Hofläden der Region : Ein Laden mitten im Wald

Die „Waldfrau“ in ihrem Siggelkower Laden: Katja Mentzel betreibt ein kleines Geschäft am Rand des Dorfes.
Die „Waldfrau“ in ihrem Siggelkower Laden: Katja Mentzel betreibt ein kleines Geschäft am Rand des Dorfes.

In dieser Woche stellen wir Hofläden der Region vor − heute: Zu Besuch bei der „Waldfrau“ von Siggelkow

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26. August 2019, 20:00 Uhr

Hofläden sind die guten Seelen unter den Geschäften. Sie liegen im Grünen, irgendwo auf dem Land und verkaufen Produkte aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb. In einer Zeit, in der viel über Nachhaltigkeit diskutiert wird, lohnt sich ein Blick auf die Geschichten jener Menschen, die dieses Konzept bereits leben. In den nächsten Tagen stellen wir einzelne Hofläden zwischen Parchim und Plau am See vor. Heute: „Waldfrau“ aus Siggelkow.

Kann dieses Geschäft wirklich funktionieren, ist die allererste Frage. Sie kommt automatisch im Kopf auf, wenn man sein Navigationsgerät öffnet, „Slater Weg 6, Siggelkow“ eintippt und sieht, wo die Reise hingeht. Dort, wo eine Dorfstraße im Wald endet, öffnet die „Waldfrau“ ihren Laden. Zweimal pro Woche, am Dienstag und Freitag. Ab und an stehen die Leute Schlange, sagt sie.

Die „Waldfrau“ heißt Katja Mentzel. Sie ist ein Mensch, der gerne lacht, die Dinge aus dem Bauch heraus angeht, aber dann konsequent. Wie den Hofladen, den sie vor drei Jahren eröffnete: „Man hat manchmal so fixe Ideen“, sagt sie und kichert.

Die Gründungsgeschichte klingt so: Katja Mentzel kocht gerne selbst. Am liebsten Fruchtaufstriche, die „Chutneys“. Diese verschenkte sie an Freunde, Bekannte und Nachbarn. Allerdings in solchen Mengen, dass die Leute sagten: „Mach doch einen Laden auf“. Und schon war die Idee geboren.

Der Standort ist abgelegen, idyllisch. Da ist das alte Forsthaus am Waldrand. Roter Backstein, viel Grün. Weiter hinten liegen Äcker mit Gemüse, eine Feuerstelle und eine schier endlose Pferdekoppel. Und dann ist dort die alte Scheune über deren Tür ein Holzschild hängt. „Waldfrau“ ist darin eingebrannt. Die Treppe in der Scheune ist steil. Oben angekommen, fällt der erste Blick auf ein Poster. Ein Reh ist abgebildet, und ein Wildschwein. Die Grafik beschreibt detailliert das Fleisch der Tiere. „Wir verkaufen hauptsächlich Fleisch vom Wild und selbst gemachte Fruchtaufstriche“, sagt sie. Über die Jahre kamen Produkte dazu. Öle, Salze, Bohnen oder Nudeln. Selbst Kosmetika und Hygieneprodukte sind im Angebot. Das wichtigste Kriterium: Sie sollten nachhaltig und regional sein. „Der Renner in diesem Jahr sind Steaks vom Reh und Wildschwein“, sagt sie. Auch ihre Kundschaft kauft nachhaltig. Sie kommt aus den umliegenden Dörfern.

Das alles ist kein Zufall. Katja Mentzel ist Jägerin und Naturpädagogin. Ihr Mann Claas jagt und auch ihr Sohn. Die Familie hat ein eigenes Revier. Von dort kommt das Fleisch. Früher war Katja Mentzel Vegetarierin. Heute isst sie Fleisch, dessen Herkunft sie kennt. Zusammen mit ihrem Mann betreibt sie eine Tierarztpraxis. Er ist der Arzt, sie die Steuerfachangestellte, die sich um die Finanzen kümmert. Die „Waldfrau“ ist ein Nebenerwerb. Wichtiger ist die Idee hinter dem Hofladen: „Wir gehen 500 Meter in den Wald und holen das Fleisch. Die Kunden kommen aus 500 Metern Entfernung und kaufen es. Nachhaltiger geht es doch nicht, oder?“

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