zur Navigation springen
Parchimer Zeitung

23. November 2017 | 06:37 Uhr

Parchim : Debatte über Eichen endet im Eklat

vom

Die Parchimer Bürgerversammlung endete mit einem Eklat. Der Grund: WSV-Leiterin Christiane Mende bemerkte, dass die Interessen betroffener Anwohner wichtiger seien als der Erhalt der Lewitz-Eichen.

svz.de von
erstellt am 26.Jun.2013 | 05:11 Uhr

Parchim | Da platzte den Vertretern vom "Netzwerk Lewitz-Eichen" der Kragen: Mit einem Eklat endete abrupt die von der in Magdeburg ansässigen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV Ost) veranstaltete Bürgerversammlung im Parchimer Solitär-Gebäude. Die beiläufig geäußerte und offenbar missverstandene Einschätzung der WSV-Leiterin Christiane Mende, dass die Interessen der von den Baumaßnahmen zur Dammsanierung am Elde- und Stör-Kanal betroffenen Grundstückseigentümern höher einzustufen seien als das Interesse am Erhalt der Lewitz-Eichen, sorgte für einen demonstrativen Auszug der Bürgerinitiative.

Bis dahin war die Versammlung von einem großen Bemühen geprägt, aktuelle Informationen auszutauschen und das bisherige Vertrauensverhältnis weiter auszubauen. Zum Auftakt der Veranstaltung warb die WSV-Leiterin für das Prinzip der Planfeststellung. Beispielsweise seien im Vorfeld der Planung sämtliche betroffenen Grundstückseigner angeschrieben worden, was eigentlich nicht zur Bürgerbeteiligung zähle, so Christiane Mende. "Das Planfeststellungsverfahren bündelt alle erforderlichen Stellungnahmen sowie Einwände und Anregungen, wonach die Genehmigung als erteilt gilt", erklärt sie zudem.

Christiane Mende erinnerte daran, dass ein Termin zur Erörterung aller Einwände zu einem Artenschutz-Gutachten geführt habe. Als weiteres Beispiel für die Bürgerfreundlichkeit der Planfeststellungsbehörde führte die WSV-Leiterin außerdem an, dass auch verspätete oder per E-Mail geäußerte Reaktionen noch bearbeitet worden seien. So hatte der BUND angeregt, die Standsicherheit der Dämme durch Spundwände zu erhöhen. "Das aber hätte das Wurzelwerk der Bäume beschädigt, so dass diese abgestorben wären", führt Christiane Mende an.

Das Planfeststellungsverfahren der Bundesbehörde für die Elde-Müritz- und Störkanal-Wasserstraße sei erforderlich geworden, weil das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg die Höhe der Dämme und ihre Breite als zu gering sowie die Böschungswinkel als zu steil eingestuft habe. "Der Sanierungsbedarf wurde durch ein entsprechendes Gutachten untermauert", erklärt Christiane Mende. Zudem betonte sie, dass die Dammsanierung nicht aus Gründen des Hochwasserschutzes erfolge, denn dafür sei das Land zuständig. Daneben verdeutlichte sie den Unterschied zwischen Damm und Deich.

Lothar Nordmeyer als der für den Hochwasserschutz beim Landwirtschaftsministerium zuständige Referent berichtete, dass bis zum Jahresende gemäß entsprechender EU-Richtlinien ein umfassendes Werk von Gefahren- und Risiko-Karten veröffentlicht werde. "Wir haben der Dammsanierung zugestimmt, weil sie auch eine gewisse Hochwasserschutzfunktion erfüllt", erläutert er die Entscheidung des Ministeriums. Das System der Schleusen und Wehre entlang der Elde-Müritz-Wasserstraße sei beim jüngsten Hochwasser dazu genutzt worden, den Abfluss bei Malliß auf Null zu regeln, um nicht mit der Hochwasserspitze der Elbe zusammenzutreffen.

Laut Alexander Brun, Verfasser des Planfeststellungsbeschlusses, seien sämtliche Bäume entlang der 12,3 Kilometer langen Sanierungsstrecke in Augenschein genommen worden. Er fasst zusammen: "Wir wollen so viele Bäume wie möglich erhalten." Dazu legte ein vom Wasser- und Schifffahrtsamt beauftragter Gutachter ein umfassendes Zahlenwerk vor. Demgemäß existieren dort 389 Bäume, wovon 250 Eichen seien. 178 Bäume müssen gefällt werden, davon seien 130 Eichen. Wohnhöhlen seien bei 174 Bäumen entdeckt worden, wovon 59 gerodet werden. Behausungen von Fledermäusen seien in 39 Bäumen festgestellt werden, wovon drei gefällt werden.

Unmut wurde bei der Bürgerversammlung laut, als die Planfeststellungsbehörde erklärte, dass der Regierungserlass zum Schutz von Alleen nicht für Wasserstraßen gelte. Dort sei lediglich von Baumreihen die Rede. Als Ausgleichsmaßnahme für die Rodungen sei die Anpflanzung von insgesamt 233 Bäumen vorgesehen. Bei den Sanierungsarbeiten sollen außerdem Baubegleiter darauf achten, dass alle Auflagen der Planfeststellungsbehörde eingehalten werden.

Noch bis einschließlich Montag, 8. Juli, liegt der Planfeststellungsbeschluss für die Dammsanierung am Elde- und Störkanal öffentlich aus - die letzte Chance für alle Betroffenen, ihre Einwände im Anschluss innerhalb von einem Monat beim Oberverwaltungsgericht in Greifswald per anwaltlicher Klage geltend zu machen. Der Planfeststellungsbeschluss lässt sich im Internet unter der Adresse www.wsd-ost.wsv.de einsehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen