Parchim : Ein leuchtend grüner Daumen

Grün in grün: Das Motto ist zugleich die Berufung von Malte Masche
Grün in grün: Das Motto ist zugleich die Berufung von Malte Masche

Berufsperspektiven in der Heimat: Der Garten- und Landschaftsbauer verschönert mit Geschick und Kreativität unsere Umwelt

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13. März 2018, 11:00 Uhr

Die Welt ist weit, doch am schönsten ist es bekanntermaßen wo? Genau, zu Hause. So haben wir uns auf die Fahne geschrieben, einige Ausbildungsberufe in und um Parchim vorzustellen. Kurze Anfahrtswege, ein festes Gehalt und ein Platz mitten in der Heimat.


„Ein Taxus-Bonsai aus Japan.“ Olaf Vogel streicht über die kleinen Nadelblätter und drückt den stabilen Zweig ein wenig nach unten, bis der wieder zurückspringt. „Der hält was aus.“ Selbstvergessen betrachten wir das weit angereiste, wirklich ansehnliche und hübsch zurechtgeschnittene Gewächs, das jetzt erst mal zwischen Spaten, Traktoren und anderem Gartengerät steht, damit eventueller Frost dem noch nicht eingepflanzten Bäumchen nichts anhaben kann.

Es wird wohl an die 30 Jahre alt sein; beinahe so alt wie der Garten- und Landschaftsbau Vogel hier in Lübz, welcher 1990 seine Tore öffnete und welcher desweiteren zwei Blumengeschäfte betreibt. Olaf Vogel und Ehefrau Brit werkeln hier zwischen Pflänzchen und Pflanzen, das Unternehmen umfasst insgesamt 15 Mitarbeiter und die Frauenquote liegt bei etwa 30 Prozent.

Ein Ort, an dem gut und gern eine Ausbildung begonnen werden kann. Wenn, ja wenn „draußen“ kein Fremdwort in den Ohren eventueller Interessierter ist. „Man muss schon gerne draußen sein“, stellt Olaf Vogel die Vorwände der Playstation-Generation mal gleich hinten an. Also, runter von der Couch und ab ins… Beet?

Unter anderem, aber auch Pflasterarbeiten, Wege- und Teichbau, Dachbegrünung, Entwässerung und das Anlegen von ganzen Gärten und Parks gehören zu den Aufgaben eines zukünftigen Auszubildenden.

Bei letzterem hat Katja Tolksdorf, Diplom-Ingenieurin für Landschaftsarchitektur, das Zepter in der Hand. Was sie zu Papier bringt, wird mit dem Bauherren abgesprochen und von den Garten- und Landschaftsbauern in pflanzliche Form gebracht. „Es ist schön, zu sehen, wie das Theoretische dann draußen umgesetzt wird“, so Katja Tolksdorf. Zurzeit stehen solche Unternehmungen allerdings hinten an. Der Gehölz-Schnitt hat Vorrang, auch an heimischen Land- und Bundesstraßen.

Apropos, was ist mit Sturmtief Xavier? „Auch da hatten wir drei, vier Wochen zu tun, die beschädigten Bäume fachgerecht abzunehmen und zu entsorgen“, weiß Olaf Vogel, dessen Unternehmen auch auf dem Parchimer Friedhof geholfen hat, nach dem Sturm wieder klar Schiff zu machen. Aktuell und bald, also im Frühling bis Ende April, ist dann Pflanzzeit. Saisonal sollte der Auszubildende also auf Zack sein und handwerkliches Geschick aufweisen.

„Zwei linke Hände gehen gar nicht“. Da hatte Malte Masche wohl die rechte Hand und den grünen Daumen sowieso. Der 16-jährige Parchimer wurde „von seinem Vater hierhergeschleppt. Malte schlägt voll ein“, ist Olaf Vogel begeistert von seinem Auszubildenden, der erst ein einwöchiges Praktikum absolvierte, bevor er nach seinem Hauptschulabschluss seine Lehrzeit hier begann und jetzt im zweiten Ausbildungsjahr steht.

Gerade hat er die Zwischenprüfung hinter sich gebracht. „Baumpflege und Pflastern“ – das sind seine Steckenpferde. Aber auch der Bautechnik ist er nicht abgeneigt. Was, wie, wo funktioniert und die theoretischen Hintergründe über Boden, Erde, Substrate, die Maschinen- und Gerätekunde und der Hintergrund betrieblicher Abläufe – all das wird den Auszubildenden im Garten- und Landschaftsbau an der Berufsschule Zierow bei Wismar nähergebracht.

Während der dreijährigen Ausbildungszeit im Betrieb von Olaf Vogel können die Auszubildenden mit einem Gehalt von 740 Euro im ersten, 840 Euro im zweiten und 1000 Euro im dritten Lehrjahr rechnen. Grund genug, die Pflänzchen und Bäumchen extra sanft in den Boden zu setzen…


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