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Grundschule Domsühl : Ein eigenes Zimmer für Leseratten

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Beim Sponsorenlauf in der "Olympischen Woche" ihrer Schule haben die Mädchen und Jungen der Grundschule Domsühl 1000 Euro erlaufen. Mit dem Geld haben sich die Erst- bis Viertklässler jetzt etwas ganz besonderes gegönnt.

svz.de von
erstellt am 20.Dez.2012 | 05:32 Uhr

Domsühl | Kurz nach Schuljahresstart veranstaltet die Grundschule Domsühl traditionell eine "olympische Woche" voller sportlicher Höhepunkte. Einer davon war der sogenannte Sponsorenlauf, bei dem die 80 Mädchen und Jungen die stolze Summe von 1000 Euro "erlaufen" haben. Über die Zweckbestimmung waren sich die Erst- bis Viertklässler schnell einig: Ein eigenes Lesezimmer!, lautete ihr Wunsch, der jetzt in Erfüllung ging.

Der ausgeprägten Leselust dieser Grundschulkinder tragen zwar bereits spezielle Zeiten im Tageslauf der vollen Halbtagsschule Rechnung, erklärte Schulleiterin Petra Groß. Doch die Schulstühle wären trotz individueller Sitzkissen nicht gerade Muster der Gemütlichkeit, welche diese wundervoll lehrreiche Freizeitbeschäftigung verdient. "Bei uns werden Unterricht und Freizeit mit vielen Möglichkeiten zum Wissenserwerb inhaltlich miteinander verknüpft. Dabei lassen wir großen Raum für Kreativität. Unsere Schule wird so in enger Zusammenarbeit mit den Horten ein ganztägiger Wohlfühlort für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrer."

Die fünf engagierten und ideenreichen Pädagoginnen können dabei stets auf tatkräftige Unterstützung der Eltern, Mitglieder und Freunde des Schulfördervereins und nicht zuletzt des kommunalen Schulträgers bauen. So war es auch bei diesem jüngsten Vorhaben, welches auf einen ehemaligen Unterrichts- bzw. Hortraum im Barackenkomplex aus der Zeit vor dem modernen Neubau der Grundschule zurückgreifen konnte.

Bei der Renovierung und anheimelnden Ausgestaltung hätten sich drei Mütter und der Hausmeister ganz besonders ins Zeug gelegt, verkündete Petra Groß den im weihnachtlich geschmückten Foyer versammelten Grundschülern und ihren Klassenlehrerinnen. An dem festlich gedeckten Tisch in der Mitte hatten die vier "guten Geister" Platz genommen, um sich an den leuchtenden Kinderaugen und von ihnen allen vorbereiteten Leckereien zu erfreuen.

Nach der von Heilerzieherin Inga Fandrich maßgeblich entwickelten Idee hatte Melanie Prestin, ihrem Beruf entsprechend, die farbenfrohe Ausmalung des Raumes übernommen. Landwirtin Susanne Rave war ihr dabei hilfreich zur Hand gegangen und hatte neben weiteren Gestaltungsideen eigenhändig genähte Gardinen beigesteuert. Jack Senichal, der rührige Hausmeister schließlich bezog das gegen eventuelle Fußbodenkälte isolierende Podest auf zwei Dritteln der Zimmerfläche mit nagelneuem Teppichboden.

Alle Vier waren sichtlich gerührt von dem ihnen zum Dank angestimmten Gesang und erlebten staunend die gespannte Aufmerksamkeit mit, welche die versammelte Kinderschar Lou Meinicke und Vivian Bremer aus der 3. Klasse widmeten, als sie unterm Lichterbaum eine kurze Geschichte vorlasen. So eingestimmt, bestimmten die vier Klassen schließlich je zwei "Lese-Detektive" aus ihrer Mitte, die als erste das neue Lesezimmer erkunden und ihren Mitschülern danach haarklein erklären sollten: die Erstklässler Anna und Bjarne, Maike und Jonas aus der 2., Cora und Chris-Ole für Klasse 3 sowie Dörte und Emily-Jolin.

Ausgestattet mit großen Leselupen und symbolischen Schlüsseln folgten diese 8 "Lese-Detektive" der Schulleiterin über den Hof zum neuen Lesezimmer und machten sich voller Neugier zunächst mit ein paar Verhaltensregeln vertraut, die unter anderem auf das strikte Verbot von Straßenschuhen bestanden. Statt dessen stehen den Leseratten bequeme Puschen und Filzlatschen zur Verfügung, welche natürlich sofort anprobiert wurden. Dann durften die Acht die urgemütlichen Sitzgelegenheiten wie Sitzsäcke und Polsterhocker testen. Als Petra Groß ihnen dann noch für jede Klassenstufe passende Leseproben in die Hände gaben, wurde es plötzlich mucksmäuschenstill. Kein Wunder, denn jene als Klassensatz angeschafften Bücher trafen offenbar die Lesevorlieben der Grundschüler ziemlich gut. Bei den Domsühler Kids stehen Detektiv-Geschichten derzeit hoch im Kurs, wie Chris und Dörte unter beifälligem Murmeln verrieten. Bis zu den Winterferien werden jeweils in kleinen Gruppen wohl alle 80 Mädchen und Jungen ihr neues, urgemütliches und kunterbuntes Lesezimmer gründlich ausprobiert haben, denn bis zu diesem Termin steht eine schriftliche, zum Teil aber auch gemalte Wiedergabe des Gelesenen mit eigenen Worten und Bildern als Schulaufgabe für alle an. Aber zwischendurch ist unter den drollig "fliegenden" Büchern und Buchstaben der Wandbemalung auch für Abwechslung etwa in Form von spannenden Hörbüchern gesorgt, damit dem hoffnungsvollen Nachwuchs die Leselust nicht so rasch verfliegt.

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