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Parchimer Zeitung

20. November 2017 | 10:51 Uhr

Parchim : Engel, ein großer Sohn Parchims

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Sonderausstellung zum 275. Geburtstag des Philosophen im Museum / Neue Forschungsergebnisse über Persönlichkeit der Aufklärung

von
erstellt am 19.Apr.2016 | 11:01 Uhr

Als Stadthistoriker Wolfgang Kaelcke vor einigen Monaten in einem Internetauktionshaus eine auf den ersten Blick unscheinbare Zeichnung vom Parchimer Giebelhaus aus dem 18. Jahrhundert entdeckte, konnte er noch nicht ahnen, dass damit seiner jahrelangen Forschung über Johann Jakob Engel, einem der größten Söhne der Stadt, ein wichtiges Puzzleteil hinzugefügt werden kann. Nachdem der Museumschef die Zeichnung eines unbekannten Künstlers ersteigert hatte, erwies sich eine Inschrift als aufschlussreich. Darin ist vermerkt, dass in  diesem Haus (am 11. September 1741) Johann Jacob Engel als eins von sechs Kindern des Pastors Karl Wilhelm Christian Engel (1704 - 1765) und seiner Frau Marie Elisabeth, geb. Brasch (1724 - 1803), geboren wurde. Für Wolfgang Kaelcke kam der Fund zur richtigen Zeit, denn er war gerade mit der Vorbereitung einer Sonderausstellung anlässlich des 275. Todestages des bedeutenden deutschen Schriftstellers und Philosophen aus der Zeit der Aufklärung beschäftigt.

Ohne offizielle Zeremonie wurde die erste Sonderausstellung dieses Jahres nun im Erdgeschoss des Heimatmuseums in der Lindenstraße für die Besucher frei gegeben. „Sie ist anders als frühere Ausstellungen keineswegs komplett und wird in den nächsten Wochen nach Möglichkeit  ergänzt“, sagt Wolfgang Kaelcke. Für ihn  ist damit auch eine Erinnerung an seine Anfangsjahre in Parchim  verbunden. Nachdem er 1982 die Leitung des Heimatmuseums übernommen hatte, stand der  Philosoph Johann Jakob Engel im Mittelpunkt seiner ersten Sonderausstellung. Es folgte Anfang der 90er Jahre eine weitere aus Anlass des 250. Geburtstages des berühmten Sohnes der Stadt Parchim.

Für das jüngste Projekt hat der Stadthistoriker im Fundus einiges gefunden. Dazu gehören vor allem das literarische Vermächtnis. Bereits 1757, im Alter von nur 16 Jahren – Johann Jacob Engel hatte in Rostock gerade ein Theologiestudium begonnen – kehrte er krankheitsbedingt nach Parchim zurück und verfasste in seiner Geburtsstadt seinen ersten literarischen Text unter dem Titel „Denkmal der Liebe und Ehrfurcht“. 1763 promovierte  Engel zum Dr. phil. An der Leipziger Universität setzte er seine philosophischen, philologischen und mathematischen Studien fort.  Auch mit seinem ersten Lustspiel „Der dankbare Sohn“ hatte er deutschlandweit Erfolg.

Als Mitglied der Akademie der Künste (ab 1787) nahm Johann Jacob Engel in Berliner in Schriftstellerkreisen einen gewichtigen Platz ein und galt als Wegbereiter der modernen Erzähltheorie. Er wurde auf einer Stufe mit Schiller, Goethe, Herder und Garve geschätzt. „Es wäre an der Zeit, dass Parchim einem ihrer größten Söhne ein angemessenes Denkmal setzt“, liegt Wolfgang Kaelcke schon lange am Herzen.

Die Forschung geht weiter. Unklar ist auch noch, ob sich das Grab von Johann Jakob Engel so wie vermutet hinter dem Altar in der St. Georgenkirche befindet.

 

Johann Jakob Engel: Aufklärer im 18. Jh.

• Am 11. September 1741 in Parchim (Giebelhaus) geboren

• Ältester Sohn des Pastors Karl Wilhelm Christian Engel und Marie Elisabeth Engel (geb. Brasch)

• Ab 1757 Studium der Theologie in Rostock

•  1763 Promotion zum Dr. phil.

• Seit 1787 Mitglied der Akademie der Künste

• 1786 bis 1794 Direktor des Berliner Nationaltheaters

• 1794 nach Streit um Aufführung von Mozarts Zauberflöte von König Friedrich Wilhelm II. entlassen.

• Aus finanziellen Gründen siedelte Engel nach Schwerin um.

• Nach einer Besuchsreise zu seiner Mutter starb er am 28. Juni 1802 in Parchim.

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