Landwirtschaft : Die Zuckerrübe macht sich rar

Die Zuckerrüben werden vom Feld bei Dargelütz geerntet.
Die Zuckerrüben werden vom Feld bei Dargelütz geerntet.

Süße Ernte in der Agrargenossenschaft Grebbin könnte bald die Letzte sein. 2017 fällt die EU-Marktordnung, die Mindestpreise und Abgabemengen garantiert. Dann geben vermutlich viele Betriebe die Hackfrucht auf.

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10. November 2015, 12:00 Uhr

Lübz/Dargelütz Rübenhacken auf dem Acker. Damit verbinden sich viele Kindheitserinnerungen. Das Bild gehört der Vergangenheit an. Modernste Maschinen und Chemie machen das Hacken per Hand überflüssig. Doch jetzt dürfte selbst die Zuckerrübe in unserer Region rar werden.

Beispiel Agrargenossenschaft Grebbin: Ein großer Roder, der in rasantem Tempo neun Reihen am Stück die zuckrige Ernte aus dem Boden holt, dreht bei Dargelütz seine Runden. „Das macht ein Lohnunternehmer“, sagt Landwirt Reiner Stecker.

Auf 35 Hektar hat die Agrargenossenschaft Grebbin die Zuckerrüben angebaut. Stecker rechnet mit einer guten Ernte: 65 bis 70 Tonnen pro Hektar mit 17 Prozent Zuckergehalt. Der Zuckerrübenanbau – wenn auch auf kleiner Fläche – hat sich in den vergangenen Jahren gelohnt. Man konnte etwa das Anderthalbfache damit verdienen wie mit dem Getreide, sagt Stecker. Doch wahrscheinlich ist die diesjährige die vorletzte Zuckerrübenernte, erklärt der Landwirt.

Der Grund: 2017 fällt in der Europäischen Union die Marktordnung weg, die Mindestpreise  und Abgabenmengen garantiert.  Der hiesige Zucker-Markt ist noch abgeschottet. Dabei liegen die Preise auf dem Weltmarkt   klar unter denen in Europa. Und sie sind in den letzten Jahren stark gefallen. Wenn die Marktordnung  fällt, werde das   Konsequenzen haben, befürchtet Frank Schiffner vom Landesbauernverband.

Die Basis für den Rübenanbau vieler Betriebe in der Region war die Zuckerfabrik in Güstrow. Seitdem der Eigentümer Nordzucker den Standort  2008 geschlossen hatte, haben viele Landwirte   den Anbau der Hackfrucht aufgegeben. Die  Ernte derjenigen, die übrig blieben, wird jetzt zum Nordzucker-Werk nach Uelzen  in Niedersachsen gefahren. Über 100 Kilometer lang ist der Transport.

 Bisher übernimmt   Nordzucker die Kosten. Künftig, so ist im Gespräch, sollen die Landwirte wahrscheinlich die Hälfte tragen. Dazu kommt, so Stecker, müsste sein Betrieb Aktien für eine Viertel Million Euro erwerben, um die gleiche Menge wie bisher  liefern zu dürfen. Und  da schließlich   die Mindestabnahmepreise   nicht mehr gelten, rechnet es sich nicht.

Heute werden Zuckerrüben noch auf 24 000 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern angebaut. Das sind rund zwei Prozent der Ackerfläche im Land, sagt Frank Schiffner. In Vorpommern, rund um die einzig verbliebene Zuckerfabrik des Landes in Anklam, die von dem niederländischen Unternehmen Suiker Unie betrieben wird, wachsen die Rüben auf rund 20 000 Hektar.  Dort gab es dieses Jahr eine sehr gute  Ernte  und der Anbau habe auch eine Perspektive, schätzt Schiffner ein.

Fragezeichen stehen hingegen hinter dem Rübenanbau rund um die ehemalige Zuckerfabrik Güstrow. Hier sind nur   weniger Anbauer übrig geblieben und die Fläche ist auf 4000 bis 5000 Hektar geschrumpft. Diejenigen Landwirte, die Aktienanteile bei Nordzucker besitzen, haben vermutlich noch gute Karten. Doch der Großteil besitze keine Aktien, sagt Schiffner.

 Wie Reiner Stecker weiß, hat der Landesbauernverband  lange darum gekämpft, dass statt der Aktien weiter die  Lieferrechte gelten, die die Betriebe nach der Wende erhalten hatten.

Reiner Stecker sieht das  Aus für die Zuckerrüben  mit Bedauern. „Es  ist die einzige Hackfrucht, die wir noch haben.“ Wenn die Zuckerrüben nicht mehr angebaut werden, sei das negativ für die Fruchtfolge.

Die geernteten Rüben warten jetzt am Feldrand auf ihren Abtransport nach Uelzen. Und die Felder wurden unmittelbar nach dem Roden neu bestellt mit Winterweizen.

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