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Garwitz : Die Zeit läuft ab für den Dorfladen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Am Sonntag öffnet Tobias Warncke zum letzten Mal seinen Tante-Emma-Laden in Garwitz. Das Geschäft lohnt sich nicht mehr.

von
erstellt am 28.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Abschied vom Tante-Emma-Laden in Garwitz: Am Sonntag öffnet Tobias Warncke zum letzten Mal das kleine Geschäft neben der Gaststätte. Es lohnt sich einfach nicht mehr...

„Schade“, sagt Heinz Lembcke. Der 86-Jährige wohnt gleich nebenan und holt sich am Freitagmorgen Brot aus „Tobi’s Einkauf“. Jeden Tag von Montag bis Sonntag jeweils von 7 bis 10 Uhr ist der kleine Laden offen.

Frische Brötchen, Eier und „was man so vergessen hat“, das hat auch Anja Blank hier bisher gekauft. Zumindest die frischen Backwaren am Wochenende. Künftig gibt es wahrscheinlich Tiefkühl-Brötchen, sagt die junge Frau.

Siegfried Stövhase (84) kommt am Freitag mit einer Einkaufsliste. Er wohne in der Nachbarschaft, seine Frau koche noch selbst. Da gefalle es ihm gut, dass er hier einkaufen kann.

„Er sollte bleiben“, wünscht sich Stammkundin Lisa Bückers (89) von ihrem kleinen Laden. Aber sie zeigt auch Verständnis: „Es kommt nicht genug rein.“

In dieser Woche hatte Tobias Warncke die Garwitzer mit Flyern informiert, dass er am Sonntag schließt. An manchen Tagen kam in den ersten anderthalb Stunden nach Ladenöffnung gerade ein Kunde, erzählt er. An diesem Freitagmorgen geben sich die Käufer indes die Klinke in die Hand.

Nur Kleinigkeiten kaufe er in dem Laden, erzählt ein Garwitzer. Es sei zu teuer. Tobias Warncke kann verstehen, dass seine Kundschaft aufs Geld schauen muss. Mit den Real- und Nettopreisen könne er natürlich nicht konkurrieren. Andererseits spare man ja auch, wenn man nicht wegen jeder Kleinigkeit nach Parchim fahren muss - so bei den Benzinkosten und beim Verschleiß am Auto. Doch damit rechnen die meisten nicht.

Im Februar 2003 hatte Tobias Warncke, der auch als Wirt in Garwitz bekannt ist, seinen Laden eröffnet. Zuvor gab es schon ein Geschäft im Ort. Die Inhaberin musste aber ihre Räume verlassen, weil die Eigentümer der Immobilie sie anderweitig nutzten. In Zusammenarbeit mit der damaligen Geschäftsinhaberin entstand der neue Laden. Die Versorgung mit Lebensmitteln ging also fast ohne Unterbrechung weiter. Das Geschäft lief gut. Gerade viele ältere Garwitzer kamen regelmäßig zum Einkaufen. Viele hatten keine Fahrerlaubnis, konnten gar nicht in die Stadt fahren und wollten auch ihre Kinder und Enkel nicht übermäßig beanspruchen, erzählt Tobias Warncke. Doch diese Kundschaft sei mit den Jahren einfach weggestorben.

Die nachkommenden Rentner sind anders, sie haben meist die Fahrerlaubnis. Heute fahren auch die über 80-Jährigen zum Einkaufen nach Parchim. Zudem sind junge Leute in den Ort gezogen, die auswärts arbeiten und verständlicherweise gleich ihren Einkauf mitbringen.

„Ich habe gern hier gearbeitet“, sagt Helga Eggert (66). Die gelernte Verkäuferin hat drei Jahre in „Tobi’s Einkauf“ mit an der Kasse gestanden. Dass der Laden jetzt schließt, tut ihr „ganz doll weh“, sagt sie. Tobias Warncke hat der emsigen Rentnerin bereits angeboten, dass sie in der Küche der Gaststätte nebenan gebraucht wird.

In der Gaststätte bleibt zumindest ein kleiner Teil vom Service des Tante Emma-Ladens. Hier gibt es die Gelben Säcke, Gasflaschen und auch Garwitzer Honig. Und dies bleibt ein Ort, den Wirt Tobias Warncke, der sich in der Kommunalpolitik engagiert, nutzt, um mit seinen Mitbürgern über ihre Sorgen zu sprechen. Auch dafür war der Dorfladen ein wichtiger Treffpunkt.

 

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