zur Navigation springen
Parchimer Zeitung

17. Oktober 2017 | 09:59 Uhr

Spornitz : Deckte ein Flugzeug die Ziegel ab?

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Landeanflug über Spornitz: Dachsteine stürzen hinunter. Feuerwehrleute organisieren schnelle Notreparatur für ältere Mitbürger.

von
erstellt am 02.Mai.2016 | 20:45 Uhr

Ein Flugzeug war im Landeanflug über Spornitz. Von einem Dach in der Friedensstraße flogen Ziegel. Zwei Löcher blieben im Dach. Dafür waren offenbar Luftverwirbelungen verantwortlich.

Es traf das Haus von Lieselotte (89) und Otto Fenske (92). Der älteste männliche Bewohner aus Spornitz war gerade bei Bekannten, seine Frau allein zu Haues, als es am Sonntagnachmittag, am 1. Mai, plötzlich krachte.

Lieselotte Fenske schilderte am Montag die Angst, die sie ausstand: Auf einmal wurde es dunkel und „das halbe Dach“ lag unten. Dabei war draußen kein Wind.

Das Ehepaar ist seinen Nachbarn dankbar, die sofort die Polizei in Parchim anriefen, die wiederum nach der Begutachtung des Vorfalls auf kurzem Weg die Feuerwehr hinzuzog.

Spornitzer Kameraden dichteten das Ziegeldach wieder ab. Die fehlenden Dachsteine hatten sie sich bei mehreren Nachbarn besorgt. Zum Abend waren die Löcher erst einmal provisorisch geschlossen. Otto Fenske äußerte gestern Morgen mehrmals sein Lob für die Spornitzer Feuerwehrleute, als Bürgermeister Dieter Eckert nach dem Rechten sah.

Vor einigen Jahren hatte es schon einmal durch Luftverwirbelungen bei einem Landeanflug Schäden an einem Dach in Spornitz gegeben, sagte Eckert. Etwa zehn Häuser weiter. Es sei natürlich ärgerlich.

Hintergrund: Wirbelschleppen

Bei Wirbelschleppen, auch Wirbelzöpfe oder Randwirbel genannt, handelt es sich um zopfartige, gegenläufig drehende Luftverwirbelungen hinter fliegenden Flugzeugen. Ihre Intensität ist vom Gewicht des Flugzeuges abhängig. Die Lebensdauer wird von Wind und Atmosphäre beeinflusst. Im Zentrum der Wirbel ist der Luftdruck vermindert. Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann dort Kondensation einen schmalen, sichtbaren Streifen erzeugen, der direkt hinter den Flügelspitzen beginnt.

Die Wirbel der Wirbelschleppe hinter einem großen Flugzeug sind stark genug, nachfolgende Flugzeuge zu gefährden. Das gilt insbesondere, wenn das nachfolgende Flugzeug deutlich leichter und kleiner ist. Deswegen muss bis zum nächsten Start auf derselben Startbahn abgewartet werden, bis die Wirbel entweder vom Wind davongetragen wurden, oder sich durch Luftreibung am Boden ausreichend abgeschwächt haben. Das Gleiche gilt für die Landung. (Quelle: Wikipedia)

Swiss-Piloten hatten am Sonntag Übungsflüge absolviert, bei denen sie beim Landeanflug über dem Haus der Fenskes in Spornitz einschwebten. Bürgermeister Eckert hat jetzt über den Flughafen erfahren, dass der Schaden über die Versicherung der betreffenden Fluggesellschaft geregelt wird und dass darüber bereits Gespräche mit dem Schwiegersohn des Spornitzer Paares laufen, der sich sofort von seinem Wohnort in der Ferne aus eingeschaltet hatte.

Parchims Flughafenchef Eugen Arnstadt geht davon aus, dass die Geschädigten in jedem Fall zu ihrem Recht kommen. Dabei wird jetzt nach den Ursachen gesucht. Arnstadt, der selbst seit 40 Jahren Erfahrungen als Pilot hat, vermutet, dass hier möglicherweise mehrere Faktoren zusammengekommen sind. Es könne aufgrund der Witterung sogenannte „thermische Ablösungen“ geben, die mit dem Luftverwirbelungen durch das Flugzeug zusammenkommen. Falls der Pilot zu tief geflogen sei, lasse sich das nachweisen.

Für die Polizei deutet nach derzeitigem Stand alles auf eine zivilrechtliche Aufarbeitung hin, war von Sprecher Klaus Wiechmann zu erfahren. „Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen“, meinte Bürgermeister Eckert.

Wie groß der Schaden am Dach ist, steht derzeit noch nicht fest. Ein Fachmann einer Baufirma meinte gestern, dass es durchaus sein kann, dass es neben den sichtbaren Löchern auch das Problem geben könne, dass weitere Ziegel durch die Verwirbelung angehoben wurden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen