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Auch Parchimer Textilwerkstatt der ABS auf dem Abstellgleis : Dominoeffekt nach "Novi-Life"-Aus

vom

Am 30 November ist Schluss. Nach der Schließung des Parchimer Sozialkaufhauses, steht auch die Textilwerkstatt der ABS aus.

svz.de von
erstellt am 24.Nov.2011 | 09:50 Uhr

Parchim | Die Trommeln von gleich drei Waschmaschinen drehen sich im Takt. Die Frauen, die sich hier um die Wäscheberge kümmern, verstehen ihr Handwerk. Routiniert erledigen sie ihre Arbeit. Aber damit ist es in einer Woche endgültig vorbei. "Am 30. November ist Schluss. Was aus unserer Textilwerkstatt wird, steht in den Sternen", sagt ABS-Geschäftsführer Carsten Schwarz und fügt frustriert hinzu: "Es scheint niemanden zu interessieren". Für sechs Frauen, die hier für drei Monate einen so genannten Ein-Euro-Job bekommen hatten, wäre der 30. November ohnehin der vorerst letzte Arbeitstag gewesen. Doch für ihre Nachfolgerinnen wollten sie alles bestmöglich vorbereiten. "Die Sachen werden schließlich dringend benötigt. Als Hart-IV-Empfänger wissen wir genau, dass viele auf die Kleiderkammer angewiesen sind", meint Projektleiterin Melanie Thies. Mehrfach im Monat hatten sie bislang Kleiderspenden im früheren Landkreis Parchim eingesammelt, sie in der ABS-Textilwerkstatt gereinigt, repariert und nach Größen sortiert und sie dann "Novi-Life", dem ersten Sozialkaufhaus der Region, zur Verfügung gestellt.

Ob Bedürftige die Winterkleidung bekommen, ist unklar

Die Arge hatte vor knapp zwei Jahren die Zusammenarbeit zwischen dem Sozialkaufhausbetreiber FAW Akademie Lübeck und der Beschäftigungsgesellschaft ABS-Parchim favorisiert. Nachdem sich die FAW aufgrund der Zuwendungs-Kürzungen durch das Jobcenter überraschend entschlossen hat, das "Novi-Life" in der Brunnenstraße zum 30. November endgültig zu schließen (wir berichteten), ergibt sich für die Textilwerkstatt der ABS ein Dominoeffekt mit fatalen Folgen.

Noch vor wenigen Tagen wurden neue Kleiderspenden eingesammelt. Die Regale sind prall gefüllt mit Sachen für Jung und Alt. Der FAW ist vertraglich untersagt, damit eins ihrer verbleibenden gemeinnützigen Kaufhäuser wie beispielsweise in Wismar, Grevesmühlen oder Lübeck auszustatten. Dabei ist der hohe Bedarf an Winterbekleidung bei Bedürftigen kein Geheimnis. Zu den Kunden von "Novi-Life" gehörten bislang vor allem die rund 10 000 Frauen und Männer im früheren Landkreis Parchim, die als Hartz-IV-Bezieher vom Jobcenter betreut und damit im Sozialkaufhaus auch einkaufsberechtigt waren.

Die ABS, die seit 15 Jahren ihre Textilwerkstatt mit Teilnehmern von Arbeitsmarktprojekten betreibt, bleibt womöglich nicht nur auf den Sachen, sondern auch auf der komplett ausgestatteten Werkstatt sitzen. "Das ist ein materieller Verlust für die Gesellschaft, denn in die Ausstattung sind schließlich öffentliche Mittel geflossen", gibt Carsten Schwarz zu bedenken. Für die erfolgreiche Arbeit der Textilwerkstatt gab es stets viel Anerkennung.

Nachdem bekannt geworden ist, dass das gemeinnützige Kaufhaus "Novi-Life" nach nur anderthalb Jahren schließt, hat die ABS dem Parchimer Jobcenter vorgeschlagen, die Textilwerkstatt und angrenzende Räumlichkeiten in der Meyenburger Straße als neues Sozialkaufhaus zu nutzen. "Der Aufwand wäre vergleichsweise gering gewesen", ist sich Carsten Schwarz sicher. Doch die Idee stieß auf taube Ohren. Umso größer ist seine Enttäuschung, dass bislang niemand das Gespräch gesucht hat, wie es mit der Textilwerkstatt weiter gehen könnte.

"Der Job hat Spaß gemacht. Die Arbeit macht Sinn und vor allem andere glücklich", blickt Melanie Thies zurück. Sie füllt eine neue Waschtrommel und ist sich mit ihren Frauen einig: "Es ist einfach nur traurig".

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