Parchim : Eine Leserin der ersten Stunde

Inge-Lore Mulsow steigt mit 81 Jahren noch locker aufs Rad und macht so ihre Besorgungen in der Stadt.
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Inge-Lore Mulsow steigt mit 81 Jahren noch locker aufs Rad und macht so ihre Besorgungen in der Stadt.

Inge-Lore Mulsow erinnert sich an 1952, den Start der Lokalseite der Parchimer Zeitung

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15. Februar 2018, 05:00 Uhr

Nach dem Krieg von Danzig nach Damm und seitdem nie mehr ohne Parchimer Zeitung. Inge-Lore Mulsow kann viel darüber erzählen, warum eine lokale Tageszeitung wichtig für das Leben in der Region ist.

Die 81-Jährige – mittlerweile lebt sie mit ihrem Mann Hans-Dieter in der Kreisstadt – ist besonders mit der Parchimer Zeitung verbunden. In den fünfziger Jahren, in der Dammer Zeit, holte ihr Großvater noch zu Fuß die Zeitungen in Parchim ab und verteilte die Exemplare als Zusteller in Damm und Malchow. „Da haben wir auch den einen oder anderen Abonnenten geworben“, erinnert sich Inge-Lore Mulsow, ihr Geburtsname ist Fürst.

Es war im August 1945, als die Flüchtlinge in 60 Güterwagen von Danzig aus Richtung Westen rollten. In Parchim wurde das Hab und Gut auf Pferdewagen geladen. Die Fürsts kamen in Damm erst in der Schule, dann bei einem Bauern unter. „Wir waren vier Kinder im Alter von zweieinhalb bis zehn Jahren. Vater war noch in Gefangenschaft.“ Als er dann zurückkam, musste er gleich wieder auf die Insel Poel, um Maschinen abzubauen. „Da waren wir wieder alleine.“

In diesen Nachkriegsjahren änderte sich auch die Zeitung. Schon 1893 wurde die erste reguläre Ausgabe der Parchimer Zeitung gedruckt. Damals erklärte der Verleger, sein Blatt habe „in der Stadt und Umgebung mehr Bezieher als jedes andere.“ Der Parchimer Heimatforscher Karl Augustin beschreibt in seiner Geschichte des Parchimer Zeitungswesens, dass die Parchimer Zeitung über die Jahrhundertwende „nicht nur ihre Stellung als Ortszeitung weiter festigen konnte, sondern auch in der Umgegend stetig an Boden gewann.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg ordnete sich auch die Presselandschaft neu. Ab 1952 erschien die Parchimer Zeitung dann als Lokalseite in der Schweriner Volkszeitung.

Inge-Lore Mulsows Familie machte währenddessen ihren Weg – nicht ohne Rückschläge. So zerstörte ein Großbrand die Unterkunft. Sie selbst wurde Erzieherin an der Diesterwegschule. Noch heute treffen sch die ehemaligen Kolleginnen jedes Jahr. Seit 1962 leben die Mulsows in Parchim, drei Söhne und sechs Enkelkinder zählen mittlerweile zur Familie. Und immer war die Parchimer Zeitung der Begleiter, der zuverlässig über das berichtete, was in der Region passierte. „Wir lesen immer noch alles“, sagt Inge-Lore Mulsow. Eine bis anderthalb Stunden pro Tag informiert und unterhält die Parchimer Zeitung die Leserin der ersten Stunde, die auch weiterhin hellwach und mit kritischem Blick über das Geschehen in ihrer Heimatstadt informiert sein will.

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