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Parchimer Zeitung

24. November 2017 | 07:01 Uhr

Herzfeld : Ein irrer Duft von frischem Brot

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Am Sonnabend heizten Roselie und Matthias Döllner zum zehnten Mal ihren Lehmbackofen für Verwandte, Freunde und Bekannte an

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erstellt am 27.Okt.2014 | 08:39 Uhr

Pünktlich, als die erste Brotladung aus dem Ofen befördert wurde, verzogen sich die Regenwolken über Herzfeld und der Besuch trudelte im Minutentakt im Garten von Roselie und Matthias Döllner ein. Zum zehnten Mal hatten Döllners ihren alten Lehmbackofen angeheizt sowie kannenweise Kaffee und Tee gekocht, um mit Verwandten, Freunden und Bekannten ein paar gesellige Stunden in familiärer Atmosphäre zu verbringen. Die Brote aus Sauerteig, die auch diesmal wieder weg gingen, wie warme Semmeln, hatte Thomas Eickhorst in seiner Parchimer Backstube vorbereitet. Der Bäckermeister griff dafür auf sein bewährtes Rezept für das beliebte St. Marienbrot mit Dinkel und Roggen zurück und übernahm vor Ort auch persönlich das Abbacken. „Aus purem Spaß an der Freude“, wie er gesteht und als Fachmann immer wieder beeindruckt von dem etwas anderen Geschmack, das ein im Freiluftofen gebackenes Brot hervorbringt. Gern nimmt Thomas Eickhorst deshalb auch mal einen Lehrling mit zum Backtag nach Herzfeld, damit sich die jungen Leute von heute eine Vorstellung davon machen können, wie unsere Vorfahren ohne Hightechgeräte das täglich Brot auf den Tisch bekamen.

Der Lehmbackofen, an dem sich seit ein paar Jahren jeweils einmal im Frühjahr und im Herbst eine fröhliche Gesellschaft versammelt, ist von den Urgroßeltern der Gastgeberin errichtet worden und könnte mindestens 100 Jahre alt sein. Diese hatten den Hof 1876 erworben. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Ofen später noch einmal vom Großvater neu aufgebaut wurde. Als Roselie und Matthias Döllner 1987 das Grundstück übernahmen, war das Relikt aus alten Zeiten auf der Wiese zunächst Nebensache. 2008 entschlossen sie sich, den Ofen zu restaurieren: „Das Dach war kaputt und wir hatten nur noch die Wahl, ihn verfallen zu lassen oder was draus zu machen, zumal das Lehmgewölbe noch sehr gut in Takt war“, erzählt Roselie Döllner.

Tatkräftige Unterstützung bekamen Döllners von Freunden und Bekannten sowie von dem ortsansässigen Pötter Günter Schultz. Die alten Biberschwänze stammen vom Dach eines Hauses, das neu eingedeckt werden sollte. Einziges Zugeständnis an die heutige Zeit ist ein Digitalthermometer, um zu prüfen, ob der Ofen mit ca. 250 Grad Celsius richtig auf Touren ist. Die Urgroßeltern von Roselie Döllner dürften damals eine Kornähre benutzt haben: Unsere Vorfahren konnten die Temperatur an der Verfärbung ablesen.

Angeheizt wird am Vorabend des Backfestes wie zu damaligen Zeiten ganz traditionell mit Schnittreisig. Freunde aus Herzfeld sorgen inzwischen auf rührende Weise dafür, dass der Nachschub nie versiegt, genauso wie die Gäste des Backtages den deftigen Brotbelag beisteuern – in so reichhaltiger Auswahl, dass sich sprichwörtlich die Tische biegen. Ehrensache war es natürlich auch diesmal wieder für Ingrid Schmude, den obligatorischen Hefekuchen der Saison zu spendieren. Drei Bleche – belegt mit Apfel, Zucker mit Butterflocken sowie Bienenstich mit Walnüssen vom eigenen Baum – hatte sie mitgebracht.

Als Nussknacker und Apfelschäler gingen Ingrid Schmude am Morgen ihre Enkel Felix (11) und Lily (8) ganz fleißig zur Hand. Gemeinsam mit ihrem Bruder Jasper (5) verbringen die Kinder aus Rheinland-Pfalz ihre Ferien bei Oma in Neu Herzfeld. Der Backtag bei Familie Döllner war natürlich das Herbsterlebnis.


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