zur Navigation springen

Parchimer Kunstprojekt bislang folgenlos : "Es wird viel geredet und wenig getan"

vom

Der Aufschrei war groß, die Stille die ihm folgte noch größer: Das Spektakuläre Kunstprojekt als Reaktion auf Fukushima war bislang folgenlos. Doch Künstler Herbert W.H. Hundrich hofft auf eine Fortsetzung in Parchim.

svz.de von
erstellt am 13.Apr.2012 | 07:51 Uhr

Parchim | Der Aufschrei war groß, die Stille die ihm folgte noch größer. Als am 16. September 2011 - gut sechs Monate nach der japanischen Atomkatastrophe - in der Kreisstadt die Kunstausstellung "an alle, die es betrifft" mit großem Bahnhof eröffnet wurde, war Parchim für Stunden aus der provinziellen Beschaulichkeit gerissen. In die Schar der ersten Besucher hatten sich nicht nur Lokalpolitiker von Kreis und Stadt, sondern mit Doris Pack sogar die Vorsitzende des Kulturausschusses der Europäischen Union eingereiht. "Mitten im Leben" - wie Bürgermeister Bernd Rolly in seiner Laudatio den Ausstellungsort (Ladengalerie Kunst+Mode) treffend beschrieb - hat Herbert W.H. Hundrich mit künstlerischen Mittel den Versuch unternommen, ganz persönlich auf die Katastrophe von Fukushima zu reagieren und mit seiner humanistischen Botschaft die Betrachter zu fesseln. "Wir, die unter den verwaisten Städten und Dörfern leiden, fühlen mit denjenigen, denen mit dem Verlust ihrer Städte und Dörfer ungleich größeres Leid entstanden ist. Für uns ist es ein Gebot der Menschlichkeit, sie einzuladen und zu sagen: ,Kommen Sie zu uns. Kommen Sie nach Parchim, um hier zu leben. Wir wollen Sie nicht als Flüchtlinge willkommen heißen, sondern als Mitmenschen", so H.W. Hundrich. Im Zentrum des Projektes steht die Collage eines Luftbildes von Parchim, auf die Hundrich im Verlauf einiger Straßen einen "Liegenden" - als Symbol des zur Ruhe kommenden Menschen angelehnt an einen buddhistischen Buddha - projeziert hat.

"Es wird darauf ankommen, die Visionen aufzugreifen und Machbares umzusetzen", so seinerzeit die spontane Reaktion von Prof. Dr. Wolfgang Vogt vom Kulturforum Pampin.

Waltraud Kretschmann von "International Delphic Council" griff noch am Abend das Angebot der Stadt Parchim auf, ein Kulturprojekt mit japanischen Kindern im Frühjahr 2012 auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin zu unterstützen. Selbst eine Städtepartnerschaft sei denkbar. Und auch der "Liegende" soll auf dem Parchimer Pflaster Realität werden. "Von Parchim soll das Signal ausgehen, das wir nur gemeinsam eine Zukunft auf der Erde haben, und wir reichen jedem Hilfsbedürftigen die Hand. In wie weit dieses Signal ankommt und wahrgenommen wird, bleibt abzuwarten - wir arbeiten ernsthaft daran", versicherte das Stadtoberhaupt und bekam viel Beifall.

Wer sich sieben Monate später in Parchim auf Spurensuche macht, was aus dem Kunstprojekt , den daraus resultierenden Ideen und Plänen geworden ist, wird nachdenklich. Herbert W.H. Hundrich bringt es auf den Punkt: "Da wird viel geredet und wenig getan". Für den weltoffenen Künstler, der seit mehreren Jahren abwechselnd im mecklenburgischen Pampin und auf Mallorca lebt und arbeitet - ist es trotz Enttäuschung kein Grund zur Resignation.

In seinem Epilog zur Ausstellung schreibt Hundrich: "Die Katastrophe von Fukushima hat nicht stattgefunden. Sie findet statt und wird noch lange stattfinden...". Der Künstler hofft, dass sein Projekt "Freiheit und Zeit bekommt, um sich zu entwickeln". Dazu gehört auch, dass Hundrich weiterhin dran glaubt, dass seine Saat in Parchim doch noch aufgeht und womöglich eine hochkarätige Ausstellung in absehbarer Zeit zu Stande kommt. Sein "Liegender", der seit wenigen Tagen als Leihgabe eine Wand des neu eröffneten Fraktionsbüros der Grünen in der Waagestraße ziert, könnte - wenn vielleicht auch in kleiner Dimension als zunächst angedacht - für überregionales Aufsehen sorgen.

Das Projekt "an alle, die es angeht", hat nicht stattgefunden - es findet statt...

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen