Brandschutztechnik : Der Chef löscht auch selbst

Das wird mal ein Feuerwehrauto: Junior Sandro Lampe und Enrico Buchholz bauen ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) auf.
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Das wird mal ein Feuerwehrauto: Junior Sandro Lampe und Enrico Buchholz bauen ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) auf.

Die Feuerwehr ist Frank Lampes Leben. Heute baut er selbst Rettungsfahrzeuge. Seit 34 Jahren dem Rettungsgedanken verbunden.

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17. November 2014, 12:00 Uhr

Unscheinbar, fast versteckt liegt die Parchimer Firma Brandschutztechnik Lampe an der Lübzer Chaussee, nur ein kleines Schild an einem Zaun verrät den Standort der Werkstatt. So bescheiden wie der Standort ist auch der Firmenchef Frank Lampe. Der heute 50-Jährige baut Rettungsfahrzeuge neu auf. Sein Motto lautet, „aus einen hässlichen Entlein wird ein schmucker Schwan“. Das meint die Aufarbeitung von Fahrzeugen aller Art für Feuerwehr und andere Rettungsdienste und ist für viele finanzklamme Gemeinden die einzige Chance, ihren Gerätepark zu erneuern.

In der Werkstatt werden zuvor aufgekaufte Altfahrzeuge – vom Mannschaftswagen über Löschfahrzeuge der unterschiedlichsten Art – komplett in Einzelteile zerlegt. Der Rest, meist ist es nur noch das reine Fahrgestell, wird überholt und es beginnt der Neuaufbau. „Aus Aluminium werden in enger Zusammenarbeit mit der Bauschlosserei Hartmut Holz aus Marnitz die Profile und Bleche gefertigt und auf das Fahrgestell montiert“, erzählt Frank Lampe.

Was sich hier nüchtern und sachlich anhört, ist intensive Arbeit und erfordert Kenntnisse nicht nur in der Fahrzeugtechnik, sondern auch im Rettungswesen. Denn die von Frank Lampe und seinen Mitarbeitern wieder aufbereiteten Einsatzfahrzeuge dienen Berufs- und Freiwilligendiensten als wichtiges Handwerkszeug, vor allem die auf den Fahrzeugen installierte Technik.

Da stehen die Wünsche der Kunden an oberster Stelle und führen je nach geplanter Einsatzart zu maßgeschneiderten Lösungen. Ein Gerätewagen für den Malteser Hilfsdienst erhält einen eingebauten Generator, einen Lichtmast und ein Schnelleinsatzzelt oder in einen Mercedes Sprinter mit Tragkraftspritzenanhänger wird eine Beleuchtungsgruppe sowie eine Hochdrucklöschanlage integriert.

Frank Lampe ist den Kunden, die mittlerweile aus der ganzen Bundesrepublik kommen, ein guter Fachmann, nicht nur wegen der technischen Fahrzeugkenntnisse. „Frank Lampe ist ein Feuerwehrmann durch und durch, er weiß um die Belange der Wehren und deren Einsätze aus der eigenen Praxis und kann daher sehr spezifisch arbeiten“, wird ihm bescheinigt.

Ob es die Feuerwehr in Neu Poserin ist, die ein Tanklöschfahrzeug (TLF) im März diesen Jahres aus der Parchimer Firma in Betrieb nahm, oder das DRK in Hildesheim, das sich über einen generalüberholten Mannschaftstransportwagen freut oder, oder… Immer wieder bekommt er Zeitungsartikel und Fotos von seinen Kunden zugesandt, verbunden mit dem Dank für die gute Arbeit.

Doch wie kam er auf die Idee? Viele Kommunen haben wenig Geld, nagelneue Einsatzfahrzeuge sind sehr teuer. „Eine Drehleiter kostete vor einigen Jahren noch rund 300 000 Euro, jetzt sind es schon 500 000 Euro und in ein paar Jahren sind es 700 000 und mehr“, sagte kürzlich Schwerins Innenminister Lorenz Caffier bei einem Besuch der Parchimer Freiwilligen Feuerwehr. Diese Preissteigerungen sind bei der gesamten Technik zu verzeichnen. Da stoßen etliche Kommunen und Rettungsdienste an ihre finanziellen Grenzen. Die Rettungseinsätze sind allerdings Pflichtaufgaben der Kommunen und so bietet die Parchimer Brandschutztechnikfirma eine Lösung.

Gelernt hat Lampe in Parchim den Beruf eines Kfz-Schlossers und arbeitete anschließend in einem Landwirtschaftsbetrieb. Nach der Wende war er einige Jahre als Außendienstmitarbeiter tätig und seit 2002 betreibt er seine eigene Firma. Als stellvertretender Stadtwehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Parchim kennt er die Einsatzbereiche der Feuerwehren, weiß konkret, worauf es ankommt und wo etwas verbessert werden müsste.

All diese Erfahrungen fließen in seine Arbeit beim Um- und Ausbau der Fahrzeugtechnik mit ein. Familiär ist er „vorbelastet“, denn durch seinen Vater Karl-Friedrich, der zur Wendezeit erster Kreisbrandmeister im damaligen Kreis Parchim war, und seinen Bruder Jörg, der ebenfalls in der FFw Parchim aktiv ist, kam er mit 16 Jahren zur Feuerwehr. Da sein Sohn Sandro ebenfalls in der Firma arbeitet, ist weder dem Senior Frank noch den Feuerwehren, die bei den Parchimern neue, alte Autos erwerben, bange um die Zukunft.


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