Parchim : Erfinden kann jedermann lernen

Dankbar nahmen Jung und Alt auch Dr. Herrigs schriftliche Handreichungen fürs Erfinden mit nach Hause.  Fotos: Bernd Möschl
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Dankbar nahmen Jung und Alt auch Dr. Herrigs schriftliche Handreichungen fürs Erfinden mit nach Hause. Fotos: Bernd Möschl

Nachwuchs-Akademie macht Jung und Alt Mut, sich der Lösung von Problemen zu stellen / Samstagsvorlesung gelungene Premiere

svz.de von
03. März 2014, 11:54 Uhr

Zu dieser Premiere war der Plenarsaal des Parchimer Landratsamts im sogenannten Solitär-Gebäude – wohl angesichts der laut panak.inswm.de äußerst spärlichen Voranmeldungen – nur knapp zur Hälfte seiner Kapazität bestuhlt und die Stimmung der Organisatoren der Parchimer Nachwuchs-Akademie ähnelte eher dem neblig trüben Samstagmorgen. Doch wie draußen das Frühlingswetter, so hellten sich auch deren Gemüter relativ rasch auf, als nämlich pünktlich um 10 Uhr so gut wie sämtliche dieser Plätze auch besetzt waren. Immerhin 26 Schulkinder und Jugendliche sowie mindestens noch einmal so viele Erwachsene aus der Region waren gekommen, um zu erfahren: „Wie wird man Erfinder?“

Als PaNAk-Referent reiste dafür Dr.-Ing. Dr. sc. techn. Dieter Herrig, langjähriger Problemanalytiker vom Geburtsjahrgang 1940, extra aus Schwerin an und traf gleich auf „alte Bekannte“, die bei ihm einst in Wismar das theoretische Rüstzeug für den Ingenieur-Beruf erworben hatten. Der Parchimer Peter Deutschler zum Beispiel überraschte seinen hoch geschätzten ehemaligen Lehrer mit einer von diesem vor 45 Jahren zensierten Arbeit, die gleich zum Anknüpfungspunkt mancher Anekdote wurde.

Seinen Vortrag für die Parchimer Nachwuchs-Akademie begann Dr. Herrig dann mit einer für ihn typischen „Entdeckung“, nämlich dass das Wort „Panak“ in der Sprache Balinesisch auf einer Insel im Indischen Ozean doch tatsächlich so viel wie „Abkömmling, Nachfahre oder eben Nachwuchs“ bedeute. Dann begrüßte er aus dem Publikum drei Nachfahren des Parchimer Möbeltischlers Carl Maass aus der Hagenstraße 10, der vor mehr als 100 Jahren die Klemmzwinge – ein äußerst praktisches und leichter als die bekannte Schraubzwinge handhabbares Hilfsmittel – zum Patent anmeldete. Seine Enkel Karl (89), Fritz (79) und Urenkel Christoph (Jahrgang 1963) arbeiteten bzw. arbeiten noch heute im selben Familienbetrieb an Ort und Stelle.

Am Beispiel dieser Erfindung sowie an einem Regenschirm und dem Bügelverschluss einer Bierflasche veranschaulichte Dr. Dieter Herrig jene fundamentale Überlegung, eine Kreisbewegung in eine geradlinige zu wandeln bzw. umgekehrt, welche u.a. auch für solche bahnbrechenden Erfindungen wie die Dampfmaschine entscheidend war. Erfindungen müssten aber unbedingt neu sein (also noch nicht bekannt und sei es aus einem Comic), niveauvoll (also etwas beinhalten, das funktioniert „obwohl“, „ohne dass“ oder „trotz“ …) und nutzbar (also gewerblich herstellbar) sein, um patentiert werden zu können. Jedes einzelne Patent aber entspreche dann einem Weltrekord.

„Erfinden kann man lernen“, sagt Dr. Herrig und ist damit auf der Linie des Glühlampen-Erfinders Thomas Alva Edison, der Erfinden beschrieb als ein Produkt aus „99 Prozent Schweiß und 1 Prozent Eingebung“. Wichtig fürs Erfinden seien grundsätzlich zwei Tätigkeiten, nämlich: Abstrahieren (Verallgemeinern), also Unwichtiges weglassen, um Wichtiges hervorzuheben und Kombinieren (Verknüpfen), also Verschiedenes zusammenbringen.

Dabei gibt es laut Dr.-Ing. Dr. sc. techn. Dieter Herrig insgesamt nur etwa 50 nutzbare „Denk-Tricks“ zur Abstraktion (Heuristik-Regeln) sowie zwei extreme Lösungs-Verfahren entweder für viele Lösungen, die einfach zu erzeugen, aber schwer zu entscheiden wären (ZWICKY) oder für wenige Lösungen, die wohl schwer zu erzeugen, aber dafür einfach zu entscheiden wären (THIEL). Dass sich alle daraus abgeleiteten über 500 Methoden auf fundierte Fakten- und Datensammlungen stützen – wenn man so will als „Erfahrungen anderer“, die schon der berühmte Naturforscher Leibniz um 1700 als Quelle eigener Erfindungen zu nutzen empfahl – darf vorausgesetzt werden.

Weil dazu heutzutage jedermann auf das Internet (world wide web) zugreifen kann, sei das Denken-Können und Ändern-Wollen am wichtigsten geworden, ermunterte Problemanalytiker Dr. Herrig seine gebannte Zuhörerschaft bei der Parchimer Nachwuchs-Akademie und empfahl weiterführende Literatur (siehe panak.inswm.de) sowie einen kompetenten Ansprechpartner in Sachen Patent-Anmeldung.

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