Mitgefahren : Die Südbahn gibt es auch als Bus

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Die neu installierte Buslinie 77 verbindet Parchim mit Plau und ergänzt den Fahrplan zwischen Lübz und Parchim

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01. März 2015, 16:27 Uhr

Parchim Nach Parchim und von dort zurück nach Plau mit der Linie 77 – es ist eine Fahrt mit keiner geringeren Buslinie als der, die die Südbahnteilstrecke Parchim – Malchow ersetzen soll. 

Los geht es auf dem zentralen Omnibusbahnhof in Lübz. Pünktlich schwingt Busfahrer Dirk Peters das schwere Gefährt auf das Gelände des Zentralen Omnibusbahnhofs und an den vorgesehenen Bussteg. Die Siebenundsiebzig hat ihren Landeplatz ganz vorne, am Anfang des Stegs nahe der Bundesstraße. Ein Premiumplatz für das Transportmittel einer vom Land favorisierten Verkehrsplanung.

Am Lübzer Haltepunkt warten schon ein paar Schüler des nahen Gymnasiums. Sie schwärmen von der neuen Buslinie,  die sie deutlich früher Richtung Parchim nach Hause bringt als der Bus, den sie davor nehmen mussten. Mit dem Zug sind sie ohnehin nie gefahren. Eine Ausnahme ist Nico Hackbarth aus Parchim. Der sechzehnjährige Gymnasiast erzählt, dass er auch gelegentlich mit der Südbahn fuhr, aber circa eine Stunde Wartezeit in Kauf nehmen musste. Mit der Siebenundsiebzig hingegen spart er zwanzig bis dreißig Minuten Wartezeit. „Ich habe mich mit dem Bus angefreundet“, sagt er.

Nur vier Personen saßen zwischen Lübz und Parchim im Bus. Jetzt, am Bahnhof in Parchim, wandelt sich das Bild: Hier richten sich 16 Fahrgäste Richtung Plau ein, wie es scheint, schon ganz routiniert. „Erstaunlich viele sind es heute“, bemerkt die Kindergärtnerin Jenny Krachenfels, die bis Broock mitfahren wird.  Auf den Rücksitzen drängen sich Schüler und Schülerinnen des Berufsschulzentrums Ludwigslust-Parchim. Gut gelaunt genießen sie das Ende des Schultags. Die angehenden Köche und Köchinnen,  die nun mit Ziel Lübz oder Plau der Heimat entgegenschaukeln, sind begeistert, dass sie seit Januar statt mit der Linie 712 mit dem neu installierten Bus fahren können. „Statt um 18 Uhr sind wir nun um 16 Uhr zu Hause.“ Mit der Bahn sind sie sowieso nie gefahren.

„Am Parchimer Bahnhof vergleiche ich manchmal die Fahrgastzahlen“, berichtet  Dirk Peters. „Sie sind etwa gleich zwischen Bus und Bahn verteilt.“ Die Ersatzbahn der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft nach Malchow wird also von Fahrgästen genutzt, die nach wie vor Orte wie Passow, Kuppentin, Gallin – und natürlich Malchow anstreben. Die Busfahrt begünstigt nun  die Dörfer entlang der Bundesstraße 191, also Broock etwa, Barkow, Klebe. Und natürlich liegt Plau am Wege. Auf dieser Fahrt steigt in den kleineren Dörfern allerdings niemand zu, aber ein- bis dreimal am Tag sei das schon der Fall, sagt Dirk Peters, der als neu eingestellter Fahrer der VLP seit Januar seine Erfahrungen gemacht hat.

Die kreiseigene Busgesellschaft verspricht, die mit der Bahn verknüpften Fahrgastwünsche so gut wie möglich zu erfüllen. Die Siebenundsiebzig ist barrierefrei, da sie über eine nach außen klappbare Rampe verfügt. Und im freien Raum in der Mitte des Busses befinden sich drei Schlaufen, um Fahrräder zu befestigen. Drei? Es werde  schon darüber beraten, wie die Busgesellschaft mit dem zu erwartenden Ansturm der Fahrradtouristen im Sommer verfahren könne, meint Dirk Peters. Da böte sich zum Beispiel ein Anhänger an. 

Kindergärtnerin Jenny Krachenfels aus Gallin ist Mitbegründerin der Bürgerinitiative zum Erhalt der Südbahn, mittlerweile hat sie sich allerdings aus der aktiven Mitarbeit zurückgezogen. Zur Arbeit fährt sie mit dem Auto nach Broock und dann mit der Siebenundsiebzig. Sie müsse sich an den Bus noch gewöhnen, sagt sie, aber der reduzierte Turnus der Bahn „Hans“ passt leider zu ihren Arbeitszeiten nicht. Ihr größtes Problem mit der aktuellen Situation: Die Landkreise werden zunehmend von der großräumigen Verbindung Berlin – Stralsund abgeschnitten. Und das häufige Umsteigen behindere sowohl Ältere als auch Touristen mit schwerem Gepäck.

 „Wie kann man überhaupt eine Eisenbahnlinie schließen? In Schleswig Holstein werden stillgelegte Bahnlinien gerade wieder reaktiviert.“ Martin Wolschewski aus Parchim ist verärgert. Er gibt zu bedenken,  wie schädlich die Schließung der Bahn für den Tourismus sei. Keine straßenunabhängige Fahrt mehr durch die Landschaft, keine Toilette und die Fahrräder… Im Sommer reichte bisweilen nicht einmal der Raum im Zug für die Beförderung der vielen Räder. „Allerdings“, betont er, „sei es höchste Zeit gewesen, dass Plau eine anständige Verbindung erhalten habe.“

Auf die wiederholte Frage an die Fahrgäste, wer von weiter her als Plau komme oder weiter als Plau fahren wolle, meldete sich keiner. Und schaut man auf den Fahrplan, so lässt sich erkennen, dass Fahrgäste, die nach Alt-Schwerin, Karow oder Malchow weiter wollen, mit der Siebenundsiebzig schwerlich auf ihre Kosten kommen. Jeweils einmal nur, und zwar am frühen Vormittag, bedient der Bus die komplette Strecke Parchim-Malchow und umgekehrt durchgehend. Fünfmal erfordert die Linie eine Unterbrechung in Plau, wo die Fahrt von der PVM (Personenverkehr GmbH Müritz) übernommen wird. Die Zwangspause auf der Strecke beträgt dreißig beziehungsweise stolze einundvierzig Minuten, je nach Richtung. „Im Winter“, sagt der freundliche Fahrer Dirk Peters, „würden die Kollegen den Bus aber sicher vor Abfahrt zum vorzeitigen Einsteigen öffnen.“

Das Fazit dieser kurzen Reise aber liegt längst auf der Hand: Die Siebenundsiebzig ist eine komfortable Ergänzung des bestehenden Busfahrplans und darüber hinaus eine notwendige – zumindest für Plau am See.                                   

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