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Parchim : Eltern entdecken alternative Schule

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Evangelische Grundschule Paulo Freire findet immer mehr Interessenten aus der Kreisstadt. Gäste erlebten Schau-Unterricht .

Die evangelische Paulo-Freire-Schule Parchim findet offenbar in der Kreisstadt immer mehr Anhänger. Bei der Gründung Ende der 1990er Jahre kamen verschwindend wenig Parchimer Mädchen und Jungen in diese alternative Bildungseinrichtung, das Gros dagegen aus dem Umland. Inzwischen stammen ein Drittel der derzeit 157 Schüler aus Parchim, sagte Schulleiterin Svea Finck. Das Einzugsgebiet der Schule ist größer. Kinder beispielsweise auch aus Plau am See, Goldberg und der Region Neustadt-Glewe reisen täglich an.

Bei einem Tag der offenen Tür konnten sich am Sonnabend Eltern und andere Interessierte ein Bild machen, wie der jahrgangsübergreifende Schulbetrieb in der einzigen Bildungseinrichtung der Region abläuft, die nach dem Prinzip der Montessoripädagogik arbeitet.

Schon an der Außentür erwarteten Schüler die Erwachsenen und boten ihnen an, sie durch das Haus zu führen. „Hier soll jeder gleich begrüßt werden“, erklärte Svea Finck: „Von selbstständigen und selbstbewussten Kindern, die keine Angst haben, Erwachsenen unsere schöne Schule zu zeigen.“ Die Kinder können auf andere Menschen zugehen, mit ihnen reden, haben keine Scheu, so die Schulleiterin.

Statt in Klassenverbänden lernen die Kinder in der Paulo-Freire-Grundschule mit Orientierungsstufe in Gruppen. Darin sind jeweils die ersten bis vierten und die fünften bis sechsten Jahrgangsstufen zusammengefasst. Seit ihrer Gründung arbeitet die Bildungseinrichtung nach dem Prinzip. Zwischenzeitlich habe man überlegt, diese Gruppen noch einmal zu teilen: in die Ersten/Zweiten sowie die Dritten /Vierten, erzählte die Schulleiterin. Aber das Pädagogen-Team hat sich dagegen entschieden. Hintergrund: Die Kleinen lernen von den den Größeren. Insbesondere die Viertklässler sind dabei eine Stütze. Und die Großen lernen dabei Verantwortung zu übernehmen.

Aber kommt bei dieser Art des Unterrichts nicht die Wissensvermittlung zu kurz? Das sei ein Vorurteil, mit dem die Schule seit Jahren zu kämpfen hat, so Svea Finck. Sie antwortet e mit Fakten: Jedes Jahr wechseln ca. die Hälfte der Freire-Schüler an das Gymnasium. Roselie Döllner, die langjährige Sekretärin, freute sich, dass auch Kinder, die inzwischen auf weitergehenden Schulen sind, ihre guten Zeugnisse stolz in der Freire-Schule zeigen. Die Schulsekretärin führte wie auch die Lehrer viele Gespräche mit Eltern. Dass die Kinder mehr Freiheiten haben an dieser Schule bedeute auch mehr Grenzen, hörten wir. Denn Freiheit erfordere mehr Selbstdisziplin. Roselie Döllner sprach von der hohen Sozialkompetenz. Hier sind schon seit der Schulgründung Kinder mit Handicap integriert. Es sei beeindruckend, wie die anderen Mädchen und Jungen damit umgehen.

Zu den Müttern, die sich am Sonnabend ein Bild von der Schule machten, gehörte Annekatrin Knaack. Sohn Maddox kommt bald in die erste Klasse. Anders als ihr Mann war sie eigentlich gegen diese Schulart, sagte sie. Schließlich hatte sie früher zu Vorwendezeiten eine gute Schulausbildung. Inzwischen haben sich die Eltern geeinigt, dass der Sohn hier eingeschult wird. Ein anderer Vater, Marc Möller, erzählt, dass sein Sohn Tjark hier lernen wird. Tochter Jördis gehört zu den „Vierties“, wie die Viertklässler bei den Freires genannt werden.

Anders als bei staatlichen Schulen zahlt das Land nicht die gesamten Personalkosten für die Lehrer. Deshalb wird ein Schulgeld erhoben. Das richtet sich nach dem Einkommen der Eltern.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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