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Ludwigslust-Parchim : Die Gelbe Tonne pirscht sich an

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

SPD-Vorschlag zur Einführung findet Mehrheit im Abfall-Betriebsausschuss, Start könnte 2019 ohne Extrakosten für Bürger sein

von
erstellt am 31.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Keiner mag sie, aber sie sind offenbar nicht so schnell zu vertreiben: Die SPD im Landkreis hat die Gelben Säcke ins Visier genommen und für einen Vorstoß zur kreisweiten Einführung der Gelben Tonne die Mehrheit im Betriebsausschuss für Abfallwirtschaft bekommen.

Fraktionsvorsitzende Dr. Margret Seemann über ihren Erfolg: „Die Einführung der Gelben Tonne wäre ein kostenneutraler Kompromiss. Statt einer Entsorgung von entsprechend gekennzeichneten Gegenständen über den Gelben Sack würde dann ersatzweise die Entsorgung über eine Gelbe Tonne erfolgen.“ Die Gelben Säcke für Leichtverpackungen sind schon lange ein Ärgernis. Bei Wind fliegen sie durch die Straßen. Tiere beißen sie auf, weil die entsorgte Raviolidose leichte Futterbeute verheißt. Weniger harmlos: An Häusern abgestellte Säcke verlocken Brandstifter zum Zündeln – mit zuletzt verheerenden Folgen in Plau am See.

Deshalb kommt schon das Abfallwirtschaftskonzept 2015 des Landkreises Ludwigslust-Parchim zum naheliegenden Schluss: „Um den vorstehend genannten Problemen weitgehend zu begegnen, sollte die Sammlung der Leichtverpackung künftig über feste Sammelbehälter erfolgen.“ Ganz so einfach ist es allerdings nicht, weil der Landkreis nur einer der Beteiligten ist. Laut Verpackungsverordnung sind Hersteller und Vertreiber von Verkaufsverpackungen verpflichtet, diese selbst zurückzunehmen und einer Verwertung zuzuführen oder die Rücknahme durch Systembetreiber (sogenannte Duale Systeme) sicherzustellen. Der Landkreis stimmt die grundlegenden Regelungen mit den Systembetreibern ab.

Außerdem gibt es einen Unterschied zur so genannten Wertstofftonne, die seit 2012 in Hagenow und Hagenow-Heide erprobt wird. Sie schluckt auch so genannte Nichtverpackungen, also eine ausrangierte Suppenschüssel aus Plastik. Die Gelbe Tonne bleibt hingegen nur Leichtverpackungen vorbehalten.

Warum also nicht gleich die Wertstofftonne? Das hat offenbar mit dem Ergebnis einer Umfrage in Hagenow zu tun. Die große Mehrheit findet die Wertstofftonne gut. Auf die Killerfrage, ob sie denn bereit wären, dafür 10 Euro pro Jahr zu bezahlen, winkt allerdings die Mehrheit ab. Um dennoch den Betroffenen die Nutzung einer Tonne statt des Gelben Sackes zu ermöglichen, hat die SPD-Fraktion den Kompromiss vorgeschlagen, den Gelben Sack nicht durch eine Wertstofftonne, sondern nur durch eine Gelbe Tonne zu ersetzen. Margret Seemann: „Der Wermutstropfen ist, dass die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin darauf achten müssen, nur die entsprechend gekennzeichneten Gegenstände dort hineinzulegen, da ansonsten keine Entsorgung erfolgen kann.“

Skepsis kommt von der CDU. Kreistags-Fraktionschef Wolfgang Waldmüller: „. Ich habe das Gefühl, man will hier mit Gewalt die jahrelang erwartete Pflichteinführung einer Wertstofftonne nun nicht ins Leere laufen lassen.“ Laura Schulz (CDU), die auch Mitglied im Betriebsausschuss sei, habe bereits in der vorangegangenen Sitzung den Prüfauftrag erteilt, ob und inwieweit die Einführung einer Gelben Tonne in Frage käme. Waldmüller: „Das verkauft jetzt die SPD als ihre Idee.“ Viele Bürger hätten sich mit dem Gelben Sack arrangiert und wollten gar keine weitere Tonne mehr. Oft fehle ihnen auch der nötige Stellplatz.

Flächendeckend könnte die Gelbe Tonne frühestens 2019 kommen. Die aktuellen Verträge mit den Dualen Systemen laufen bis Ende 2018, darauf weist Jochen Schwanke, stellvertretender Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, hin. Das Votum des Ausschusses sei aber hilfreich auf dem Weg zur Gelben Tonne. Die Einführung ist alles andere als ein Kinderspiel. Bis zu 85 000 Behälter müssten aufgestellt werden, bevor die alten Säcke Geschichte wären.

 

Kommentar "Nicht für die Tonne" von Udo Mitzlaff

Sicher, es gibt größere Probleme als alte Säcke und junge Tonnen. Dass es dennoch so lange dauert, die leidigen fliegenden und brennenden Wertstoffsäcke zu verbannen, dafür gibt es verschiedene Gründe. Die Zuständigkeiten und Geldflüsse sind nicht einfach. Es sind die Hersteller, die seit 1991 dafür zahlen müssen, dass ihre Verpackungen entsorgt werden. Dies haben sie an duale Systeme delegiert, die wiederum mit Entsorgungsunternehmen und Kommunen zusammenarbeiten. Der legendäre Grüne Punkt ist auf diesem Gebiet längst nicht mehr Alleinherrscher. Wenn sich also etwas ändern soll, muss mit den Systembetreibern verhandelt werden. Das kostet Zeit. Das Votum eines Kreistags-Ausschusses ist auf jeden Fall hilfreich, zeigt es doch, dass Politik sich auch um die kleinen Dinge kümmern kann, die das Leben einfacher machen. Insofern ist Politik nicht für die Tonne.

 

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