Parchim : Dem Wasser eine Stimme geben

Arbeiten in Mischtechnik von Volker Timm behandeln das Thema Wasser auf unterschiedliche Art.
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Arbeiten in Mischtechnik von Volker Timm behandeln das Thema Wasser auf unterschiedliche Art.

Zwanzig Künstlerinnen und Künstler stellen bei der 6. „Kunstschau Parchim“ in der Stadthalle aus

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09. Juli 2018, 05:00 Uhr

„Wasser weiß zu reden...“, eine Zeile aus dem Gedicht „Erklär mir, Liebe“ der Lyrikerin Ingeborg Bachmann ist Thema der nun sechsten „Kunstschau Parchim“, die aktuell im Stadthaus eröffnet wurde. Bis zum 5. August ist die umfangreiche Ausstellung, die zwanzig Kunstschaffende und verschiedene Gattungen der bildenden Kunst verbindet, zu sehen.

Wasser, eines der vier Elemente – wir sind heute alarmiert, weil es hier manchmal im katastrophalen Übermaß und anderenorts weit unter Bedarf vorhanden ist. Über was aber redet Wasser? Über Nichts, aber wir assoziieren ausgehend vom Wort Eindrücke, Erfahrungen, Wissen. In der Kunstschau nun ließ sich betrachten, wie die verschiedenen Künstler ihre Arbeiten mit dem Begriff verbanden, nicht nur assoziierend, reflektierend, sondern auch den Zugang suchend mit eben ihrem speziellen Material, formend also.

Auch in diesem Jahr richteten Kulturamt, Galerie „ebe“ und zahlreiche Helfer eine Schau aus, die Malerei, Grafik, Fotografie und Skulpturen umfasst. In der Gesamtheit der Exponate erschließt sich der Zusammenhang mit dem Thema direkt, Abstraktes, bildnerische Metaphern sind seltener, aber vorhanden. So die raumgreifenden Marmorskulpturen des Berliner Bildhauers Peter Rosenzweig oder die in sich ruhenden, harmonischen Arbeiten seines Schülers Manfred Bonewitz.

Aber zurück zum Wasser. „Es war auch immer Thema der Landschaftsmalerei“, sagt Eckhard Bergmann, Inhaber der Galerie „ebe“, in seiner Ansprache vorm doch zahlreich erschienenen Publikum. Und natürlich finden sich Seen- und Küstenmotive hier in der Schau wieder: eher konservativ zum Beispiel die Aquarelle von Helga Kaffke oder überhöhend, fast als seien die Wellen in andere Konsistenzen übergegangen, die Brandungsbilder von Malte von Schuckmann. Die Brechung des Lichts auf dem Wasser fangen die großformatigen Fotografien von Monika Lawrenz ein. Die Begegnung von Wasser und Licht ist in „Zingst 1“ beispielsweise schon bis auf die Struktur reduziert und verfremdet.

Ein Thema wie dieses stößt im Bewusstseinsstrom aber auch – und vielleicht zuallererst – auf brandaktuelle Bezüge. Wasser heißt auch Tod und heißt heute Mittelmeer und Flucht. Naturgemäß erzählen einige Werke hier von diesen Katastrophen auf hoher See. Überfüllte „Nussschalen“ sind all die Boote, die Michael Behnisch als Keramikobjekte geschaffen hat. Betritt man die in eine Galerie verwandelte Stadthalle, stößt man sofort auf seine Menschenfigürchen – merkwürdig ungeschlacht, irgendwie kindlich plastiziert, die Körper an Körper in unzureichende „Tröge“ – oder was auch immer – eingepfercht sind. In einem dieser Gefährte drängen sich Jesus und die zwölf Apostel. Eine andere Keramik trägt den weitsichtigen Titel „Alle in einem Boot“. Global ist das so.

Welches Format passt zur Abbildung eines endlosen Flüchtlingsstroms? Die Syrerin Rima Mardam Bey collagierte eine Art abgebrochenen Fries. Darauf, fast nur mit der Lupe erkennbar: Ein dunkler Menschenstrom, teils fotografiert, teils gemalt. Und damit schließt sich auch der Kreis zum Anlass zur Auktion, die auch in diesem Jahr die Parchimer Schau beschließen wird. Am 5. August werden von den Künstlern zur Verfügung gestellte Kunstwerke versteigert. Der Erlös wird zwei in der Asklepios Klinik therapierten Kindern aus Afghanistan dienen.

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