Parchim : Eltern warten auf Kita-Bescheide

Im Landkreis verzögert sich Erfassung der Geschwister für Entlastung bei den Beiträgen / Eltern müssen in Vorkasse gehen

von
27. Februar 2019, 14:38 Uhr

Die Landeshauptstadt konnte sich über viel Lob für die unkomplizierte Umsetzung der Geschwisterkindregelung freuen. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim müssen Eltern mit mehreren Kita- und Hortkindern nun noch länger auf die Ermäßigung warten. „Leider habe ich bisher immer noch keine entsprechende Listen vom Landkreis erhalten“, informierte Heike Isbarn, Vorsteherin des Amtes in Crivitz. Seit dem 1. Januar werden in Mecklenburg-Vorpommern auf Beschluss der Landesregierung alle Geschwisterkinder beitragsfrei betreut. Das Amt muss die neuen Bescheide für alle Familien erstellen, deren Kinder in kommunal getragenen Kitas untergebracht sind.

„Den ursprünglichen Aufschub der Bescheide bis Ende Januar konnten wir leider nicht verlängern, so dass seit Anfang Februar Kostenbescheide noch ohne die eventuelle Geschwisterkindermäßigung versandt wurden“, erläutert Isbarn. Jedem Bescheid sei jedoch ein Elternbrief angefügt worden, in dem das Verfahren erklärt werde. „Wir bedauern sehr, dass die Eltern nun erstmal bezahlen müssen und die Ermäßigung erst im Nachhinein erstattet bekommen“, so Heike Isbarn.

Auch der Stadt Parchim blieb keine andere Wahl beim Verschicken der Kostenbescheide, als sich an der bisherigen Berechnungsgrundlage zu orientieren. Sie ist Träger der kommunalen Kita „Freundschaft“ sowie von drei Horteinrichtungen in der Kreisstadt. Die Eltern seien jedoch im Vorfeld darüber informiert worden, nachdem sich abzeichnete, dass sich die Erfassung der Geschwisterkinder durch den Landkreis verzögern wird, erfuhr SVZ auf Anfrage von Holger Lüdke aus der Parchimer Stadtverwaltung. Er versicherte, dass die Stadt sofort reagieren werde, wenn die entsprechenden Angaben aus dem Kreis vorliegen. Selbstverständlich bekommen die Eltern dann zu viel bezahlte Beiträge zeitnah zurückerstattet.

„Ich bin die Diskussionen der Eltern leid, warum es in Schwerin klappt und in Ludwigslust-Parchim nicht“, sagt Petra Tugend, die Leiterin der Kita „Uns Lütten“ in Crivitz. „Nun müssen die Eltern doch einen Antrag stellen, obwohl es ohne Anträge gehen sollte. Manche Eltern haben das nicht sofort mitbekommen.“ Sie verstehe nicht, warum die Geschwisterkindregelung nicht landesweit einheitlich eingeführt worden sei. „Warum müssen im Landkreis die Geschwisterkinder jetzt extra erfasst werden? Durch die Bedarfsprüfung weiß die Verwaltung doch genau, wie viele Kinder in einer Familie leben!“ Auch das Einwohnermelde-Register würde darüber Auskunft geben.

„Die Umsetzung der neuen Geschwisterkindregelung ging mit einer Software-Umstellung einher“, erklärt Andreas Bonin, Pressesprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim. „Das führte dazu, dass jeder Fall einzeln erfasst, eingegeben und geändert werden musste.“ Zudem mussten die Mitarbeiter des Fachdienstes Jugend um Jürgen Hienzsch die neue Software erst kennenlernen. Außer über die Anträge zur Geschwisterkindregelung verfüge der Fachdienst über keine Daten zu Geschwistern. „Wir sind ja kein Geheimdienst.“ Weil aber viele Eltern auf diese Ermäßigung verzichtet hätten, müssten die Geschwister nachträglich erfasst werden.

„Dass es in Schwerin schneller gelaufen ist, liegt auch daran, dass im Landkreis mit 214 000 deutlich mehr Einwohner als in Schwerin leben. Wir haben 160 Einrichtungen mit 80 Trägern, für alle sind wir Vertragspartner“, so Bonin.

Zu einem neuen Termin für die Versendung der Bescheide will der Pressesprecher keine Aussage treffen. „Das wäre nicht seriös.“ Knapp 1000 Kinder seien anspruchsberechtigt. Von diesen Anträgen sei derzeit ein Drittel bearbeitet. „Wir bitten um Verständnis für diese Situation, die hier keinem Freude bereitet.“ Eltern könnten sicher sein, dass sie das Geld, welches ihnen jetzt noch abgebucht werde, zurückbekommen. Bonin: „Wer Fragen hat, kann täglich von 8 bis 18 Uhr unter der 03871/115 anrufen. Wenn die Mitarbeiter des Bürgertelefons keine Antwort geben können, erkundigen sie sich oder stellen einen Kontakt her.“

Katja Frick

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen