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Parchimer Oberförster gibt Staffelstab weiter : Es geht Menschen wie Bäumen

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Dienstübergabe: Erhard Bach, langjähriger Chef der Parchimer Stadtforst, übergibt in dieser Woche die

Amtsgeschäfte. An der Liebe zum Wald ändert sich jedoch nichts.

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erstellt am 02.Dez.2012 | 08:13 Uhr

Parchim | Wenn Erhard Bach heute Morgen wie üblich gegen 6.45 Uhr im Forsthaus Kiekindemark eintrifft, steht dem 64-Jährigen keinesfalls ein normaler Arbeitstag bevor. Im Kalender hat sich der Chef der Parchimer Stadtforst schon vor Wochen notiert "Dienstübergabe". "Alles hat seine Zeit. Da geht es den Menschen wie den Bäumen", hat der Oberförster, der nun in den Ruhestand geht, eine nüchterne Erklärung parat. "Wichtig ist, dass die Arbeit in der Stadtforst kontinuierlich weitergeht. Aber da bin ich mir ziemlich sicher", kommentiert es Erhard Bach mit einem Lächeln. Schließlich kennt er Revierförster Danilo Klaus, der jetzt in seine Fußstapfen tritt, bereits aus rund 17 Jahren gemeinsamer Arbeit.

Als Erhard Bach, der in Menthin nahe Suckow aufgewachsenen ist, im September 1964 seine Berufsausbildung zum Forstwirt begonnen hatte, brachte der junge Mann vor allem eins mit, die Liebe zur Natur. "Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen. Meine Eltern haben als Landwirte gearbeitet und das hat mich geprägt". Seine berufliche Laufbahn verlief geradlinig wie seinerzeit üblich. Nach der dreijährigen Berufsausbildung ging es zur Forstschule nach Raben Steinfeld. Der junge Forstingenieur fand problemlos Arbeit in seiner Heimatregion zunächst in Kleeden bei Dobbertin, dann im Parchimer Umfeld und schließlich in der Försterei Marnitz. "Von meinem damaligen Chef Wolfgang Gutsche habe ich eine Menge gelernt. Der Oberförster hat viel Wert auf einen kollegialen Arbeitsstil gelegt und uns an der ,langen Leine geführt. Das hat mir gut getan", ist sich Erhard Bach sicher. "Neben der Holzproduktion war uns Nachhaltigkeit auch damals wichtig. Letztendlich haben wir den Wald, den wir heute nutzen, in die neue Zeit mit eingebracht", sagt der Oberförster nicht ohne Stolz.

Nach der Wende mischte sich Erhard Bach erstmals aktiv in die Kommunalpolitik ein, arbeitete von 1990 bis 1994 in der ersten frei gewählten Stadtvertretung mit und musste weit reichende Entscheidungen fällen. "Neben Rostock hatte Parchim früher den größten kommunalen Waldbesitz in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 3000 Hektar waren 1952 verstaatlicht worden. Die Chance für die Wiedergeburt der Stadtforst wollten wir unbedingt nutzen", sagt Bach. Das lief glatter als gedacht. Die Treuhand lenkte schnell ein und es begann die "Zeit des Suchens und Findens" wie der Oberförster es im Rückblick beschreibt. Ein kleines Büro im Grünamt der Stadt, ein Trabi als Dienstfahrzeug und zum Start gleich ein gewaltiger Sturmschaden, machten die Aufbauarbeit den kleinen Teams um den neuen Stadtforstchef Bach nicht leichter. "Im ersten Haushaltsjahr konnten wir die roten Zahlen von 200 000 DM bereits auf die Hälfte reduzieren. Das brachte uns Anerkennung ein. Bis heute haben wir für unsere Stadt schon rund 600 000 Euro erwirtschaftet", sagt der scheidende Chef.

"Unser Wald ist etwas ganz Besonderes und soll es auch in Zukunft bleiben", meint Erhard Bach und schaut auf ein Bild, das seine Bürowand ziert. Zu sehen ist darauf Forstsenator Wilhelm Evers, der von 1868 bis zum plötzlichen Tot 1901 die Parchimer Stadtforst leitete. "Der Mann hatte vor allem Weitsicht, von der wir bis heute profitieren", weiß Bach nur allzu gut. Nachdem es auch in den Wäldern bei Parchim im 19. Jahrhundert zu wenig heimische Holzarten gab und Versuche gelangen, Fichten und Lärchen anzusiedeln, wollte Evers Baumarten aus Amerika nach Mecklenburg holen. Dabei setzte er vor allem auf die Douglasie. Auch Weißtannen, Nordmannstannen, Balsamtannen und Weymouthskiefern wurden in den Folgejahren erfolgreich am Sonnenberg eingebürgert. Längst sind sich die Fachleute in Europa einig: Die besten Douglasien Deutschlands wachsen im Stadtforst Parchim. Das Holz ist leicht, sehr zäh und hat ähnliche Güteeigenschaften wie Lärchenholz. An der Wunderlichschneise haben die 90 Jahre alten Douglasien eine Höhe von rund 50 Metern erreicht. "Mit der Everschen Bewirtschaftungsstrategie, einer naturnahen, ökologisch ausgerichteten und ertragsorientierten Forstwirtschaft und ihrer ungewöhnlichen Baumvielfalt lässt sich gut leben", meint der Experte. 30 Baumarten kommen hier vor. Der natürliche Verjüngungsprozess bei der Wiederbegründung hat Vorrang. Die mit mehr als 150 Jahren überalterten Buchenbestände wurden abgebaut und die natürliche Reproduktion gefördert.

"Wir fühlen uns für den grünen Gürtel unserer schönen Stadt verantwortlich. Deshalb investieren wir viel Zeit und Mittel und haben beispielsweise rund 60 Kilometer Rad- und Wanderwege für die Naturliebhaber angelegt. In diesem Jahr waren schon mehr als 600 Kinder auf unserem Forsthof in Kiekindemark zu Gast", sagt Erhard Bach. "Alles, was hier in den vergangenen Jahren entstanden ist, war nur möglich, weil Stadtvertreter und Verwaltung ihrer Stadtfort stets die nötige Unterstützung gegeben haben. Da hat der Job wirklich Spaß gemacht. Ich habe keinen Tag erlebt, an dem ich nicht gerne zur Arbeit gegangen bin", so sein persönliches Resümee.

Für Erhard Bach, der in wenigen Tagen 65 Jahre alt wird, ist ein Leben ohne den Wald nicht denkbar. Der Oberförster im Ruhestand wird weiter im obersten Jagdbeirat des Landes und als Chef einer Hegegemeinschaft ehrenamtlich tätig sein und selbst auf Jagd gehen. "Es ist ein gutes Gefühl, wenn man selbst einen kleinen Beitrag dafür geleistet hat, dass künftige Generationen den Wald genießen können wie wir es durften", meint Erhard Bach.

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