Landratswahl Ludwigslust-Parchim : Duell: Sternberg gegen Glaser

In der Kreisverwaltung verfolgte Klaus-Michael Glaser seinen Einzug in die Stichwahl. Fotos: Volker Bohlmann
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In der Kreisverwaltung verfolgte Klaus-Michael Glaser seinen Einzug in die Stichwahl. Fotos: Volker Bohlmann

Ergebnis in Prozenten: Stefan Sternberg 36,4, Klaus-Michael Glaser 25,9, Jacqueline Bernhardt 25,3, Matthias Pasternak: 12,4

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27. Mai 2018, 21:00 Uhr

Das von allen Erwartete ist eingetreten: Die Landratswahl ist im ersten Durchgang nicht entschieden worden. Zwar lag der SPD-Kandidat Stefan Sternberg klar vorn, doch für die absolute Mehrheit reichte es nicht. Nach einem bis zum Schluss spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen konnte die CDU ihren Kandidaten Klaus-Michael Glaser mit dem hauchdünnen Vorsprung von 468 Stimmen in die Stichwahl bringen. Die Linke, die mit Jacqueline Bernhardt einen besonders engagierten Wahlkampf abgeliefert hatte, landete enttäuscht, aber doch stolz auf dem dritten Platz. Abgeschlagen auf dem letzten Platz kam die AfD mit Matthias Pasternak ein.

Die Wahlbeteiligung lag bei 34,1 Prozent. Regional gab es dabei Unterschiede. In der Kreisstadt lag die Beteiligung bei 32, 9 Prozent. Laut Stadt der Tiefpunkt seit der Wende. Landrat Rolf Christiansen: „Ich hatte gehofft, dass es mehr als 30 Prozent werden. Landratswahlen sind nun mal nicht der Renner beim Wähler“, schränkte er ein.

Stichwahl: Die Wahlleitung hatte bereits im Vorfeld des gestrigen Wahltages Vorbereitungen für eine Stichwahl getroffen. Instruiert waren vor allem die Vorstände in den Wahllokalen. Jeder, der gestern zur Wahl ging, erhielt den Hinweis, die Wahlbenachrichtigung aufzuheben. Denn die bleibt weiterhin gültig und wird nicht noch einmal verschickt. Das gilt auch für diejenigen, die gestern nicht zur Wahl gingen. Bei der Stichwahl am 10. Juni ändert sich im Vergleich zum ersten Wahlgang  nur wenig. Der größte Unterschied liegt im Drucken der neuen Wahlzettel. Das war im Vorfeld schon mit den Druckereien abgesprochen, nur die Namen der beiden Kandidaten konnten  erst gestern nach der Auszählung eingesetzt werden. Es bleibt bei den Wahlvorständen und  den Wahllokalen. Wer beim ersten Mal die Briefwahl genutzt hat, muss sich nicht kümmern. Er bekommt die neuen Unterlagen automatisch zugeschickt. Wer am 10. Juni nicht kann und die Briefwahl neu nutzen möchte, muss das zügig bei seiner Gemeinde beantragen.

Wahlsieger Stefan Sternberg war am Abend sichtlich erleichtert und ging gleich in den Angriffsmodus: „Ich freue mich jetzt auf zwei neue, spannende Wochen im Wahlkampf, in dem ich bisher schon viel gelernt habe. Gleich morgen werde ich mich bei den Linken direkt für deren fairen Wahlkampf bedanken. Ich werde jetzt mit meiner Mannschaft erneut die Ärmel hochkrempeln, um in der Stichwahl vorn zu sein.“

Sein Kontrahent am 10. Juni ist Klaus-Michael Glaser: „Ich hatte erwartet, dass es eine Stichwahl wird. Nur nicht, dass die Differenz nach vorn so groß ist. Wir machen jetzt volle Pulle weiter mit Marktständen und Häuserwahlkampf“, erklärte er gestern im Parchimer Landratsamt.

Das Finale der ersten Wahlrunde wurde gestern Nachmittag am Parchimer Fischerdamm eingeläutet. SPD und die Linken feierten die Feste mit ihren Unterstützern gerade einmal 250 Meter voneinander entfernt. Die CDU zog mit ihren Mannen nach 18 Uhr gleich ins Landratsamt ein, um wenig später nach Ludwigslust zur Bürgermeisterwahl weiter zu ziehen, wo es auch zu einer Stichwahl kommen wird.

Die Unsicherheit vor der Auszählung der Stimmen war bei allen riesig. Stefan Sternberg bekannte vorher, überhaupt kein richtiges Gefühl zu haben und beruhigte sich beim Weißbier. Jacqueline Bernhardt war sichtlich angespannt und setzte auf Weißwein. Glaser bekämpfte seine Spannung mit Apfelschorle und jede Menge Gummibärchen. Enttäuschung gab es hingegen bei allen über die niedrige Wahlbeteiligung, obwohl einige mit noch niedrigeren Zahlen gerechnet hatten.

Kommentar von udo Mitzlaff: Fast schon Wahlboykott

Mit verschränkten Armen und bösem Blick maulen: Ist das das Bild unseres Prototyp-Mitbürgers der Zukunft? Wohl leider ja. Diese Nicht-Wahlbeteiligung könnte man schon Boykott nennen. Und verdient hat sie kein Kandidat. Nur etwa jeder dritte Mitbürger war so frei, zur Urne zu gehen.

Wer Zeitung liest, weiß wie sich Stefan Sternberg für die Kulturmühle Parchim abrackert. Er weiß, wie Jacqueline Bernhardt hochemotional gegen Kinderarmut kämpft. Er müsste, wenn er fair wäre, zugeben, dass sich Klaus-Michael Glaser an etlichen Abenden für eine starke Stimme der Gemeinden einsetzt. Immerhin, das Ergebnis spiegelt wider, wie schwer die Entscheidung zwischen diesen Kandidaten war. CDU-Mann Glasers Vorsprung  vor Jacqueline Bernhardt ist wirklich hauchdünn, sein Rückstand zum Gewinner Stefan Sternberg allerdings deutlich.  Wer jetzt glaubt, die Stichwahl ist damit überflüssig, irrt. Gelingt es der CDU, mehr Wähler zur Stimmabgabe zu bewegen, kann sich etwas drehen. Rolf Christiansen fuhr 2011 beim ersten Wahlgang immerhin 45,7 Prozent ein. Wahlbeteiligung damals: 53,9 Prozent.

 Ein Trend scheint aber gestoppt: Die AfD ist zumindest auf Landkreisebene entzaubert.

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