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Renaturierung der Alten Elde : Eine neue Chance für die Lewitz

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Bereits 2011 informierte Naturschutzwart Burkhard Fellner die Öffentlichkeit über die Dammsanierungsarbeiten an den Wasserstraßen in der Lewitz. Jetzt hofft er als Ausgleich auf die Renaturierung der Alten Elde.

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 12:08 Uhr

parchim | Bereits am 7. Juli 2011 wurde an gleicher Stelle erstmals die Öffentlichkeit ausführlich über die geplanten Dammsanierungsarbeiten an den Wasserstraßen in der Lewitz informiert. Besonders die damit verbundenen Baumfällungen von Eichen am Störkanal haben, wenn auch erst ein Jahr verspätet, zu größeren Protesten geführt. Im Gegensatz zu einigen Politikern ließ sich davon das Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg wenig beeindrucken, was sich im nun vorliegenden Planfeststellungsbeschluss widerspiegelt. Obwohl die Hoffnung auf die Rettung möglichst vieler Bäume trotzdem noch nicht begraben wurde, wird zweifellos ein großer Eingriff in das Vogel- und Naturschutzgebiet Lewitz in absehbarer Zeit erfolgen.

So wird ebenfalls der 5,5 km große Damm-Abschnitt der Müritz-Elde-Wasserstraße von der Lewitzschleuse bis zum Eldedreieck (Friedrich-Franz-Kanal) betroffen sein. Hier haben sich inzwischen Weiden sowie andere Bäume und Sträucher angesiedelt, sogar eine Biberburg existiert seit Jahresbeginn.

Von der Wirksamkeit der gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen wird maßgeblich abhängen ob die Natur die Eingriffe kompensieren kann. Hier sieht der BUND u. a. Mängel bei der Bemessung der Höhe der Ausgleichsgelder. Außerdem möchte sich der Naturschutzverein bei der konkreten Planung und Durchführung der Arbeiten mit einbringen.

Die geeignetste und naheliegendste Maßnahme wäre die ohnehin längst überfällige Renaturierung von 11 km der Alten Elde vom Eldedreieck bis zur Ortschaft Hohewisch. Hier heißt es nicht kleckern sondern klotzen zumal der Fluss sogar das Naturschutzgebiet "Fischteiche in der Lewitz" durchfließt.

Während die Müritz-Elde-Wasserstraße und der Störkanal um 1830 von Menschenhand geschaffen wurden und seither sowie auch in Zukunft ständig weiter ausgebaut und unterhalten werden, ist die Alte Elde das letzte natürliche Gewässer der Lewitz. Wie durch ein Wunder konnte sich der Fluss auf weiten Strecken sein natürliches Erscheinungsbild in Form von typischen Mäandern (Flussschleifen) erhalten. Noch zu Beginn der 1930er-Jahre war sie ein sehr fischreiches Gewässer wovon u. a der Bau des Schultenkatens auf dem Schultenberg durch den hiesigen Angelverein zeugte.

Allerdings war die Alte Elde auch seit den 1930er-Jahren (Reichsarbeitsdienst) und später bei den Meliorationsarbeiten zu DDR-Zeiten großen Eingriffen ausgesetzt, die bis in die Gegenwart eine ständige Verschlechterung zur Folge hatten: Mäander wurden durchgestoßen und verfüllt, der Zulauf am Eldedreieck fast völlig unterbunden, der Wasserstand nach einer Vertiefung abgesenkt, Staustufen errichtet, natürlicher Uferbewuchs durch Weidewirtschaft bis an den Flusslauf vernichtet oder stark geschädigt, das Ufer ohne jegliche Pufferzone von Rindern niedergetrampelt, die botanisch wertvollen Binnendünen abgetragen oder stark beweidet, das Gewässerbett intensiv instand gehalten. Seither ist die Alte Elde zu einem Abflussgraben degradiert worden, welcher das Wasser vorrangig aus den Meliorationsgräben und den Fischteichen erhält, auf weiten Strecken im Oberlauf ist sie sogar ein stehendes Gewässer. Eile ist geboten, sonst teilt dieser Flussabschnitt vielleicht bald das gleiche Schicksal wie jenes der Alten Stör - das allmähliche Verlanden, Zuwachsen und letztendliche Verschwinden.

Die folgenden Maßnahmen müssen als Ausgleich erbracht und konsequent umgesetzt werden:


  1. Herstellen eines (regulierbaren) Zuflusses am Eldedreieck
  2. Rückbau der übrigen Wehre um Durchgängigkeit herzustellen
  3. Renaturierung und Wiederanbindung von Mäandern (z.B. am Schultenberg)
  4. Beseitigung von nicht standortgerechter Ufervegetation (Hecken mit Eschen-Ahorn, Pyramidenpappel usw.
  5. Teilweise Bepflanzung der Ufer (sonst Sukzession) mit Schwarzerle, Silberweide, Schwarzpappel, Stieleiche, Bruchweide
  6. Schaffung einer Pufferzone zu den Pferde- und Rinderweiden
  7. Wissenschaftliche Begleitung nach den Renaturierungsmaßnahmen


An die Adresse der Verantwortlichen geht die Forderung, dass die Ausgleichsmaßnahmen an der Alten Elde mit der gleichen Hartnäckigkeit durchgeführt werden wie die beschlossenen Dammsanierungsmaßnahmen an den Wasserstraßen - dann gibt es Hoffnung auf eine echte Kompensierung! Die sensibilisierte Öffentlichkeit wird jedenfalls weiter informiert und die Naturschützer um den BUND werden in dieser Angelegenheit weiter aktiv sein.
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