Baumfällung Parchim : „Es geht bei weitem nicht um Kahlschlag“

Die Arbeiten kommen in den Wallanlagen unübersehbar voran. In dieser Woche wurden schwerpunktmäßig überwiegend von Pilzen befallene Bäume im westlichenTeil gefällt.
Die Arbeiten kommen in den Wallanlagen unübersehbar voran. In dieser Woche wurden schwerpunktmäßig überwiegend von Pilzen befallene Bäume im westlichenTeil gefällt.

Bürgermeister Dirk Flörke: Arbeiten schreiten planmäßig voran. Verständnis für öffentliche Diskussion . Vorgeschlagener Parkrundgang für jedermann wird geprüft.

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25. Januar 2018, 05:00 Uhr

Selten hat ein Millionenprojekt zur Umfeldgestaltung die Kreisstädter so gespalten wie die gerade begonnene Sanierung der Wallanlagen. Nachdem bekannt geworden war, dass zunächst 101 Bäume gefällt werden, halten Befürworter und Ablehner mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. SVZ-Redakteur Wolfried Pätzold fragte bei Bürgermeister Dirk Flörke (CDU) nach.

Waren Sie in den vergangenen Tagen schon selbst vor Ort, um sich ein Bild von den Fällarbeiten zu machen?
Flörke: Selbstverständlich war ich in den vergangenen Tagen und Wochen selbst vor Ort und habe mir ein Bild gemacht. Auch nach Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Firma, die für die Fällarbeiten verantwortlich sind, bleibt aus derzeitiger Sicht festzuhalten, dass die Arbeiten planmäßig voranschreiten. Sicher sieht es momentan in den Wallanlagen nicht so aus wie man es aus den Vorjahren gewohnt ist. Und natürlich ist mir bewusst, dass das der Eindruck ist, den die Bürger derzeit aufnehmen. Die geplanten Fällarbeiten sind nun aber einmal der erste Schritt hin auf dem Weg zu einer Sanierung der für Parchim bedeutsamen Wallanlagen.

Können Sie nachvollziehen, warum so viele Parchimer kein Verständnis dafür haben, dass in den Wallanlagen auf einen Schlag Hundert Bäume weichen sollen?
Natürlich kann ich verstehen, wenn es bei einem solch wichtigen Vorhaben in der Stadt zu einer öffentlichen Diskussion kommt. Den Aspekt der 100 zu fällenden Bäume muss man aber auch in den sachlichen Zusammenhang rücken und betrachten. Seit 2013 befinden wir uns in der Diskussion zur Sanierung der Wallanlagen. Grundlage war zu diesem Zeitpunkt eine denkmalpflegerische Zielsetzung, die letztendlich in einem Beschluss der Stadtvertreter in 2014 mündete. Die Beratungen und Diskussionen zu dieser Thematik fanden sowohl im Stadtentwicklungsausschuss als auch in der Stadtvertretersitzung statt, immer in öffentlicher Behandlung. Schon zu diesem frühen Stadium wurde über die Behebung von Missständen in den Wallanlagen diskutiert. Hier ging es um gezielte Rodungsmaßnahmen des in der Vergangenheit unkontrollierten Gehölz- und Jungbaumaufwuchses. Dies sollte als Zielstellung bei allen weiteren Planungen berücksichtigt werden und demzufolge auch zur Umsetzung kommen. Die Fragen Fällung und Wiederaufforstung sind in allen Phasen der nunmehr jahrelangen Planung Thema der Diskussion gewesen. Es geht bei weitem nicht um den befürchteten Kahlschlag in den Wallanlagen, wie es in der öffentlichen Diskussion zu vernehmen ist, sondern um die gezielte Rodung von Wildwuchs oder auch kranken Baumbestandes.

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Warum hat die Stadt erst drei Tage vor Weihnachten überhaupt die umstrittene Anzahl der zu fällenden Bäume öffentlich gemacht?
Eine mangelnde öffentliche Beteiligung zur Maßnahme der Sanierung der Wallanlagen kann ich nicht feststellen. Wie gesagt, seit 2013 ist die Sanierung der Wallanlagen Thema in den öffentlichen Diskussionen sowohl im Stadtentwicklungsausschuss als auch in der Stadtvertretung. Dort wurde immer darüber berichtet, dass es im Zuge der Sanierung auch zu Fällungen und Rodungen kommen wird. Ich möchte hier auch noch einmal betonen, dass im gesamten Prozess jederzeit eine enge Abstimmung mit den Naturschutz- und Denkmalschutzbehörden stattfand.

Auf einer Bürgerveranstaltung am 7. Dezember wurde auch über die geplanten Fällarbeiten von ca. 100 Bäumen berichtet. Nach Abschluss des intensiven Planungsprozesses und vor Beginn der Fällarbeiten ist natürlich dann auch eine entsprechende Pressemitteilung der Stadt mit den konkreten Zahlen der zu fällenden Bäume herausgegangen. Und selbstverständlich sind die Informationen auch auf der Homepage der Stadt Parchim zu finden. Wenn ich an die seit 2013 stattfindende öffentliche Diskussion zur Sanierung der Wallanlagen in den unterschiedlichsten Gremien denke, kann ich hier keine fehlende Transparenz erkennen. Wir haben immer offen und ehrlich über dieses Thema informiert und die Beratungen fanden nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Nur zwölf Bürger waren zur Informationsveranstaltung der Stadt im Dezember gekommen. Warum haben sich bislang nur so wenige Mitbürger für dieses „Jahrhundertprojekt“ interessiert?
Ich selbst kann nicht erklären, warum sich im Vorfeld nur so wenige Parchimer für dieses Jahrhundertprojekt interessiert haben. Wir haben aber auch zu anderen Themen die Erfahrung gemacht, dass im Vorfeld das öffentliche Interesse nicht sehr groß ist. Erst mit den konkreten Arbeiten – wie auch bei den Wallanlagen – rückt ein Thema in das öffentliche Interesse und die Bürger beginnen, sich dafür zu interessieren. Das ist leider so und von daher kann ich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Parchim nur auffordern, sich auch schon im Vorfeld in diese Prozesse mit einzubringen. Informationen zu aktuellen Themen sind jedem zugänglich und von daher kann sich auch jeder in diese Diskussionen mit einbringen. Mir ist es alle Male lieber, solche Dinge im Vorfeld zu diskutieren, die Hinweise der Bürger aufzunehmen und ihre Fragen zu großen Vorhaben in der Stadt zu beantworten.

Was ist in der Kommunikation schief gelaufen? Wollen Sie nachbessern und beispielsweise wie vorgeschlagen bei einem Parkrundgang die Bürger vor der eigentlichen Sanierung noch einmal umfassend informieren?
Gerne prüfen wir in diesem Zusammenhang den vorgeschlagenen Parkrundgang für die Bürgerinnen und Bürger vor der eigentlichen Sanierung, um hier noch einmal auf die geplanten Maßnahmen eingehen zu können.

Es gibt Zweifel, dass trotz der erheblichen Aufwendungen das Grundproblem der Wallanlagen, die ständige Nässe,beseitigt werden kann. Können Sie diese Sorgen entkräften?
Für das Problem der Nässe kann ich keine Garantie für die endgültige Beseitigung geben. Wir alle wissen, dass es dieses Problem besonders im Frühjahr und im Herbst schon immer gegeben hat. Die Gründe dafür sind u.a. ein hoher Grundwasserspiegel, die in den Wallanlagen vorhandenen Bodenschichten, aber auch die geringe Wasserdurchlässigkeit. Trotzdem arbeiten wir an einer Verbesserung. So wurde beim Bau des Mischwasserkanals zusätzlich eine Drainage verlegt. Weitere kleine Maßnahmen sind im Zuge der Sanierung geplant.

Anwohner der Wallanlagen befürchten, dass der Verkehrslärm nach den Baumfällungen noch schlechter gedämpft wird. Wurde das im Vorfeld untersucht?
Hinsichtlich des Verkehrslärms kann ich nur darauf verweisen, dass die Wallanlagen auch nach der Sanierung ihre Funktion erfüllen und der Charakter erhalten bleibt. Neben den Bäumen dämpfen natürlich auch Sträucher den Verkehrslärm. Hier wird teilweise verjüngt und ergänzt, aber auch – gerade im Bereich der Böschung zur Wallallee - zusätzliche Pflanzungen vorgenommen. Dies folgt dem ursprünglichen Charakter der Wallanlagen und demzufolge werden die Wallanlagen auch zukünftig ihre Funktion in dieser Frage erfüllen.

Die geplanten Neupflanzungen von mehr als 100 Bäumen sind bislang zu kurz gekommen. Dabei soll es sich um Baumsorten handeln, die bereits im 19. Jahrhundert für den Wall eingeplant waren. Ist es ratsam angesichts des Klimawandels auf diese Sorten zurückzugreifen?
Der Aspekt der Neupflanzungen ist von Fachleuten aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet worden. Natürlich geht es in erster Linie um den Erhalt des historischen Charakters. Die Neupflanzungen sehen unter anderem Gattungen und Arten vor, die historisch belegbar sind. Daneben müssen sie aber auch anderen Kriterien genügen. Hier geht es insbesondere um die Resistenz gegen bestimmte Krankheiten, die Anpassungsfähigkeit an ihre Umgebung usw. Von daher kommen Gehölzarten und -sorten aus ähnlichen klimatischen Bedingungen zur Anpflanzung.

Ist es realistisch, dass die Parkanlage in rund einem Jahr in alter Schönheit den Parchimern als Kleinod wieder zur Verfügung steht?
Sollten die Baumaßnahmen planmäßig verlaufen, ist die Abnahme der sanierten Wallanlagen zum Jahresende realistisch. Das ist unser Ziel und dann können sich Parchimer sowie unsere Gäste auf die neugestalteten Wallanlagen freuen.
 

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