zur Navigation springen
Parchimer Zeitung

19. September 2017 | 13:44 Uhr

Parchim : Erntestart nach Jahrhundert-Regen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Getreideernte im Parchimer Land: Kulturen stehen gut, allerdings haben späte Fröste und starke Niederschläge für Schäden gesorgt.

Der nasskalte Sommer bringt den Bauern im Parchimer Land Fluch und Segen. Einerseits sind die Kulturen gut herangewachsen. Andererseits stehen nach dem starken Regen Wiesen unter Wasser.

Die Kartoffeln blühen prächtig. Landwirt Joachim Lübcke aus Siggelkow freut sich über die Pflanzen, die gute Erträge versprechen. „Die Niederschläge waren gut, aber Sonne brauchen wir auch“, sagt Lübcke. Er rechnet bei anderen Kulturen auf den leichten Böden eher mit einer durchschnittlichen Ernte. Denn bei der ersten Kultur, die in Siggelkow gedroschen wurde, gab es eine Enttäuschung: beim Schafschwingel, einer Saat, die Hausrasen beigemischt wird. Die Nachtfröste Ende April, Anfang Mai hatten den Pflanzen zugesetzt. Blüten verfroren. Weniger als fünf Doppelzentner pro Hektar wurden geerntet, im Schnitt liegt der Ertrag in Siggelkow bei sechs bis sieben Dezitonnen.

Die Schafschwingel-Ernte ist für die Siggelkower zugleich der Testlauf für die Mähdrescher, bevor die „richtige“ Ernte beginnt. Zwischenzeitlich sind hier auch die Wintergerste-Schläge abgeerntet. Auch bei diesem Getreide, das als Futter für die Schweine und Rinder im Betrieb dient, gab es durchschnittliche Erträge, sagt Lübcke. Der Jahrhundert-Regen der letzten Tage war zu viel des Guten. 100 Liter pro Quadratmeter waren in 24 Stunden gefallen. Bei der Wintergerste, die bereits reif war und kurz vor der Ernte stand, brachte das Schäden. Einige Wiesen in der Region sind bis heute überschwemmt.

Am Donnerstagnachmittag konnte auch Jürgen Fokuhl vom gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb in Stralendorf den Mähdrusch beginnen. „Die Wintergerste ist reif, die Kornfeuchte ist so niedrig dass ich starten konnte“, sagt Fohkuhl. Er blickt in der Kabine seines Mähdreschers auf den Monitor. Alle Angaben signalisieren, dass die Feuchte des Korns in Ordnung ist und etwas mehr als 75 Doppelzentner je Hektar eingefahren werden können. „Eigentlich hatte ich sogar mit etwas mehr Ertrag gerechnet, jedoch sind durch den Stark- und Dauerregen vergangener Tage viele Halme abgeknickt und liegen auf dem Boden“, so der Landwirt. Mit 4,3 km/h geht es über den Schlag, später sind es etwa 6 km/h. Bis alles richtig eingestellt ist, wird langsamer gefahren, später übernimmt das die Technik und regelt automatisch je nach Motorauslastung und Dicke des Strohgutes das Tempo.
Gleichmäßig füllt sich der Bunker, der immerhin rund 12 Tonnen fassen kann. Sind 75 Prozent gefüllt, gibt die gelbe Rundumleuchte das Signal an die Abfahrer Bernd Lange und Christian Drefahl. Sie warten am Feldrand, übernehmen das Erntegut und transportieren es in die eigene Halle zur Zwischenlagerung. „Zum Glück hat uns ein Nachbar mit Anhängern zum Abfahren geholfen, denn in der Nacht hat man uns einen Anhängerzug gestohlen“, erzählt Fokuhl, während plötzlich ein Rehbock vor der Erntemaschine in hohen Sprüngen durch das Feld davon springt. So hat der Landwirt in diesem Jahr zusätzliche Kosten und hofft, dass die beiden Anhänger gefunden werden, denn ein Neukauf schlägt mit rund 70 000 Euro in die Kasse.

 

Michael Beitien / Michael-Günther Bölsche


 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen