Landkreis Ludwigslust-Parchim : „Die Aufgaben werden größer“

Nicht traurig sein, Rolf Christiansen bleibt dem Kreis als engagierter Bürger erhalten. Fotos: W. pätzold,
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Nicht traurig sein, Rolf Christiansen bleibt dem Kreis als engagierter Bürger erhalten. Fotos: W. pätzold,

Nach dem Verzicht auf die Landrats-Kandidatur: Respekt für den geordneten Rückzug Rolf Christiansens aus der Kreispolitik

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04. Januar 2018, 21:00 Uhr

Am Mittwochabend müssen sich herzzerreißende Szenen beim Neujahrsempfang in Wittenburg abgespielt haben. Landrat Rolf Christiansen (SPD) hatte wenige Stunden zuvor angekündigt, zur Wahl am 27. Mai nicht mehr anzutreten (wir berichteten). Respekt und Rührung dominierten. „Mein guter Freund Rolf macht das ja nun schon seit 1994 und hat viel bewegt im Landkreis. Für das was er geleistet hat, auch für die Menschen, bin ich ihm persönlich sehr dankbar“, sagte Boizenburgs Bürgermeister Harald Jäschke (parteilos). Im Altkreis Parchim zollt man der Entscheidung des dienstältesten Landrats Mecklenburg-Vorpommerns durchaus Respekt. In den ersten Jahren seiner Amtszeit im Großkreis dominierten wegen Christiansens Eintreten für Ludwigslust als Kreisstadt Vorbehalte in Parchim.

Wolfgang Waldmüller, als CDU-Fraktionschef im Kreistag einer der schärfsten Kritiker Christiansens, sagte gestern gegenüber unserer Zeitung: „Ich respektiere Rolf Christiansens Leistung. Die Entscheidung, wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nicht wieder anzutreten, ist für mich nachvollziehbar. Das zu kritisieren, verbietet sich. Jetzt kommt ein neuer Kandidat. Man wird sehen.“

Für Die Linke bedauert deren Kreistags-Fraktionschef Wolfgang Bohnstedt: „Die Mitglieder der Kreistagsfraktion Die Linke haben leider zur Kenntnis nehmen müssen, dass Rolf Christiansen nicht erneut als Landrat kandidieren wird. Wir danken ihm für seine langjährige Tätigkeit, für sein Engagement zum Wohle der Einwohnerinnen und Einwohner des Landkreises, für seine konstruktive und lösungsorientierte Zusammenarbeit mit unserer Fraktion sowie sein zielstrebiges Wirken in den unterschiedlichsten Funktionen in Mecklenburg-Vorpommern und über die Landesgrenzen hinaus. Wir wünschen ihm für seinen neuen Lebensabschnitt vor allem Gesundheit, Kraft für neue Aufgaben und viel Freude im Kreise seiner Familie.“

Margret Seemann, SPD-Fraktionschefin und langjährige Weggefährtin Christiansens erinnert sich: „Ich habe mit Rolf Christiansen viele Jahre eng und vertraut zusammengearbeitet. Dabei habe ich auf seinen Rat stets bauen können.“

Die Lübzer Bürgermeisterin und frühere Landratskandidatin für die CDU, Gudrun Stein, hat die Wahl im Blick: „Es wird sich zeigen, wer das Vertrauen der Bevölkerung bei der Wahl gewinnt, was letztlich entscheidend ist. Fest steht, dass die Aufgaben noch größer werden als sie bisher waren.“

Dirk Mittelstädt, Amtsvorsteher Goldberg-Mildenitz, schaut auf die Kandidaten: „Mit Herrn Sternberg hat er einen guten Nachfolger gefunden. Ebenso finde ich aber Herrn Glaser auch nicht schlecht. Beides sind gute Kommunalpolitiker, die ihre Gemeinden gut im Griff haben. Für die Wahl wünsche ich beiden viel Glück. Jetzt aber kommt es auf das Programm der Kandidaten an. Eines sollte aber schon jetzt klargestellt werden: Jeder Bürger wird es an der eigenen Tasche merken, was in Zukunft kreispolitisch passiert. Schließlich hängen die Hebesätze der Gemeinden von der Höhe der Kreisumlage ab. Ich hoffe, dass der zukünftige Landrat den Herausforderungen gewachsen ist und es endlich schafft, Personalkosten in der Verwaltung einzusparen.“

In der Sternberger Region ist die Kreisspitze naturgemäß nicht so präsent wie in Parchim. Andreas Jesse, Vorsitzender des Landesverbandes MV im Bundesverband der Windenergie: „Wir hatten mit dem Landrat wenig Berührungspunkte.“ Irene Werner vom Verein Dialog + Action sowie Fraktionsvorsitzende Die Linke im Stadtparlament Sternberg: „Persönlich bedaure ich, dass er aufhört. Ich habe den Eindruck, dass Herr Christiansen der Region gut getan und vieles auf einen modernen Weg gebracht hat. Zugleich habe ich Verständnis dafür, dass er persönlich kürzer treten will.“

Im Rennen um den Landrats-stuhl sind also Stefan Sternberg (SPD) und Klaus-Michael Glaser (CDU) gesetzt. Die Linke im Landkreis will am Wochenende 20./21. Januar darüber diskutieren, ob sie einen eigenen Kandidaten aufstellt.


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