Bürgerdialog Görslow : Erinnerung an Herbst 89 hell wach

Die Fotos aus den Herbsttagen 89, die Willy Voß (2.v.l.) geschossen hat, sind noch bis zum 23. Dezember in Görslow zu sehen.
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Die Fotos aus den Herbsttagen 89, die Willy Voß (2.v.l.) geschossen hat, sind noch bis zum 23. Dezember in Görslow zu sehen.

Dr. Manfred Arndt und Willy Voß als Zeitzeugen bei „Samstag im Archiv“. Stasiunterlagenbehörde organisiert Dialog mit Bürgern

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12. November 2017, 20:30 Uhr

Zuerst Leipzig, dann Berlin, Erfurt und schließlich auch in Parchim. Die friedliche Revolution war im Spätsommer 1989 in der mecklenburgischen Kleinstadt angekommen. Dass Parchimer, darunter Wolfgang von Rechenberg, Volker Spinar, Dr. Manfred Arndt und andere Kritiker des DDR-Regimes, in diesen bewegten Tagen große Geschichte schreiben würden, war ihnen seinerzeit kaum bewusst.

„Wir wollten etwas verändern, uns einmischen und waren seit längerem auf der Suche nach einem neuen Weg“, stellten Dr. Manfred Arndt und Willy Voß am Wochenende bei einem Bürgerdialog in der Schweriner Außenstelle für Stasiunterlagen in Görslow klar. Eingeladen hatte die beiden Parchimer, Jahrgang 1939, die Leiterin Corinna Kalkreuth im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Samstag im Archiv“. Gekommen waren rund 25 Interessierte, darunter auch einige Gäste aus der Heimatstadt der beiden Zeitzeugen.

Die Fotos aus den Herbsttagen 89, die Willy Voß (2.v.l.) geschossen hat, sind noch bis zum 23. Dezember in Görslow zu sehen.
Wolfried Pätzold
Die Fotos aus den Herbsttagen 89, die Willy Voß (2.v.l.) geschossen hat, sind noch bis zum 23. Dezember in Görslow zu sehen.
 

Dr. Manfred Arndt, vor 28 Jahren als Arzt im Parchimer Krankenhaus tätig, und Willy Voß, damals Bahnmeister und begeisterter Hobbyfotograf, waren bei vielen Ereignissen hautnah dabei. „Spätestens als Wolfgang von Rechenberg und Volker Spinar von einer Beratung des noch nicht genehmigten Neuen Forums aus Schwerin zurückkehrten, wollten wir unseren eigenen Beitrag leisten und gründeten eine ,Interessengemeinschaft Umgestaltung’“, erzählt Dr. Arndt.

In jenen Tagen hatte Willy Voß seine Kamera stets am Mann und fotografierte, was das Zeug hielt. „Da gingen bei einer Demo schon mal drei Filme drauf“, erinnert er sich. Die Ereignisse überschlugen sich. Nachdem sich zunächst knapp 30 Parchimer im Schutz der Kirche getroffen hatten, kamen eine Woche später 200 und am 4. November 1989 sogar fast 10 000 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder, um dem nun auch in Parchim gegründeten Neuen Forum Rückendeckung für ihre Forderungen zu geben.

„Es soll sogar die größte Veranstaltung der vergleichbaren Städte im Bezirk Schwerin gewesen sein“, erinnern sich beide nicht ganz ohne Stolz. „Es blieb friedlich. Selbst die Oberen von Partei, Polizei und Stasi reagierten in Parchim besonnen“, resümiert Dr. Manfred Arndt auf die Frage eines Zuhörers. Fotos von Willy Voß, die er am 4. Dezember 1989 bei der friedlichen Besetzung der Parchimer Stasizentrale geschossen hat, machten die Kleinstadt in einer ZDF-Sendung über Nacht sogar deutschlandweit bekannt.

Die vielen eindrucksvollen Bilder des Herbstes 1989 in Parchim sind noch bis zum 23. Dezember in Görslow (montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr) zu sehen. Ein Besuch lohnt sicher für Jung und Alt.

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