Elde-Wasser-Straße : Die Wasserkraft bleibt ungenutzt

Nachdem es bis zum Neubau des Wehres in Malchow hier bereits eine Turbine gab, lässt ein Nachfolger auf sich warten. Fotos: Pätzold
Nachdem es bis zum Neubau des Wehres in Malchow hier bereits eine Turbine gab, lässt ein Nachfolger auf sich warten. Fotos: Pätzold

Rund 150 potenzielle Standorte für Wasserkraftturbinen in Westmecklenburg. Investor beklagt Verzögerungen durch Bürokratiestau

von
23. Mai 2017, 15:11 Uhr

Dass fließendes Wasser enorme Kräfte entfalten kann, weiß Eckehard Hoffmann, der bis zum Ruhestand 48 Jahre beim Wasser- und Schifffahrtsamt tätig war, sehr gut. Schon während der aktiven Berufszeit hat er davon geträumt, dieses Energie, die vor allem in Bereichen der Wehre auch sichtbar wird, sinnvoll zu nutzen. Schon im Jahr 2009 hatte der Parchimer als potenzieller Privatinvestor zusammen mit einem Bekannten Pläne für Wasserkraftturbinen an den Wehren in Parchim und Neuburg geschmiedet. Bei einem durchschnittlichen Wasserfall von drei Metern Höhe könnten nach Expertenmeinung etwa 100 Kilowatt pro Stunde mit einer Turbine erzeugt werden. Doch mit der Idee ist es keinesfalls getan. „Die Wasserstraße ist Eigentum des Bundes und damit die zuständigen Wasser- und Schifffahrtsämter auch erster Ansprechpartner“, war den Investoren durchaus bewusst. Der Schriftverkehr mit den Behörden füllt längst mehrere Aktenordner. Eine Zustimmung wurde schon deshalb verwehrt, weil eine geplante Erneuerung der Wehre sich hinzog und bis heute nicht verwirklicht wurde.

Auf der Suche nach einem alternativen Standort stießen Eckhard Hoffmann und sein Partner aus Bielefeld auf das Malchower Wehr unterhalb Parchims. Im Wehrarm der alten Elde hatte die Parchimer Arbeitsbeschaffungsgesellschaft ABS 1997 zwei Rohrhebeturbinen installiert, die die Elektrozähler auf Tour brachten. Nach zehn Jahren waren bereits rund zwei Millionen Kilowatt Elektroenergie (deckte Jahresverbrauch von etwa 70 Haushalten) produziert worden. Als hier 2008 mit dem Neubau eines Wehres begonnen wurde, war damit Schluss. Die Hoffnung, dass nach Fertigstellung ein noch leistungsfähigeres Wasserkraftwerk an gleicher Stelle eingebaut werden kann, erfüllte sich nicht. „Wir halten an unserem Vorhaben fest“, gibt sich Eckhard Hoffmann entschlossen. Und dabei ist beiden Investoren durchaus klar, dass sich die Umweltauflagen inzwischen erhöht haben. Eine Fischtreppe ist zwingend erforderlich und treibt die Kosten enorm in die Höhe. Das zuständige Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg stellt klar: „Alle Gewässer sind Bestandteil des Naturhaushaltes und als Lebensgrundlage für Mensch, Tier und Pflanzen sowie als nutzbares Gut zu schützen“. Die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien, zu der auch die ökologische Durchgängigkeit als wesentlicher Bestandteil gehört, muss bis spätestens 2027 auch in Deutschland umgesetzt sein. Die eingereichte Erlaubnis zur Errichtung einer neuen Wasserkraftanlage samt Aufstiegstreppe liegt im Amt auf Eis. „Die Fischaufstiegsanlage entspricht nicht dem   aktuellen Stand der Technik und ist damit nicht genehmigungsfähig“, heißt es dort. Die Investoren müssen auf jeden Fall nachbessern.

Rund 150 potenzielle Standorte für Wasserkraftturbinen wurden in Westmecklenburg ermittelt. Nur rund 20 kleinere Anlagen produzieren  aber wirklich Strom.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen