ist immer satt“, ist der Parchimer auch gern mal für einen lockeren Spruch zu haben. Allerdings sei die Arbeit in der Küche auch nichts für Zartbesaitete: Der größte Topf auf dem Herd hat randvoll gefüllt ein Gewicht bis zu 30 Kilogramm… Matthias Pätzel ist seit August 2002 für den VS-Mahlzeitendienst tätig und damit gemeinsam mit Hartmut Holstein der „dienstälteste“ Mitarbeiter im 16-köpfigen Team. Ihnen folgt Winfried Kasiske, der im Oktober 2004 seinen ersten Arbeitstag als Ausfahrer hatte. Aufgebaut und in der Region etabliert wurde „Essen auf Rädern“ Anfang der 1990er Jahre von Doris Fellendorf. Sie fand vor fünf Jahren in ihrer Schwiegertochter Susanne Fellendorf eine Nachfolgerin, die die Sache mit der gleichen Leidenschaft lebt. Allerdings muss sie zusammen mit dem Küchenchef auch eine kühle Kalkulatorin sein. Unter heutigen Bedingungen ein Essen für vier Euro hinzuzaubern, hochwertig zu verpacken und den Parchimern ins Haus zu bringen bzw. für 20 Cent Aufschlag bis nach Plau am See auszuliefern, sei ein enormer Spagat. Teilweise würden die Fahrer sogar noch die Mikrowelle anstellen, weiß Susanne Fellendorf. Als feste Bastion im Büro gilt Mandy Stöwesand. Sie ist für viele Kunden am Telefon oft die erste Ansprechpartnerin, wenn diese Bestellungen aufgeben bzw. ein Essen zu- oder abbestellen möchten. Das ist allmorgendlich bis 7.30 Uhr ohne Aufschlag möglich.


Königsberger Klopse sind der Renner


Täglich haben die Kunden eine Auswahl zwischen drei Gerichten. Zusätzlich wird eine täglich wechselnde Salatvariation angeboten. Nicht mehr vom Speiseplan wegzudenken sind solche Klassiker wie Kartoffelsalat und Schnitzel, Bauernfrühstück oder Hamburger Schnitzel mit Bratkartoffeln. Auch hausgemachte Kartoffelpuffer gehen immer weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Auf der Liste der Lieblingsgerichte rangieren Hühnerfrikassee und Königsberger Klopse ganz weit oben. Auch Ullrich Lemcke bestellt diese beiden Gerichte immer wieder gern. Der frühere Lehrer nimmt seit mehr als zwei Jahren den Mahlzeitendienst in Anspruch. „Man merkt, dass das Essen täglich frisch zubereitet wird“, lobt der Domsühler Geschmack und Vielfalt. Ein Extrabienchen gibt es von ihm für die Pünktlichkeit und Freundlichkeit der Fahrer.

Ein Lob, das Hartmut Holstein sich in jeder Hinsicht verdient hat. Der 55-Jährige ist als geringfügig Beschäftigter beim Mahlzeitendienst angestellt und baute vor Jahren die Crivitzer Tour auf. Vielen Kunden, die er heute regelmäßig beliefert, hat er das „Essen auf Rädern“ persönlich schmackhaft gemacht. Seine Arbeit bedeutet dem EU-Rentner viel. „Das macht mir viel Spaß. So komme ich unter Leute“, bekräftigt Hartmut Holstein.
 

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