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Erster Privatwald mit PEFC-Siegel : Ein besonders wertvoller Wald

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Waldbesitz in Stresendorf seit 2003 durchgehend mit einem international zertifizierten Siegel anerkannt

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2017 | 12:00 Uhr

„Eine Lebenseinstellung“ sei der Wald und seine Bewirtschaftung für ihn, so Hubertus Ritter von Kempski an diesem Freitagmorgen. Der gebürtige Niedersachse betreibt nahe seinem Wohnort Stresendorf einen privaten Forst, welcher von ihm und seinen Mitarbeitern seit den 90er Jahren gehegt und gepflegt wird und zwar in einem solch ökologisch, ökonomisch und sozial einwandfreiem Maße, dass der Wald 2003 als erster Privatwald in Mecklenburg-Vorpommern mit dem international anerkannten PEFC-Siegel ausgezeichnet wurde (siehe Hintergrund).

Sachverständige prüfen den Wald

Um die Aktualität dieses Prädikats zu gewährleisten, wird stichprobenartig ein sogenanntes Vor-Ort-Audit mit einem unabhängigen Sachverständigen durchgeführt, welcher überprüft, ob die „Prozesse, Anforderungen und Richtlinien die gesetzten Standards erfüllen“.

Diese Aufgabe übernahm Dr. Karl Gruss. Er wurde aus einem Pool verschiedener Firmen und deren Auditoren von der regionalen PEFC-Arbeitsgruppe ausgewählt, welche in Abständen die Sachverständigen wechselt, um eine höchstmögliche Neutralität und Unabhängigkeit sicherzustellen. Mitglieder dieser Gruppe waren auch heute vor Ort. Neben Hubertus Ritter von Kempski selbst auch der Regionalassistent der PEFC von Mecklenburg-Vorpommern, Forstwirt Sebastian Loose, und Peter Kadow von der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern, die seit 2003 ebenfalls zertifiziert ist. Außerdem noch mit dabei Danilo Klaus von der Stadtforst Parchim, dem der Wald ebenso im Blut zu liegen schien wie allen anderen Beteiligten an diesem Tag.

Mithilfe einer Baumartkarte, die auch gleichzeitig der Orientierung diente, wurden diverse Waldbilder besichtigt und überprüft.

In einem 2,1 ha großen Fichtenbestand fasste Hubertus Ritter von Kempski die Eckdaten zusammen: „Fichten der dritten Altersklasse, hier 40 Jahre, letztes Jahr gab es Käferbefall.“ In einer sogenannten Rückegasse zeigt Dr. Karl Gruss auf den Boden. Hier wurde Reisig ausgelegt, damit die arbeitenden Harvester, welche zur Baumentnahme eingesetzt werden, keine Gleise im Boden bilden können. „Herr von Kempski hat hohe, lehmige Anteile im Boden. Um die bodenschonende Arbeit laut Standards zu sichern, werden Harvester mit breiten Rädern und breiter Achse genutzt.“ Im Falle eines Ölverlustes wird auf biologisch abbaubares Öl gesetzt, damit der Untergrund und damit das gesamte Netzwerk der Natur geschont bleibt. Ein wichtiger Faktor, um das Siegel halten zu können.

Nachhaltig produziertes Holz

Auf vielen FlächenIn der „chain-of-custody“, die Nachweis des Holzflusses ist, muss jedes einzelne Glied in der Kette den PEFC-Standards gerecht werden. Wird das Siegel dem Forstbetrieb entzogen, darf das Holz nicht mehr als PEFC-Holz deklariert werden. Gleiches gilt bei Sägewerken, Parkettherstellern, Papierindustrie und jedem anderen Abnehmer, sobald dieser zertifiziert wurde.

Nachhaltig angebautes Holz hat mittlerweile einen deutschlandweiten Waldflächenanteil von annähernd 70 Prozent – zu denen gehört eben auch der heute begutachtete Fichtenbestand. Nur einen kleinen Makel findet das geschulte Auge des Auditors noch: „Sehen Sie die Bögelchen in der Rückegasse? Diese sollte besser gerade sein.“ Trotzdem kommt er zum Bestandsaufschluss: Pflegliche Waldarbeit. Um die Nutzungsbreite zu erhöhen und die Wirtschaftlichkeit zu sichern, wird häufig durch sogenannte „Überführungen“ Nadelholz langfristig in Laubholz überführt. So geschehen bei einem Kiefernbestand, der zahlreichen Roteichen wich, die wiederum als Setzlinge hier gepflanzt wurden. Das ist nicht immer der Fall.

„Wir setzen auf natürliche Verjüngung“, weiß von Kempski. Bei diesem Prozess überlässt es der Forstbesitzer der Natur, sich um die Sämlinge zu kümmern – solang dieser den Verbiss des Reh-, Dam- und Rotwildes überlebt. Aus diesem Grunde werden für einen bestimmten Zeitraum, wenn nötig, Areale großflächig gegattert. Zur Freude des Auditors ist der Zaun nun verschwunden. Die Bäume sind groß genug und: „Kein Verbiss zu sehen“. Auch die jagdliche Planung, der Vollzug und die Erlegung sind in den Standards inbegriffen und werden vom Auditor in einer vorherigen System- und Dokumentenprüfung abgefragt. Die Wildbewirtschaftung ist somit genauso geregelt wie die Waldbewirtschaftung selbst. Dass das eine unmittelbar und manchmal auf unerwünschte Weise in das andere greift, lässt sich anhand des Wolfes aufzeigen. Der graue Jäger „schiebt das Wild in engere Baumbestände, welche es dann schält“, hat Hubertus Ritter von Kempski festgestellt. So sorgt das von vielen Naturfreunden herbeigesehnte Tier zum Leidwesen der Waldbesitzer für nicht unbedeutende wirtschaftliche Schäden.

Sturm und Wolf sorgen für Ärger

Wie auch Sturmtief Xavier , der Anfang Oktober durch das Land fegte. Von Kempski denkt nicht gerne daran zurück. „Ich habe mich mordsmäßig darüber geärgert“, lässt er die Erinnerung daran Revue passieren. Doch auch die in Mitleidenschaft gezogenen Bäume lassen sich teilweise noch verarbeiten. Zusammen mit den gesunden werden sie in der Möbelindustrie, als Rammpfähle beim Brückenbau des Nord-Ostsee-Kanals, zur Zelluloseverarbeitung oder als Brennholz genutzt. Auch als Bauholz für Dach, Fenster und Treppe lassen sich Fichte, Lärche, Douglasie und Buche optimal einsetzen.

Um jedoch vom Wald in die weite Welt zu kommen, müssen LKW die Stämme auf schlecht befahrbaren Wegen abtransportieren. Die hiesige Gemeinde Möllenbeck hat die Ausbesserung der zugehörigen Wege zum Leidwesen des Waldbesitzers nicht auf ihrer Agenda stehen. Eine Tatsache, die dringender Abhilfe bedarf, soll die Bewirtschaftung des zertifizierten Waldes, der auch als Lebensraum zahlreicher Tierarten, als Erholungsgebiet für jedermann und nicht zuletzt als positiv einwirkender Klimafaktor fungiert, einer erfolgreichen Zukunft entgegensehen.

In den Augen des unabhängigen Sachverständigen Dr. Karl Gruss hat Hubertus Ritter von Kempski zusammen mit seinen Mitarbeitern in dem Forst seinen Anteil dabei erfüllt. Der Auditor fasst zusammen: „Nach der Betrachtung der sieben Waldbilder von der Fichte bis zur Buche wurde die Konformität mit den PEFC-Standards festgestellt.“ Desweiteren werde „dank der Nährstoffversorgung, dem Lichteinfluss und den Jagdbestrebungen die natürliche Verjüngung des Waldes wohl weiterhin stattfinden.“ Damit ist das PEFC-Siegel im Forst von Hubertus Ritter von Kempski weiterhin gültig, der auch der Landesforst und der Stadtforst Parchim mit ihren Mitarbeitern Danilo Klaus und Frank Möller für deren Unterstützung dankbar ist.



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