Parchim : Die trommelnden Samurais

Mit traditionellen Instrumenten wie den Taikos oder dem Shamisen bringt das Ensemble Kokubu die Seele Japans zum Klingen.
Mit traditionellen Instrumenten wie den Taikos oder dem Shamisen bringt das Ensemble Kokubu die Seele Japans zum Klingen.

Das japanische Ensemble Kokubu begeistert die Zuschauer in der Parchimer Stadthalle

von
01. März 2020, 19:00 Uhr

Gedämmtes Licht. Die Scheinwerfer beleuchten drei imposante Trommeln. Davor stehen breitbeinig drei athletische Männer, gekleidet in schwarze Kimonos, mit dem Rücken zum Publikum. Stille. „Werden Sie nun Zeuge, wie Meister des Taiko-Spiels mit ihren handgefertigten Schlägeln drei traditionelle O-daiko erklingen lassen“, ertönt eine Stimme aus den Lautsprechern. Und dann legen sie los, die ersten, gewaltigen Trommelschläge erklingen. Dabei schlagen die Männer mit einer Schnelligkeit auf die Trommeln ein, sodass das Auge die präzisen Bewegungen kaum erkennen kann. Die Männer trommeln, schreien, tanzen. Und das ist auch die Bedeutung von „Kokubu“, der Taiko-Formation aus Osaka in Japan.

Das 18-köpfige Ensemble gastiert derzeit in Deutschland und legte erstmals einen Stopp in der Parchimer Stadthalle ein. Hier präsentierten sie am Sonnabend ihre Show „Into The Light“. „Wir stehen auf einer leuchtenden Bühne“, erklärt Chiaki Toyama, der musikalische Leiter und Gründer von Kokubu. Er lächelt. „Wir wollen die Zuschauer ins Licht bringen.“ Die Taiko-Trommelkunst repräsentiere die Seele und Traditionen Japans. Dabei kommen 25 Trommeln zum Einsatz. Dazu gehören neben den großen O-daiko mit einem Durchmesser von eineinhalb Metern auch die Chuu-daiko, Okedo-daiko und Shime-daiko. Die Trommler selbst wirken wie Samurais, die anstelle von Säbeln Bambusschlägel in den Händen halten. Dabei rufen sie sich gegenseitig „Washoie“ zu, ein japanischer Anfeuerungsruf. Den Kontrast zu den Taikos bilden zarte Flöten- und Lautenklänge. So spielt Chiaki Toyama auf einer Shakuhachi genannten Bambusflöte, während ihn Masamitsu Takasaki mit seinem Shamisen begleitet – einer japanische Laute mit drei Saiten, die einst von den Geishas bei Teezeremonien vorgeführt wurde.

Vor jedem Bühnenbildwechsel gibt es eine kurze Erklärung zur Bedeutung der Instrumente und den Darbietungen. Japanische Weisheiten dürfen da natürlich nicht fehlen. Etwa Mitsuya, die Weisheit der drei Pfeile. „Verschießt du einen Pfeil, so kann er brechen. Bündelst du aber drei Pfeile zusammen, so werden sie halten – und alles durchschlagen.“ So auch die drei O-daiko. Sie durchschlagen das Publikum, welches gar nicht aus dem Staunen herauskommt. Jubel, tosender Applaus, stehende Ovationen. Der Parchimer Wolfgang Neumann kann seine Begeisterung später kaum in Worte fassen: „Ich bin mit keinerlei Erwartungen hierher gekommen“, sagt er. „Aber die Stimmung ist einfach großartig. Das ist wirklich vom Allerfeinsten.“ Die gewaltigen Trommelklänge und die spektakuläre Lichtershow luden das Publikum für einen Abend nach Japan ein. Kokubu, Washoie.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen