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Landwirtschaft : Ernte naht für Futter der Kühe

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Landwirte in der Region warten auf Regen, aber noch mehr auf endlich wieder steigende Milchpreise

Nach dem warmen Frühlingswetter beginnt bei den Landwirten im Parchimer Umland der erste Grünschnitt. Es ist Futter für die Milchkühe, die momentan angesichts der ruinösen Milchpreise das Sorgenkind Nummer Eins für die Bauern sind. Mindestens ein Betrieb in der Parchimer Region hat sich mittlerweile von seinen Kühen getrennt.

In der nächsten Woche geht es los mit dem ersten Futterschnitt, sagt Holger Rebert, Chef der Landwirtschaftlichen Erzeuger- und Absatzgemeinschaft Friedrichsruhe. Daraus wird Silage für die Milchkühe. Rebert: „Solange wir noch welche haben.“

Zum Jahresende muss eine Entscheidung fallen, sagt der Chef. Nämlich ob der Betrieb weiterhin Milchproduktion betreibt oder sich davon verabschieden muss. Grund sind die extrem niedrigen Milchpreise. Schon im vergangenen Jahr fuhren die Bauern mit der Milch ein Minus ein. Derzeit zahlt eine Molkerei in der Region den Bauern unter 25 Cent je Liter, eine andere 21 Cent.

„Es sind ruinöse Milchpreise“, erklärt Bernd Pahl, Landwirt in Stolpe. Es sei schamlos, dass die Milch beim Discounter mit 49 Cent pro Liter verkauft wird. Die Bauern leiden unter den Milchpreisen. Wobei Pahl klar macht: „Wir werden weiter Milchkühe halten.“

Dagegen haben sich im vergangenen Jahr bereits etliche Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern von den Milchkühen verabschiedet. Anfang März diesen Jahres zog auch der erste Landwirt in der Parchimer Region einen Schlussstrich. Bei den gegenwärtigen Milchpreisen macht ein Bauer einen Verlust von bis zu 1500 Euro pro Kuh, erklärte der Landwirt, der namentlich nicht genannt werden will, gegenüber unserer Zeitung. Es sei zu viel Milch auf dem Markt. Man habe nach dem Abschaffen der Milchquote allein darauf gesetzt, dass der Markt es richten werde. Der betroffene Bauer sieht hier aber auch ein Versagen der Molkereien: Die hätten mit einer gezielten Preispolitik einwirken können, beispielsweise mit A-, B- und C-Preisen. Das heißt, nur für eine bestimmte Menge einen höheren Preis zu zahlen und dann immer weniger, damit der Anreiz entfällt, viel Milch zu produzieren.

Das Dilemma: Die meisten Kühe der Milchbauern, die aufgegeben haben, werden weiter gemolken. Sie stehen jetzt in anderen Ställen.

Vielleicht wäre eine Art „Abwrackprämie“ wie es sie zur Förderung beim Autoabsatz gab, hilfreich, meint Holger Rebert. Das heißt, das man für die Bauern einen Anreiz schafft, Milchkühe zum Schlachthof zu bringen.

Der Betrieb in Friedrichsruhe gehört dabei noch zu denjenigen mit den geringsten Verlusten, weiß Rebert. Wirtschaftsprüfer haben zwei Dutzend Genossenschaften analysiert. Demnach reicht die Spanne des Verlusts bei diesen Betrieben und den derzeitigen Preisen pro Kuh und Jahr zwischen rund 600 und 1500 Euro. Es gab aber in dieser Untersuchung keinen Betrieb, der kein Geld mit der Milch verliert. Der Landwirt aus Friedrichsruhe sagt: Der Handel und auch die Molkereien behalten ihre Margen. „Die Leidtragenden sind die Landwirte.“

Rebert hofft weiter, dass sich die Preise stabilisieren und sein Betrieb künftig weiter Milch liefern kann. An der Milch hängen viele Arbeitsplätze. Allein in seinem Betrieb sind von 24 Leuten neun in der Milchproduktion beschäftigt. Dazu kommen weitere zwei bei der Futterproduktion auf den Feldern.

Der andere Landwirt, der seine Kühe abschaffen musste, erklärt, dass damit die Hälfte der Arbeitsplätze in seinem Betrieb verloren gegangen sind.

Übrigens: Auch das heran gewachsene Futter für die Kühe fällt dieses Frühjahr magerer aus. Auf dem Grünland fehle der Unterwuchs, die Gräser bilden Rispen, erklärt Rebert. „Der Ertrag wird nicht so gut.“ Die Landwirte in der Region warten auf Regen.

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erstellt am 13.Mai.2016 | 05:00 Uhr

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