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Parchimer Zeitung

26. September 2017 | 02:23 Uhr

Parchim : Ein guter Ort für den Lebensabend

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Vor einem Jahr schuf ein junges Team eine Wohngemeinschaft und Tagespflege für ältere Menschen in Parchim. Resonanz spricht für sich,

von
erstellt am 09.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Für Katrin Vlachojannis und zwei weitere junge Leute war es damals „das Objekt der Wahl“, als sie ihre Idee schmiedeten, in Parchim ambulant betreute Wohngemeinschaften für hilfe- und pflegebedürftige Menschen aufzubauen. Im ehemaligen Jobcenter parallel zur Putlitzer Straße haben sie ihr Projekt verwirklicht. Nichts, aber auch gar nichts ist nach dem Umbau von dem Bürocharme des Verwaltungsgebäudes übrig geblieben. Das vor einem Jahr eröffnete Haus strahlt eine offene, behagliche, einladende Atmosphäre aus. Die ansprechend angelegte Außenanlage mit dem schönen Pavillon, einem Sinnesgarten und mehreren Bänken bzw. Sitzgruppen lädt zum Verweilen ein. Trotz des verkorksten Sommers konnte auch schon mehrfach der Grill angeheizt werden.

Die zunehmende Anzahl der bezogenen Zimmer gibt den Investoren Recht: Eine Wohnform wie diese ist von älteren Menschen gewollt und gewünscht. Auf den Weg gebracht haben die Initiatoren ihr Projekt schließlich ohne den ursprünglich erhofften Wohngruppenzuschlag von den Krankenkassen. Zur Einweihung im September 2016 war die erste Wohngruppe mit zwölf Zimmern bereits voll belegt. Inzwischen sind alle Zimmer in der zweiten Gruppe ebenfalls bezogen. In wenigen Tagen soll nun der dritte Wohnbereich an den Start gehen, in dem noch einige Plätze zur Verfügung stehen.

Punkten kann das WG-Haus für insgesamt 36 Bewohner mit seiner günstigen Lage unweit vom Stadtzentrum. Jeder Bewohner hat mit einem eigenen Zimmer und eigenem sanitären Bereich seine persönliche Privatsphäre. Irmtraud Maltzahn hielt am 11. Juni 2016 Einzug, als eine der ersten in der WG. Ihre Entscheidung hat sie noch keinen Tag bereut. „Ich bin hier angekommen. Ich fühle mich hier wirklich wohl“, bestätigt die 77-Jährige. Jeder respektiere, wenn man sich mal zurückziehen möchte.

Das „gesellschaftliche Leben“ findet in der großzügig gestalteten offenen Küche als Herz jedes Wohnbereiches statt. In jeder WG ist eine Servicekraft als Ansprechpartnerin für alle Belange regelmäßig vor Ort. Irmtraud Maltzahn und ihre anderen elf WG-MitbewohnerInnen haben Petra Schulz vom ersten Tag an sehr ins Herz geschlossen. In ihrer WG bleibt der Herd zur Mittagszeit allerdings oft aus: Die Bewohner haben vielmehr großen Appetit darauf, sich die warme Mahlzeit servierfertig von einem Anbieter ins Haus liefern zu lassen. „Viele von ihnen haben ihr Lebtag für die Familie gekocht. Sie wissen es sehr zu schätzen, dass sie nun die Wahl haben, ob sie sich selbst etwas zubereiten oder bestellen möchten“, kann Petra Schulz das sehr gut nachempfinden. Auch Susann Frädrich hat im Dezember vergangenen Jahres in der Scharnhorststraße eine Arbeit gefunden, die ihr Freude bereitet: Die junge Frau ist als Betreuungsassistentin in der Tagespflege „Mit Herz und Zeit 2“ tätig, die ebenfalls in diesem Haus entstanden ist. Susann Frädrich absolvierte bereits ihre Ausbildung zur Betreuungskraft in der Tagespflege, die vom ambulanten Pflegedienst Haunschild aufgebaut wurde. Der vor 20 Jahren gegründete Pflegedienst hat seine Wiege in Klinken . Das Team verwirklichte vor dem Parchimer Projekt bereits eine Tagespflegeeinrichtung in Crivitz. Die 2016 eröffnete Einrichtung in der Kreisstadt ist für 30 Tagesgäste ausgelegt.

Wenn Geschäftsführerin Katrin Vlachojannis heute durch das große Haus in der Scharnhorststraße geht, macht sie das einfach nur begeistert: Tagespflegegäste, WG-Bewohner und die Menschen, die hier arbeiten, verliehen den Räumen gemeinsam in den zurückliegenden Monaten eine sehr persönliche Handschrift: mit Liebe zum Detail und einem Gespür für harmonische Farben, wie ein Blick in den Schlaf- und Ruhebereich oder in den Essbereich mit der offenen Küche verrät. Am Herd ist Yvonne Möller voll in ihrem Element. Die Köchin verwöhnt die Tagespflegegäste nach allen Regeln der Kunst mit guter (Mecklenburger) Hausmannskost „live und frisch zubereitet“. Ihr Sohn Justin wurde von den Tagesgästen kürzlich wie das eigene Enkelkind aufgenommen. Er verbrachte hier in den Sommerferien einige Tage im Rahmen der Verhinderungspflege. Dem 14-Jährigen machte es so viel Spaß, dass er in den nächsten Ferien am liebsten wiederkommen würde.

(Lesen Sie auch in der Printausgabe und im E-Paper)
 

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