Hebammen : Das Wunder des Lebens

Hebamme: Der Beruf mit Glücksfaktor (v.l.): Marlies Hühn und Marie-Luice Förster im Kreißsaal
Hebamme: Der Beruf mit Glücksfaktor (v.l.): Marlies Hühn und Marie-Luice Förster im Kreißsaal

Berufsperspektiven in der Heimat: Nach einem Praktikum war sich Marie-Luice Förster (20) sicher, dass sie eine Ausbildung zur Hebamme machen möchte.

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17. Februar 2018, 16:00 Uhr

„Wir brauchen keine Schokolade – dieses Glück überträgt sich.“ Marlies Hühn kann das nach stolzen 40 Jahren Berufserfahrung immer noch guten Gewissens sagen. Nach all dieser Zeit bekomme sie immer noch eine Gänsehaut, wenn sich das Wunder des Lebens vor ihren eigenen Augen entfaltet. Als Hebamme in der Asklepios Klinik Parchim erlebt sie beinahe täglich, was privater und intimer nicht sein könnte - die Geburt eines Menschen.

Dass in diesem Umfeld Fingerspitzengefühl gefragt ist, versteht sich von selbst. Jede werdende Mutter ist anders, hat unterschiedliche Bedürfnisse, oft auch Schmerzen und Ängste. Väter in all ihrer Aufregung wollen versorgt sein und vor allem – natürlich - auch das Baby. All das müssen die Geburtshelferinnen auffangen können, die Frauen begleiten, mental unterstützen. Da ist Einfühlungsvermögen, Empathie von klarem Vorteil.

Das weiß auch Marie-Luice Förster. Die Hebammenschülerin lernt im zweiten Ausbildungsjahr an der Asklepios Klinik und ist nach wie vor begeistert: „Ich weiß nie vorher, was im Laufe des Tages so passiert.“ Und das mache den Beruf so spannend. Eigentlich wollte die 20-jährige gebürtige Möderitzerin Verwaltungsfachangestellte werden, doch nach einem 14-tägigen Praktikum auf der Gynäkologie war sie sich sicher, was ihren weiteren beruflichen Lebensweg angeht. In einem der ältesten Frauenberufe, der schon in der Antike ausgeübt wurde, würde sie ihre Berufung finden – weit weg von Bürostuhl und Aktenordnern. Oder etwa nicht?

„Wir verbringen auch viel Zeit mit dem Qualitätsmanagement“, weiß Marlies Hühn, was bedeutet, hier wird sehr wohl auch einiges an Schreibarbeit gefordert. Auch die Hebammenschülerin wird eingebunden, prüft zum Beispiel, welche Medikation die Frauen hier erhalten. Doch alles kann sich sekündlich auf der Station ändern. „Wir müssen fähig sein, uns ganz schnell auf Situationen einstellen zu können.“ Und dann kann es schnell wieder so weit sein, dass eine Patientin – die hier ganz normal Frauen genannt werden, denn sie sind ja nicht krank – in den Wehen liegt. Bei zahlreichen Geburten war Marie-Luice Förster schon dabei, auch selbst mit eingegriffen, also mit der „Hand am Kind“, hat sie ebenfalls schon. „Das gibt jedes Mal einen richtigen Adrenalinschub!“, sagt sie. Bis zu ihrer Abschlussprüfung im dritten Ausbildungsjahr wird sie 60 Geburten beigewohnt haben.

Das verlangt auch körperlich einiges ab. Eine gewisse Fitness gehört also mit zu den Grundvoraussetzungen als Hebammenschülerin. Und wie steht es mit den Jungen und Männern? Entgegen der landläufigen Vermutung können auch diese in das Berufsbild einsteigen – allerdings werden sie dann Entbindungspfleger genannt. Ob Mann oder Frau: Für den theoretischen Teil besuchen sie alle regelmäßig die Alexander Schmorell Berufsschule in Rostock. Zusätzlich wird in jedem Jahr ihrer Ausbildung ein Externat – eine Art Praktikum außerhalb der Klinik – abverlangt. Dieses hat Marie-Luice Förster bei einer freiberuflichen Hebamme geleistet. Die Freiberuflichkeit ist eine Berufsoption, die sie sich für ihre eigene Zukunft auch sehr gut vorstellen könnte. „Davon gibt es ja in Parchim nur eine.“ So lange lebt sie von ihrem Ausbildungsgehalt, das im ersten Jahr 650, im zweiten 850 und im dritten Jahr rund 1000 Euro brutto beträgt. Noch ist der Beruf Hebamme eine Ausbildung, die ab 2020 offiziell zu einem Studium wird. Im Nachhinein wird sich Marie-Luice Förster wohl rückwirkend „akademisieren“ lassen. „Das gibt mehr Geld“, meint sie augenzwinkernd, doch auch so ist offensichtlich, dass die junge Frau sehr gerne mit den Frauen, Babys und Vätern arbeitet, diese auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt unterstützt und in Parchim auch weiterhin ihre Zelte aufgeschlagen hält. „Ich will auf jeden Fall hierbleiben. Wenn ich beim Bäcker Kaffee trinke und die Mütter wieder sehe, die mir ihre Kleinen zeigen… Das ist einfach nur schön.“

Hiergeblieben - Zukunft zu Hause

Die Welt ist weit, doch am schönsten ist es bekanntermaßen wo? Genau, zu Hause. So haben wir uns auf die Fahne geschrieben, einige Ausbildungsberufe in und um Parchim vorzustellen. Kurze Anfahrtswege, ein festes Gehalt und ein Platz mitten in der Heimat.
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