Parchim : Die Fritzi-Köche in ihrem Element

Ramadan (l.) und Lennard bereiten das Fleisch für das Geschnetzelte vor.
Ramadan (l.) und Lennard bereiten das Fleisch für das Geschnetzelte vor.

Schülerfirma an der Fritz-Reuter-Schule bereits in dritter Generation erfolgreich.Sieben Achtklässler erhalten Einblicke in unternehmerische Abläufe.

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21. Dezember 2017, 05:00 Uhr

325 Fünft- bis Zehntklässler der Parchimer Fritz-Reuter-Schule hatten gestern einen mit Weihnachtsprojekten prall gefüllten letzten Unterrichtstag in diesem Kalenderjahr. Damit können nun auch die Fritzi-Köche Lennard Schwank (14), Ramadan-Arben Ajetovic (15), Emely-Pia Breitz-mann (14), Katayon Ahadpuor (15), Philip Barnekow (14), Leon Kempfert sowie Sebastian Stohr (15) Betriebsferien machen. Die Weihnachtspause haben sie sich nach allen Regeln der Kochkunst redlich verdient. Denn die sieben Jungen und Mädchen aus der 8b führen seit dem Sommer 2017 in Eigenregie ein Schülerunternehmen auf dem Mönchhof. Sie setzen damit eine erfolgreiche Firmengeschichte an dieser Schule in dritter Generation fort.

Die Schülerfirma ging hier vor mehr als fünf Jahren im Rahmen des Ganztags- bzw. Wahlpflichtunterrichtes an den Start. Das Unternehmenskonzept: Einmal in der Woche – jeweils dienstags – machen die Fritzi-Köche ihren Mitschülern Appetit auf ein live zubereitetes Mittagsmenü, das sie innerhalb von zwei Unterrichtsstunden aus frischen Zutaten zaubern. Die Anzahl der Portionen richtet sich nach den Vorbestellungen. Darüber hinaus bieten die Fritzi-Köche täglich in der 10.30-Uhr-Hofpause Schokomilch, Joghurt sowie belegte Brötchen an. Diesen Dienst übernehmen nach einem festen Schichtplan jeweils zwei Köche. Und die müssen sich nach der Mathe- oder Physikstunde ganz schön sputen, um pünktlich an der Ausgabe zu stehen, wo sich bereits die ersten Wartenden eingefunden haben. „Hinzu kommen noch Sonderaufträge zu besonderen Anlässen, die stets zur vollsten Zufriedenheit erledigt werden“, lobt Schulsozialarbeiterin Ingrid Weiß. Gesetzt ist zum Beispiel einmal im Jahr zum Vorlesewettbewerb eine große Muffinlieferung in die Schulaula: Die Küchlein stehen als Motivationsspritze sowohl bei den Teilnehmern als auch bei der Jury hoch im Kurs. Vor wenigen Tagen übernahmen die Fritzi-Köche bis hin zum Eindecken des Tisches das Catering für das Dankeschön-Treffen der Schule mit Kooperationspartnern im Bereich Berufsorientierung.

Das Erfolgsrezept des Sieben-Mann-Betriebes besteht vor allem darin, dass jeder Mitarbeiter Verantwortung für klar definierte Bereiche übernimmt und damit ein unverzichtbarer Teil des Getriebes ist: Ramadan und Philip sind die Finanzer und Buchhalter. Bei Katayon läuft alles rund ums Personal zusammen. Den Ein- und Verkauf managt Leon. Öffentlichkeitsarbeit und Werbung sind das Ressort von Emely-Pia. Lennard nimmt als stellvertretender Geschäftsführer Führungsaufgaben wahr. Sebastian Stohr wurde von der Küchenmannschaft demokratisch zum Geschäftsführer bestimmt. Dass ihm seine Mitschüler die Kompetenz für einen solchen Posten bescheinigen, empfindet er als Ehre und Verpflichtung zugleich. Alle Fritzi-Köche kommen übrigens aus einer Klasse und kennen sich deshalb seit langem aus dem Unterrichtsalltag. „Er macht seinen Job wirklich gut“, sagt Ramadan über seinen Chef. Das Betriebsklima schätzen die Mitarbeiter als sehr gut ein. Lehrer finden das serviceorientierte und kundenfreundliche Auftreten des kleinen Teams bemerkenswert.

Doch viel Zeit für ein Pläuschchen am Herd bleibt an diesem Vormittag nicht. In der vor gut vier Jahren im Neubauteil der Schule geschaffenen großzügigen Hauswirtschaftsküche herrscht Hochbetrieb. Geschnetzeltes mit Rahmsoße und Spätzle, ein knackiger bunter Salat sowie Quarkspeise stehen auf dem Menüplan. Die Handgriffe sitzen, die Arbeit geht strukturiert voran. Alle Mitarbeiter der Schülerfirma haben selbstverständlich eine Hygieneschulung absolviert und frischen ihre Kenntnisse regelmäßig auf. Oxana Focht steht den Fritzi-Köchen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Die Lehrerin für Physik und Informatik ist seit diesem Sommer „Unternehmensberaterin“ der Schülerfirma und führt damit die engagierte Arbeit ihrer Vorgängerin Petra Bahl fort. Petra Bahl ermöglichte den ersten beiden Schülerköche-Generationen erste Einblicke in unternehmerische Abläufe: Von der Planung über die Kalkulation bis hin zum verantwortungsvollen Umgang mit den (Lebensmittel)Ressourcen, der beim Einkauf beginnt und die Abfallvermeidung mit einschließt, wird alles in die Hände der Schüler gelegt.

Wegen des praktischen Mehrwertes entschied sich z. B. Ramadan, bei den Fritzi-Köchen mitzumachen. „Das gefällt mir hier richtig gut“, fühlt sich der Achtklässler im Team wohl. Gemeinsames Kochen genießt auch bei ihm zuhause einen hohen Stellenwert, ebenso wie bei Sebastian Stohr, der frühzeitig seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckte und oft zusammen mit seinem Vater brutzelte. In der Schülerfirma ist er, „um fachlich etwas Besonderes zu erlernen.“ Tatsächlich kann sich Sebastian sogar eines Tages einen beruflichen Werdegang in diesem Metier vorstellen. Sein Nahziel ist es vorerst, dass das von ihm geführte Schülerunternehmen weiterhin schwarze Zahlen schreibt. Die Gewinne werden 1:1 investiert, u. a. in gute, langlebige Küchenutensilien, damit die Firma auch für die Zukunft solide aufgestellt ist. Vor der Firmenübergabe an die nächste Schülergeneration dürfte wie bei den Vorgängern zudem eine Bildungsfahrt drin sein.

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