Parchim : Die Briefkastenfalle

Das Schlüsselangeln durch die Briefklappe endete für einen 19-jährigen Parchimer mit einem Albtraum.
Das Schlüsselangeln durch die Briefklappe endete für einen 19-jährigen Parchimer mit einem Albtraum.

Ausgesperrt und barfuß: Parchimer Feuerwehr befreit jungen Mieter mitten in der Nacht aus misslicher Lage

von
30. März 2016, 15:20 Uhr

Wäre er bloß in seiner warmen Wohnung geblieben: Weil ein 19-jähriger Parchimer in der Nacht zu Mittwoch barfuß vor die Haustür tritt, beginnt für den jungen Mann ein stundenlanger Albtraum, der schließlich im Krankenhaus und heute mit bundesweiten Schlagzeilen endet.

Der Parchimer hatte sich ausgesperrt und steckte beim Versuch, durch den Briefkastenschlitz an den Haustürschlüssel zu kommen, vier Stunden fest. Erst ein Passant, Rettungsdienst  und die Feuerwehr erweisen sich in der misslichen Lage als rettende Engel.

Was der 19-Jährige bei vier Grad Celsius kurz nach Mitternacht in der Langen Straße vor seiner Wohnung will, bleibt das große Rätsel. Ein längerer Ausflug soll es keinesfalls werden, denn der junge Mann ist nur leicht bekleidet und barfuß unterwegs, also eher für die Bettruhe gerüstet. Wie auch immer: Kaum ist der Parchimer auf die Lange Straße kurz vor der Schleuse der Müritz-Elde-Wasserstraße getreten, schlägt hinter ihm die Haustür ins Schloss. Der Schlüssel steckt von innen, eine filmreife Situation bahnt sich an. Was tun? Der Mieter versucht mit einer Hand mehrfach durch die Briefkastenklappe innen an den Haustürschlüssel zu kommen. In seiner Verzweiflung übertreibt er es und bleibt mit dem Arm stecken. Nichts geht mehr, weder vor noch zurück. Der 19-Jährige steckt fest.

Unglaublich: Vier volle Stunden passiert nichts, weder Autofahrer noch Passanten, von denen allerdings zu dieser Zeit wenige unterwegs sind, helfen. Erst gegen vier Uhr hört ein Mitarbeiter der Bahn die Rufe des Verzweifelten und reagiert. Er alarmiert geistesgegenwärtig die Rettungskräfte. Zu dieser Zeit bibbert der 19-Jährige bereits unterkühlt. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Parchim schaffen es, ihn ohne Verletzungen aus der Briefkastenklemme zu befreien. Die Besatzung eines Rettungstransportwagens hat den Parchimer mittlerweile in wärmende Decken gehüllt und nimmt den Unterkühlten anschließend zur Beobachtung mit ins Krankenhaus, das er nach unseren Informationen wieder verlassen hat. Auch wenn die Parchimer Feuerwehr eine solch kuriose Notlage noch nicht erlebt hat, sind Hilfeleistungen wie das Öffnen von Haustüren nicht selten. Insgesamt 18-mal rückten die freiwilligen Helfer im vergangenen Jahr deswegen aus. So manches Mal hätte ein Schlüsseldienst gereicht, kritisiert Wehrführer Bernd Schröder. Gestern allerdings hat ihr Einsatz einen jungen Mann vor schlimmeren Verletzungen bewahrt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen