zur Navigation springen

Interview : „Es brennt bei den Feuerwehren“

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

CDU-Fraktionschef Wolfgang Waldmüller kritisiert im SVZ-Gespräch die Verwaltungsspitze und sieht Digital-Chancen für Berufsschulen

von
erstellt am 16.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Wenn das schnelle Internet den Kreis überzieht, ist das auch eine Chance, den Berufsschülern Wege zu ersparen. Das sieht CDU-Kreistags-Fraktionschef Wolfgang Waldmüller im Gespräch mit Redakteur Udo Mitzlaff so. Ansonsten spart Waldmüller nicht mit Kritik an der Verwaltungsspitze.

Frage: Im nächsten Jahr stehen Landratswahlen an. Steigen Sie in den Ring?

Wolfgang Waldmüller: Nein.

Nanu, wen schickt die CDU dann?

Waldmüller: Das werden die Parteigremien klären. Noch in diesem Jahr werden wir einen Kandidaten benennen.

Wo brennt es denn kreispolitisch am meisten?

Waldmüller: Aktuell natürlich bei den Feuerwehren. Die ungeklärte Standortfrage, ein Kreisausbilder, der ohne persönliche Worte abgesetzt wurde und zu allem auch noch ein unzureichender technischer Service für unsere Gemeinden. Das alles erhitzt die Gemüter der Kameraden. So geht man nicht mit dem Ehrenamt um. Und wenn es alleine nicht funktioniert, erwarten wir, dass die Kreisspitze ihrer Aufsichtspflicht nachkommt und einschreitet.

Wie steht Ihre Fraktion zur Entscheidung um die Standortfrage?

Waldmüller: Für uns steht fest: Keine Zukunftsentscheidung ohne die Kameraden, denn die sollen es am Ende leisten wollen. Wir sind dankbar, dass es sie gibt und brauchen sie alle und jeden einzelnen.

Mehr Service und sogar noch Gewinne bei der Abfallwirtschaft heißt es. Hätten Sie das gedacht?

Waldmüller: Gerade hatten wir eine nicht unerhebliche Gebührenerhöhung. Jeder Gewinn, der nun verzeichnet werden kann, wurde hier bereits mit eingepreist und ist das Geld der Bürger.

Können Sie sich eine vollständige Kommunalisierung vorstellen?

Waldmüller: Außerhalb von Wettbewerb zu glauben, die Kommune kann das günstiger, ist mittel und langfristig Augenwischerei. Da fällt mir dieser Gedanke ehrlich gesagt sehr schwer. Am Ende können uns nur günstigere Gebühren für den Bürger überzeugen.

Viel Theater ums Theater. Ein Sonderkreisausschuss dazu steht in der kommenden Woche an...

Waldmüller: Ja, den hat unsere Fraktion gefordert. Es ist an der Zeit, endlich mal alle Fakten auf den Tisch zu legen. Hier wird es in erster Linie darum gehen, wie und wann es mit der baulichen Umsetzung losgeht. Und sicher werden wir dabei auch das Rätsel um die im letzten Kreistag avisierten 12 Millionen Euro Fördermittel des Landes auflösen können, die nun als Missverständnis zwischen Ministerium und Kreisspitze erklärt werden. Ich sage nur: So etwas entsteht, wenn man etwas zur Chefsache erklärt, was jedoch alle angeht.

Nun wurde ein Machtwort gesprochen: Das Theater kommt. Punkt.

Waldmüller: So lange hat es schon gedauert, dass wir die über 70-jährige Geschichte, auf die unser Parchimer Theater zurückblicken kann, fast vergessen hätten und uns etwas lange da gewesenes jetzt beinahe als Geschenk verkaufen lassen müssen.

Anderen Landkreisen gelingt es scheinbar viel leichter, ans Ziel zu kommen, siehe Südbahn. Hat Parchim-Malchow noch eine Chance?

Waldmüller: Wir sind enttäuscht, dass die sehr ambitioniert wirkende neue Ministerpräsidentin unser Anliegen gleich wieder vom Tisch verwiesen hat. Da hätten auch wir uns mehr erhofft. Immer wieder stellen wir fest, dass uns diese Tangente fehlt. Mich interessiert, was unsere Kreisspitze seit der aktuellen Information aus der Mecklenburgischen Seenplatte unternommen hat. Nur von Sonntagsreden passiert nämlich nichts. Es scheint, sie wolle die Südbahn gar nicht.

Ist denn der Rufbus nicht Ersatz genug?

Waldmüller: Das sind zwei verschiedene Dinge. Der Rufbus wird gut angenommen und natürlich brauchen wir Zubringer, die haben wir immer gefordert. Aber haben wir mit dem von unserer Fraktion geforderten integrierten Gesamtverkehrskonzept über die Kreisgrenzen hinaus ein Netz gemeint, dass nur durch den Bus bedient wird? Wohl nicht!

Wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf?

Waldmüller: Viele und gerade junge Menschen denken mittlerweile über die Kreisgrenzen hinaus. Sie zieht es in die Metropolen. Wenn wir sie langfristig hier halten wollen, darf auch eine Anbindung an den HVV kein Tabu mehr sein. Das wird jetzt auch Thema im Landtag.

Dafür nimmt die Digitalisierung Fahrt auf...

Waldmüller: Die Anzahl der Internetnutzer liegt mittlerweile bei 85 Prozent. Kaum eine Hausaufgabe lässt sich mehr ohne Netzrecherche bewältigen. E-Learning darf auch in unseren Schulen keine Zukunftsmusik mehr sein. Das seit Jahren versprochene Medienentwicklungskonzept soll nun endlich zur Umsetzung kommen.
Ist das auch ein Thema für unsere Berufsschulen?

Waldmüller: Gerade dort dürfen wir den Anschluss nicht verpassen. Wir stehen in der Mitverantwortung, dass die heutigen Schüler für den Arbeitsmarkt 4.0 gut vorbereitet sind. Und gerade weil die Fachklassen übers ganze Land verteilt sind, ist das digitale Netz eine hervorragende Möglichkeit, auch in der Fläche Kompetenzen zu bündeln.

Ist das auch im Kreisentwicklungskonzept bedacht?

Waldmüller: Das KEK wird der zukünftige Handlungsrahmen für Politik und Verwaltung sein. Das war auch unsere Absicht, als wir es 2013 gefordert haben
Der Ärztemangel kommt aber früher als 2030...

Waldmüller: Sie spielen mit der Frage sicher auf den Runden Tisch Gesundheit an. Unsere Fraktion hat diesen in 2014 schon gebeten, ein Konzept zur Nachwuchsgewinnung und –bindung von Ärzten und anderen medizinischen Fachkräften im Landkreis mit zu erarbeiten. Da ist in der Tat nicht viel passiert. Das Thema brennt, die Kommunen brauchen Unterstützung und gezielte Konzepte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen