Dienstag wieder Protest : „Die Bahn muss bleiben, wie sie ist!“

Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein (2. v. r., hier bei der ersten Demonstration in Schwerin, hinten mit den roten Tafeln Schüler des Eldenburg-Gymnasiums aus ihrer Stadt) ist auch beim heutigen Protest in der Landeshauptstadt wieder dabei.
Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein (2. v. r., hier bei der ersten Demonstration in Schwerin, hinten mit den roten Tafeln Schüler des Eldenburg-Gymnasiums aus ihrer Stadt) ist auch beim heutigen Protest in der Landeshauptstadt wieder dabei.

Heute um 8.43 Uhr ab Lübz Sonderzug zur zweiten Demonstration der Bürgerinitiative vor Landtag / Bürgermeisterin Gudrun Stein wieder dabei

svz.de von
09. Dezember 2013, 16:48 Uhr

Der Protest der Bürgerinitiative „ProSchiene Hagenow – Neustrelitz“ findet seit einiger Zeit auch Unterstützung in der Politik, unter anderem von Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein. Auch ihre Stadt wäre von der durch das Schweriner Infrastrukturministerium geplanten Unterbrechung der Strecke zwischen Parchim und Malchow ab Januar 2015 betroffen.

„In unserer Region leben immer mehr ältere Menschen. Schon aus diesem Grund bin ich davon überzeugt, dass die Bedeutung der Bahn weiter steigt“, sagt sie. „Die Proteste sind richtig, werden von allen Generationen unterstützt und ich nehme heute auch an der zweiten Demonstration in Schwerin teil. Die Ablehnung wiegt umso schwerer, weil sie über alle Parteigrenzen hinweg sichtbar wird.“ Heute Morgen um 8.43 Uhr (ab Lübz) fährt ein angehängter Sonderzug die Demonstranten in die Landeshauptstadt.

Senioren seien die ersten gewesen, die sich mit der Bitte an die Stadtvertretung wandten, den Protest zu unterstützen. Ein wichtiges Argument für den Erhalt der Bahn sieht Gudrun Stein ebenso bei vielen jungen Leuten aus dem gesamten Raum Lübz, die die Berufsschule in Parchim besuchen und den Zug als ideales Verkehrsmittel nutzten. „Aber egal, ob sie, ältere Menschen, die kein Auto mehr fahren beziehungsweise gar keinen Führerschein haben – früher besaß oft nur der Mann einen – oder Mütter mit Kinderwagen, um problemlos etwa zum Arzt zu kommen, und Touristen mit Fahrrädern: Die Bahn muss bleiben!“, so die Bürgermeisterin. Mit Sicherheit müsse zum Beispiel auch an dem einen oder anderen Bahnhof noch etwas getan werden, doch im Verhältnis zum Nutzen sei der notwendige Aufwand absolut zu rechtfertigen. Niemand könne darüber hinaus die mangelhafte Abstimmung der Verkehrssysteme untereinander verstehen. Beispielsweise fahren mehrere Busse parallel zur Bahn, wo es mit Sicherheit Möglichkeiten gebe, dies zu optimieren.

„Was ich mich schon öfter gefragt habe: Hat eigentlich jemand die möglichen Auswirkungen auf den ICE-Haltepunkt Ludwigslust bedacht, wenn die Strecke wie geplant unterbrochen wird? Bei der Landkreisneuordnung wurde er immer wieder als wichtiges Argument genannt“, so Gudrun Stein. „Viele, die zum Beispiel von Lübz nach Hamburg fahren möchten, werden sich weder erst in den Bus setzen und in Parchim in die Regionalbahn umsteigen noch mit dem Auto bis Ludwigslust fahren und es dort stehenlassen, sondern gleich mit dem Auto durchfahren, so irgend möglich. Bei einer Unterbrechung wäre letztlich der Bestand der gesamten Strecke akut gefährdet.“ In diesem Zusammenhang habe die Bürgermeisterin auf der ersten Demo in Schwerin der in einer Rede angeführte Vergleich mit einem Mandarinennetz überzeugt. Dort hieß es, dass sich der eigentlich stabile Körper auflöse und alles herausfalle, wenn man nur einen Faden durchtrennt.

Was die Verwaltungs-Chefin zusätzlich habe misstrauisch werden lassen, ist die Tatsache, dass zunächst die Stilllegung der Strecke Parchim – Waren feststand, dies nach den ersten Protesten jedoch auf Malchow verschoben wurde. „Dies kann nicht nur an dem dort mit relativ viel Fördermitteln geschaffenen neuen Haltepunkt liegen“, meint Gudrun Stein. „Ich gönne Malchow diese Entscheidung. Aber die Begründung, dass die Erhaltung der Bahnstrecke zuviel Geld kostet, stellt diese Änderung mehr als nur in Frage, weil mit Malchow ein Kopfbahnhof geschaffen wurde, von dem aus man nirgends sonst hinfahren kann – wie aus Lübz.“

Die Bürgermeisterin habe nicht nur ihre Stadt im Blick, sondern denke auch an andere negative Auswirkungen, die eine Teilstilllegung zur Folge hätte, wie etwa für das von vielen Schulklassen und auch Touristen besuchte „Agroneum“ in Alt Schwerin, das dann abgeschnitten wäre. Unabhängig von dieser einen ebenfalls mit viel Aufwand geschaffenen Einrichtung sie die Mobilität in der Region mit Bussen nicht so leicht abzusichern, wie es auch das Infrastrukturministerium glauben machen wolle: „Der Busverkehr ist in der Regel auf den Schülerverkehr reduziert. Und was ist in den Ferien? Im Saarland etwa werden viele einst stillgelegte Bahnstrecken reaktiviert. Wie wäre es, wenn wir uns die Stilllegung sparen und unsere ohne Umweg erhalten?“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen