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High Tech auf dem Feld : Erntekapitäne auf großer Getreidefahrt

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Ernte der Wintergerste hat in der LPG Mestlin begonnen

Fast planmäßig begann in der Landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaft (LPG) Mestlin die diesjährige Getreideernte. Auf den Schlägen rund um das Storchendorf drehen seit Sonntag Lutz Quellmann und Denis Schirmer als Erntekapitäne ihre Runden mit den großen Maschinen, um das Korn zu ernten. Unterstützt werden sie von den Abfahrern Bernd Schmidt und Remo König, die das Korn umgehend nach Vimfow in die dortige Filiale des Landhandels Peters transportieren.

70 Hektar Wintergerste stehen auf dem Halm und sollen von dem Schlag zwischen Sternberger Straße und dem Kirchweg geerntet werden. Während Lutz Quellmann einen 7,50 Meter breiten Streifen mit seinem Mähdrescher vom Typ Claas Lexion 550 erfasst, drischt Denis Schirmer mit dem neueren Typ Lexion 600 auf einer Breite von neun Metern. Aufmerksam verfolgt Schirmer das Geschehen vor der Haspel, sein Blick schweift immer wieder auf den Bildschirm des Bordcomputers rechts vom Lenkrad. Apropos Lenkrad, das nutzt Schirmer kaum, denn hier geht alles automatisch. „Da vorne links von der Kabine aus gesehen, befindet sich der Laserpilot. Der passt auf, dass wir immer an der äußeren Kante entlang fahren“, klärt Schirmer auf. Er beschränkt sich auf die Überwachung der komplexen Technik, achtet auf das Nichtverstopfen des Schneidwerkes und auf die Verluste. Letzteres wird ihm auf dem Bildschirm durch die Sensoren an den Rotoren und Sieben angezeigt. Liegt beispielsweise zu viel auf den Sieben, dann muss langsamer gefahren werden. Zwar könnte er auch das Tempo automatisch steuern lassen, doch das macht er lieber noch selber, „weil ich doch etwas schneller reagieren kann“.

Der Computer erfasst auch die Erntemenge je Hektar. Die Fülle des Bunkers mit dem wertvollen Korn wird ebenfalls angezeigt. Etwa 12 000 Liter fasst dieser, das sind rund sieben Tonnen. Wenn 70 Prozent Füllung erfolgt ist, leuchtet die Rundumleuchte und signalisiert den Abfahrern Bernd Schmidt und Remo König, dass sie mit ihren Zugmaschinen und zwei Anhängern vorfahren. Während der Fahrt wird das Korn umgeladen und dann gleich ins zwei Kilometer entfernte Vimfow zum Landhandel Peters geliefert. Diese kurzen Wege sparen Zeit und Geld. „In diesem Jahr werden wir keine Rekorde einfahren, aber wir sind zufrieden, die Gerste ist qualitativ und quantitativ in Ordnung“, sagt die Geschäftsführerin der LPG Verena Nörenberg-Kolbow.

Während draußen die Sonne lacht und das Thermometer an der 30-Grad-Marke kratzt, herrschen angenehme Temperaturen in der Fahrerkabine. Vorbei sind die Zeiten, als die Bauern auf dem offenen Fahrersitz saßen und zum Feierabend aus einer Mischung aus Öl, Staub und dem Kaff des Getreides auf der Haut und der Arbeitskleidung zu bestehen schienen. „Das war die Freikabine wie wir sagten, heute können wir in einer klimatisierten geschlossenen Kabine sitzen und das ist schon eine enorme Erleichterung“, erzählt der Landwirt und zieht weiter Runde um Runde mit etwa 6,5 Kilometer je Stunde und schafft pro Stunde bis zu fünf Hektar. Heute soll noch der Schlag fallen und dann geht es am nächsten Tag zum Mühlenholzer Weg.

Diesen Beruf hat Schirmer ganz bewusst gewählt, auch wenn es einige Dinge gibt, die man vorher wissen muss. „Urlaub gibt es nur im Winter, das weiß man aber, wenn man sich diesen Beruf aussucht“, sagt der gelernte Landwirt, der auch eine Fachschule an die Lehrzeit hängte. Mähdrescher fährt er seit 16 Jahren und kann diesen Beruf auch nur weiterempfehlen. Längst sind die Zeiten der schweren Handarbeit vorbei. Moderne Computer- und GPS-gesteuerte Technik haben auch in diesem Berufszweig Eingang gefunden und machen ihn interessant für die heutige Jugend, ist sich Schirmer sicher.

Vor allem die Erntezeit ist für den 40-Jährigen die schönste Zeit. „Das ist der Lohn der Arbeit des ganzen Jahres“, ist er sich sicher. Wenn die Erntemaschinen rollen, dann wird oft auch von Wildschaden gesprochen, vom Wild, welches durch die Maschinen erfasst und verletzt oder getötet wird. „Das ist mehr beim Grünschnitt der Fall, in der Getreideernte weniger“, sagt Schirmer, der auch schon Kurioses erlebt hat. So stellte sich ein aufgeschreckter Fuchs der großen Maschine entgegen, fletschte die Zähne und machte so klar, dass dies sein Revier sei. Fast so wie David gegen Goliath. „Meistens aber ergreifen sie dann doch die Flucht“, meint der Landwirt. Der Fuchs ist vor allem den älteren Erntekapitänen noch ein Begriff für etwas anderes. Wenn die Dreschtrommel verstopft war, dann hieß es, dass man einen „Fuchs“ gefangen habe und man holte das „Essbesteck“ heraus, eine lange Stange und kratzte die Trommel wieder frei.

Während die beiden Maschinen weiter ihre Runden drehen, ist Robert Laak mit der Strohpresse dabei, die großen Rundballen zu pressen. Der Auszubildende Michael Belau fährt diese Ballen zur Stallanlage. In den nächsten Tagen wird Kalk und Substrat aufgebracht werden und die Erntekapitäne bereiten sich und vor allem ihre Maschinen auf den nächsten Einsatz vor: Auf die Rapsernte, die je nach Witterung am Wochenende starten könnte.

 

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erstellt am 12.Jul.2016 | 21:33 Uhr

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