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Parchimer Zeitung

22. November 2017 | 08:43 Uhr

Tourismus : Dunkle Wolken im Blauen Paradies

vom
Aus der Onlineredaktion

Laut Forum Wasserstraße wird von Tourismusanbietern und Experten ein Rückgang der Gästezahlen befürchtet. Die Vermarktung wird aktiviert.

von
erstellt am 19.Okt.2017 | 06:00 Uhr

Bei Hans-Joachim Oeck, Inhaber des Bermudadreiecks, einem bei Campern und Freizeitskippern seit mehr als zehn Jahren gleichermaßen beliebten Wasserwanderrastplatzes nahe Kuppentin mit unmittelbarem Zugang zur Müritz-Elde-Wasserstraße, läuten die Alarmglocken. „Nachdem im Vorjahr noch rund 7000 Boote durch die Lübzer Schleuse gefahren sind, sollen 2017 hier bislang nur rund 4500 Freizeitkapitäne gezählt worden sein“, berichtet er auf dem 6. Forum Wasserstraße, zu dem der Tourismusverband und die Lokalen Aktionsgruppen Leader Südwestmecklenburg und Warnow-Elde-Land auf die Burg Neustadt-Glewe eingeladen hatten.

So wie Hans -Joachim Oeck kennt auch Hans Ahrendt, langjähriger Betreiber der Hafenanlage vis-a-vis der Garwitzer Schleuse die Kritikpunkte der Freizeitskipper sehr genau. Selbst in der Hauptsaison fallen Schleusen für Stunden und Brücken sogar für Tage aus technischen Gründen aus. Personalmangel führt im Sommer mitunter zu verkürzten Öffnungszeiten. „Vor allem für Chartertouristen, die erstmals mit einem Boot unterwegs sind, sind Selbstbedienungsschleusen vielfach eine Spaßbremse“, sei immer wieder zu hören.

Andreas Dohms stellt als Vertreter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, einer Bundesbehörde, klar: „Unsere Aufgabe ist, den durchgängigen Schiffsverkehr zu sichern. Und das garantieren wir auch weiterhin auf den Nebenwasserstraßen“. Diese Aufgabe sei angesichts von 420 Kilometern Wasserstraßen mit 29 Schleusen, 52 Wehren, 75 Brücken und 365 Mitarbeitern im Zuständigkeitsbereich außerordentlich anspruchsvoll. Dass die Nebenwassertraßen wie Stör- und Müritz-Elde-Kanal nach einer Neustrukturierung in den Schifffahrtsämtern in Verantwortung des Bundes verbleiben, sei für alle Wassersportler eine wirklich „gute Nachricht“.

Für Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes MV, sind Wasserstraßen Lebensadern, die für die Wertschöpfung in der strukturschwachen Region unverzichtbar sind. „Wir werden bei der Politik weiter Druck machen, dass der Bund seiner Verantwortung für die Nebenwasserstraßen besser gerecht wird. Gleichzeitig starten wir eine eigene Marketingoffensive zusammen mit dem Land Brandenburg, um dem Wassertourismus neue Impulse zu geben. Dafür sollen kurzfristig 300 000 Euro eingesetzt werden“. Die Werbung richtet sich auch an Gäste aus den Niederlanden, Österreich und der Schweiz, die verstärkt ins Blaue Paradies gelockt werden sollen.

Plaus Bürgermeister Norbert Reier, der bereits vor Monaten den Finger in die Wunde gelegt und in den zurückliegenden Jahren maßgeblich seine Stadt als Hochburg des Wassertourismus entwickelt hat, schlägt eine Lanze für die Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Wir müssen den Ursachen auf den Grund gehen und neue Konzepte entwickeln“. Eine Idee, die Moderator und Unternehmensberater Jörg Klingohr ins Spiel brachte, fiel auf fruchtbaren Boden. „Warum können Kommunen in der Saison die fehlenden Schleusenwärter nicht mit eigenen Mitarbeitern ersetzen“, meint Klingohr, der selbst als Freizeitkapitän auf seiner Jungfernfahrt Rat und Tat beim Schleusen vermisst hat. Die Teilnehmer des Forums sind sich mehrheitlich sicher: Mit dieser kreativen Idee könnte der Knackpunkt für nachlassendes Interesse für eine Bootstour entschärft werden.

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