Kulturhaus Mestlin : "Diese Ausstellung ist ein Glücksfall"

<strong>Die Werke </strong>sind bis 26. August zu sehen.
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Die Werke sind bis 26. August zu sehen.

"Der Name Armin Mueller-Stahl soll dieses Haus nicht weihen", setzte Dr. Raimund Hoffmann bei der Vernissage zur Ausstellung "Gedruckte Bilder" der Begeisterung Grenzen. Denn Mestlin liegt tief in der Provinz.

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02. Juli 2012, 08:41 Uhr

Mestlin | "Der Name Armin Mueller-Stahl soll dieses Haus nicht weihen", setzte Dr. Raimund Hoffmann als Kurator bei der Vernissage zur Ausstellung "Gedruckte Bilder" im Mestliner Kulturhaus der Begeisterung Grenzen. "Mestlin liegt tief in der mecklenburgischen Provinz - aber im Kontrast liegt auch ein großer Reiz." Um den Rang dieses Baus aufzuwerten, seien große Namen gefragt. Zwar sei das Know-how vor Ort noch nicht ausgereift, "aber was man hier hat, ist nicht gerade wenig". Das Kulturhaus sei es durchaus wert, als Anziehungspunkt in der Kulturlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns wahrgenommen zu werden. "Diese Ausstellung ist ein Glücksfall."

"Gedruckte Bilder" zeigt in sechs Sälen des Kulturhauses etwa 80 Prozent der Werke, wie sie Armin Mueller-Stahl in diesem Jahr bereits im Berliner Autoforum ausgestellt hatte (wir berichteten). Im Mittelpunkt stehen seine drei Mappenwerke, die als hochwertige Ciclée-Drucke auf Büttenpapier schwarz-weiße Lithographien zeigen. Der Zyklus "Hamlet in Amerika" (2002) erzählt dabei in 13 Blättern von Menschen, die als Schauspieler in einem Altersheim leben. Die Grafiken mischen Realität mit Fiktion und bilden ein faszinierendes Szenario von Intrigen, Sex und Crime. In seinen 20 Blättern zu Goethes "Urfaust" (2003) setzt Stahl eigenständige Deutungen der dichterischen Vorlage gestalterisch um. In den 21 Blättern der Mappe "Night on Earth - Day on Earth" (2004) zollt Stahl dem Filmautor Jim Jarmusch Tribut, unter dessen Regie er 1991 einen aus der DDR emigrierten Gaukler spielt, der in den USA sein Geld als Taxifahrer verdient.

Die Werke Stahls zeugen von einem locker-leichten Strich seines Erschaffers, präsentieren sich aber nicht minder virtuos. "Der Schauspieler Armin Mueller-Stahl ist schon seit über 50 Jahren auch bildender Künstler", weiß Dr. Hoffmann. Die Werke seien eng mit dem Leben verbinden, konkret und nicht abstrakt - eben nah am Menschen. "Stahl lebt mit einer imponierenden Leichtigkeit des Seins angeborene Naturtalente aus."

Die erste Ausstellung sei 1999 in Potsdam gezeigt worden. "Von da an ging es weltweit bergauf." Die Hinwendung zur Lithographie habe das Schaffen Stahls ungemein bereichert. Zu den Mappenwerken gesellten sich etwa 50 Einzelblattmotive, die ebenso in Mestlin zu sehen sind wie Farb-Lithographien, mit denen sich Stahl ab 2006 zudem vermehrt befasste. Bekannt wurden seitdem vor allem seine Lithographien, die er über Drehbuchtexte von "Utz" (2007) oder "Die Buddenbrooks" (2008) legte. Diese Technik wird als Befreiungsakt gedeutet, mit dem sich Stahl nach getaner Arbeit von seinen Rollen als Schauspieler zu lösen versuchte. Stahl habe aber nicht nur zu seiner Therapie oder aus Lebenskrisen heraus gezeichnet. "Er hat sein künstlerisches Schaffen vor allem als Quelle zur Lebensfreude empfunden."

Dass Armin Mueller-Stahls "Gedruckte Bilder" in Mestlin hängen, "war eigentlich nicht geplant", räumte Peter Enterlein als 2. Vorsitzender des Vereins ein. "Wir planten ein längerfristiges Konzept und sind von einer ganzen Reihe glücklicher Aneinandereihungen überrascht worden." Enterlein erinnerte daran, als der Verein im Sommer 2008 seine erste Ausstellung veranstaltete. Das Foyer des Kulturhauses sei gerade von seinen Einbauten befreit gewesen und habe sich frisch geweißt präsentiert, der kleine Saal in einem gewöhnungsbedürftigen Blau. "Heute sind wir ein großes Stück weiter." Der aktuelle Förderbescheid des Denkmalschutzes habe den Verein in die Lage gebracht, "das Haus künftig in den Zustand zu versetzen, den es braucht". Inzwischen hat sich ein "Freundeskreis Kulturhaus Mestlin" formiert, der von Berlin aus seine Fäden zieht. "Gedruckte Bilder" von Armin Mueller-Stahl ist bis zum 26. August mittwochs bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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