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Parchimer Zeitung

22. November 2017 | 00:26 Uhr

Eigenheime statt Hallen am Rollfeld

vom

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erstellt am 06.Mär.2012 | 08:20 Uhr

Parchim | Häuslebau für Chinesen: Dem Landkreis schuldet er noch Millionen, am Flughafen stocken die versprochenen Investitionen und die Steuerzahler müssen noch über Jahre für die Lasten der Flughafenprivatisierung aufkommen - doch Flughafeneigner Jonathan Pang investiert zusammen mit einem Partner Hunderttausende in private Eigenheime unweit des Flugplatzes. Der chinesische Investor habe in Damm Grundstücke für den Bau von insgesamt 17 Wohnhäusern gekauft, teilte Bürgermeister Werner Grandt gestern mit. Der Baugrund war vor Jahren von einer Entwicklungsfirma erschlossen worden. In dem Gebiet sei über Jahre nur noch "schleppend gebaut worden", so der Bürgermeister. Pang wolle jetzt auf den zwischen 500 und 700 Quadratmeter großen Grundstücken 140 bis 180 Quadratmeter große Eigenheime bauen, erklärte Torsten Aulich, Chef der beauftragten Baufirma WAS Immobilien & Bau GmbH Parchim. Fünf Eigenheime seien bereits als Musterhäuser errichtet worden. Je nach Käuferinteresse sollen die anderen Häuser in diesem Jahr gebaut werden.

Pangs neuester Immobiliendeal ist fraglich: Jahrelang blieb der Logistiker aus Finanznot dem Landkreis den vereinbarten Kaufpreis von 30 Millionen Euro für 850 Hektar rings um den Flughafen schuldig. Und auch die erste Rate konnte er nur durch ein zweifelhaftes Grundstücksgeschäft mit dem internationalen Industrieimmobilienentwickler Goodman überweisen. Ohne selbst Eigentümer zu sein, verkaufte er seinerzeit den Immobilienexperten eine Teilfläche von 53 Hektar und bezahlte mit dem Erlös von 13 Millionen Euro die erste Kaufrate. Schließlich erließ der Landkreis Pang vom Kaufpreis sogar zwölf Millionen Euro und stundete ihm weitere fünf Millionen Euro, die er nur zu Jahresraten von je eine Million Euro überweisen muss.

Der finanzielle Schlingerkurs hindert Pang indes nicht, in den Häuslebau einzusteigen: Man habe die Marketingvertretung für den Verkauf der Häuser unter anderem in China übernommen und wolle die Eigenheime Investoren anbieten, die Interesse an einer Ansiedlung am Flughafen Parchim zeigten, sagte ein Unternehmenssprecher gestern in Parchim. Hauptaufgabe von Pangs Logistikunternehmen Link Global bleibe der Ausbau des Flughafens. So solle im April der Hochbau des neuen Towers abgeschlossen werden, so der Sprecher. Allerdings: Pang selber zieht es nicht in die Eigenheime in Flughafennähe. Der Airportchef hat sich vielmehr eine Villa in Innenstadtnähe gekauft.

Trotzdem: Der Ausflug in den Häuslebau "hat ein Geschmäckle", meint Ulrike Seemann-Katz, Fraktionschefin Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag Ludwigslust-Parchim. Während der Kreis auf Millionen verzichten müsse, verfüge Pang plötzlich über Kapital, um Eigenheime zu bauen. "Woher kommt auf einmal das Geld", fragt Seemann-Katz.

Protest auch im Landtag: Es sei befremdlich, dass der Flughafenbetreiber bislang seine zugesagten Investitionen noch nicht erfüllt habe, kritisierte Linken-Fraktionschef Helmut Holter. "Immerhin war es diese Zusage, die den Kreistag bewogen hat, ihm einen Kaufpreisnachlass in zweistelliger Millionenhöhe zu gewähren. Die Frage ist berechtigt, woher der potenzielle Investor die Mittel für den Bau von Eigenheimen in der Gemeinde Damm hat, wenn zugleich die zugesagten Investitionen zum Beispiel für Betankungsanlagen, Abfertigungshallen und andere Infrastrukturmaßnahmen nicht erfolgen."

Der Landkreis lässt Zweifel nicht gelten: Es sei "prima, wenn jemand in der Region investiert", meinte Kreissprecher Andreas Bonin in Parchim. Pangs Hausbau sei "nicht zu beanstanden".


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