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Bauern kooperieren mit Investoren : Energie vom Feld in Friedrichsruhe

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Landwirtschaftlicher Betrieb partizipiert an Förderung erneuerbarer Energien

von
erstellt am 24.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Strom aus Dung und Mais, aus Sonnenkraft und Wind: Die Landwirtschaftliche Erzeuger- und Absatzgemeinschaft Friedrichsruhe partizipiert an der Energiewende, ohne dass sie selbst in Anlagen für erneuerbare Energien investiert hat. „Es gibt einen Teil Sicherheit“, sagte am Dienstag Geschäftsführer Holger Rebert.

Die Stallanlagen in Frauenmark und Friedrichsruhe sind mit Solaranlagen bestückt. 1800 Quadratmeter auf der Hähnchenmast- und rund 6500 Quadratmeter auf der Milchviehanlage nimmt das Sonnenkraftwerk ein. „Wir haben die Flächen verpachtet“, sagt Prokurist Wilfried Bahl. Dafür gibt es jährlich Geld. Und der Investor der Solaranlage hat zuvor die Dächer instand gesetzt, so dass die nächsten 20 Jahre keine Investitionen nötig sind, so Bahl.

„Wir haben dafür in den Tierbestand investiert“, erklärt Holger Rebert. Rund eine halbe Million Euro hat der Landwirtschaftsbetrieb in die Siloanlage und Erweiterung des Kuhstalls gesteckt.

Auch die beiden Biogasanlagen in Friedrichsruhe und Frauenmark gehören nicht den Bauern, sondern Investoren. Man habe lieber Geld in den Kauf von Land und in Technik investiert, erklärt Rebert. Eine richtige Entscheidung auch aus heutiger Sicht, meint Prokurist Bahl. Denn es habe sich gezeigt, dass für Biogasanlagen auch in späteren Jahren Geld für Unterhaltung und Reparaturen notwendig ist.

Der Landwirtschaftsbetrieb liefert die Rohstoffe für die Biogasanlagen. In Friedrichsruhe sind das neben Rinderdung 1000 Tonnen Mais im Jahr, in der leistungsstärkeren Anlage in Frauenmark wird die doppelte Menge Mais benötigt. Durch den Verkauf von Mais zu über zehn Jahre gesicherte Preise profitiert der Betrieb. Und erhält beispielsweise in Frauenmark günstiges Biogas, mit dem rund 40 Prozent von teurerem Brennstoff für die Beheizung der Hähnchenmastanlage eingespart werden kann.

Was in den Anlagen zu Strom wird, ist nur ein geringer Teil der Ernte von den Feldern. Hauptsächlich wird der angebaute Mais als Futter für rund 1300 Rinder benötigt. Wobei diese Kultur insgesamt nur auf einem Viertel der Ackerflächen wächst und damit eine viergliedrige Fruchtfolge gewährleistet werden kann. Es gibt andere Gegenden, wo Mais weit über die Hälfte des Anbaus ausmacht und der Rohstoff über weite Entfernungen transportiert wird, um in großen industriellen Anlagen Energie zu erzeugen. „Da hat die Politik Fehler gemacht“, so Rebert.

Gleich hinter der Biogasanlage in Frauenmark steht ein Windpark. Zwei der Windmühlen stehen auf Land des Landwirtschaftsbetriebes Friedrichsruhe, womit sie regelmäßig Pachteinnahmen für den Bauern bringen.

In Frauenmark wie auch in der gesamten Gemeinde Friedrichsruhe wird mittlerweile mehr Strom erzeugt als in der Kommune verbraucht werden kann. Dennoch muss die Gemeinde aus Kostengründen nachts Straßenlampen abschalten. Ein Unding, auch in den Augen von Holger Rebert. Ein Hintergrund ist, dass die Investoren weit weg in anderen Bundesländern ihren Sitz haben. Der Landwirt bekräftigt die Forderung anderer Kommunalpolitiker: „Die Steuern müssen hier bleiben.“

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