Parchim : „Ein kleiner Laden wäre traumhaft“

Stefanie Jarchow mit ihrem jüngsten Sohn Levi. Den witzigen Aufdruck für den Stoff, der nun unter ihrem Label „RoSiLe“ produziert wird, hat sie entworfen.
Stefanie Jarchow mit ihrem jüngsten Sohn Levi. Den witzigen Aufdruck für den Stoff, der nun unter ihrem Label „RoSiLe“ produziert wird, hat sie entworfen.

Wir stellen junge Menschen vor, die auf Parchim und die Region bauen - heute: Stefanie Jarchow

23-13265854_23-78746386_1459441285.JPG von
12. August 2015, 08:00 Uhr

Wenn Stefanie Jarchow an ihrem Nähtisch sitzt, hat die junge Mutter ihre beiden Lieblinge draußen im Garten immer direkt im Blick: Im Frühjahr bekamen Robin (6) und sein zweijähriger Bruder Levi hier ihren eigenen kleinen Spielplatz. Familie Jarchow erfüllte sich vor drei Jahren den Traum vom eigenen Häuschen in Parchim. Die vierköpfige Familie fühlt sich superwohl in der Cleemannstraße. „Wir sind rundum glücklich hier, haben sehr nette Nachbarn, eine Großtante wohnt direkt um die Ecke und das Umfeld ist einfach schön“, schwärmt Stefanie Jarchow.

Vor fünf Jahren entschlossen sich Stefanie Jarchow und ihr Mann Marco, wieder zurück in die Stadt zu ziehen, in der sie geboren wurden, ihre Kindheit und Jugendzeit verbrachten und zur Schule gegangen sind. Stefanie Jarchow wuchs in der Marienstraße auf, das Gelände rund um den Kirchturm von St. Marien war in Kindertagen ihr Toberevier. Nach dem Abitur verschlug es sie nach Lübeck, wo sie eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten absolvierte. Ihr Mann, gelernter Gas-Wasser-Installateur, pendelte zunächst von Parchim nach Hamburg zur Arbeit, folgte seiner Frau nach Lübeck, wo vor sechs Jahren ihr erster Sohn Robin geboren wurde. Der Impuls, wieder nach Parchim zurückzukehren, ging damals von ihrem Mann aus. Freunde bestärkten sie darin und als beide auch noch jeweils mit der ersten Bewerbung einen Job bei einer Parchimer Firma fanden, war der Umzug beschlossene Sache.

Hier in Parchim begann Stefanie Jarchow immer häufiger, ihre Nähmaschine anzuschmeißen. Die heute 33-Jährige erinnert sich noch gut an das erste Teil, das sie damals für ihren seinerzeit fast zweijährigen Sohn fertigte: einen hellblauen Kapuzenpullover mit einem Glückspilz-Bügelbild. „Aber es war ein Einzelstück, in das ich all meine Liebe hineingesteckt habe und das es in keinem Laden zu kaufen gab“. Ihr Herzblut ließ sie fortan in viele selbst gefertigte Kindersachen fließen. Kaum jemand würde auf die Idee kommen, dass Stefanie Jarchow nie einen professionellen Schneiderkurs besucht hat.

Die Grundbegriffe des Nähens durfte sie als Jugendliche noch von ihrer Mutter lernen, der es nicht mehr vergönnt ist, ihre Enkelkinder aufwachsen zu sehen. Ihrer Mutter hat Stefanie Jarchow ein Denkmal in ihrem Label gesetzt, unter dem sie seit 2011 im Nebengewerbe im Internet u. a. selbst entworfene Schnittmuster mit bebilderten Anleitungen für coole Kinderklamotten sowie selbst entwickelte Plottdateien zum Aufpimpen von Shirts anbietet. RoSiLe steht für ihre Söhne Robin und Levi und für ihre Mutter Sigrid, die ihre schützenden Hände über die Familie hält.

Eigenes Design für einen Stoff kreiert
Im vergangenen Jahr entwickelte die zweifache Mama erstmals ein eigenes Design für Stoff, der in Kooperation mit einem Stoffshop produziert und vertrieben wird. „Es macht einen unglaublich stolz, wenn man eine Stoffbahn mit dem eigenen Namen am Rand zum ersten Mal in der Hand hält und sieht, dass eine Idee bei den Kunden ankommt“, bekennt Stefanie Jarchow. Noch unbeschreiblicher sei das Gefühl gewesen, als sie mit ihrer Kreation vor ihren härtesten Kritiker trat, ihren großen Sohn: „Das ist cool Mama“, gefiel Robin der Aufdruck mit den kleinen Monstern und den knalligen Farbtupfern auf Anhieb. Inzwischen geistert Stefanie Jarchow bereits eine neue Idee durch den Kopf.

Zu einer wichtigen Bühne ist für sie dabei das soziale Netzwerk geworden, auf Facebook zählt sie inzwischen rund 7400 Follower. Außerdem zieht es sie hin und wieder zu großen Nähevents, wo sich Gleichgesinnte, meist ebenso nähbegeisterte Muttis wie sie, austauschen, Kontakte knüpfen und Workshops besuchen. Für September hat sie gerade noch einen Platz auf dem lillestoff-Festival bei Hannover ergattern können. Die Tickets für diese Veranstaltung waren innerhalb von einem Tag vergriffen. Davor steht auch bei Jarchows noch ein großes Familienereignis ins Haus: Robin feiert am 29. August seine Einschulung. Mit ihm werden an diesem Tag 172 Parchimer Kinder in den drei städtischen Grundschulen aufgenommen.

Dass ihre Kinder eine gute Schulzeit haben und hier in Parchim eine vom Vorbild der eigenen Eltern geprägte weitere Basis fürs Leben bekommen, das wünschen sich Jarchows für die nahe Zukunft. Als Familie fühlen sie sich in ihrer Stadt wohl, eine Stadt, die wie jeder andere Ort natürlich seine Ecken und Kanten hat und nach Meinung von Stefanie Jarchow mehr frischen Wind – auch im Rathaus – gebrauchen könnte. Den erhofft sie sich jetzt vom Generationswechsel in der Stadtverwaltung, wenn dort nach 21 Jahren mit Dirk Flörke ein neuer Bürgermeister Einzug hält. Für sie ist auch die Standortfrage des Martinimarktes noch längst nicht abgehakt: „Ich finde, die Freifläche in der Regimentsvorstadt bietet viele Möglichkeiten, unseren Martinimarkt noch attraktiver zu machen“, ist sich die junge Mutter sicher.

Ganz persönlich hofft Stefanie Jarchow, eines Tages ihren heimlichen Traum verwirklichen zu können: „Ein eigener kleiner Laden, das wärs.“
Christiane Großmann

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen