Premiere beim Parchimer Theaterjugendclub : Das Führer-Experiment funktioniert

<strong>Alle sind voll dabei:</strong> Regisseur Conrad Waligura (M.) mit den Schauspielern Nild Schönlau (l.) und Franz Prange (r.).
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Alle sind voll dabei: Regisseur Conrad Waligura (M.) mit den Schauspielern Nild Schönlau (l.) und Franz Prange (r.).

"Die Welle" heißt ein Roman von Morton Rhue, der an einem Experiment in einer Schulklasse zeigt, wie leicht sich Massen manipulieren lassen. Reinhold Tritt schrieb eine Bühnenfassung. Morgen ist die Parchimer Premiere.

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15. Juni 2012, 09:29 Uhr

Parchim | "Die Welle" ist der Titel eines Romans von Morton Rhue, der an einem Experiment in einer Schulklasse zeigt, wie leicht sich Massen manipulieren lassen. Reinhold Tritt hat eine Bühnenfassung geschrieben, die am morgigen Sonnabend um 16 Uhr am Mecklenburgischen Landestheater mit dem Theaterjugendclub ihre Parchimer Premiere erleben wird. Die Schauspieler Andreas Flick und Conrad Waligura haben "Die Welle" mit den Nachwuchsmimen einstudiert. Die Kostüme schufen Anne Richter und Clara Eckardt, die ihr Freiwillges Soziales Jahr am Theater absolvieren.

Das Stück demonstriert, wie leicht Menschen einem Führer folgen. Disziplin, Gemeinschaft, Handeln sind die Zutaten, um scheinbar aufgeklärte Zeitgenossen zu folgsamen Befehlsempfängern zu machen.

"Es ist die Zeit der 68er, die Zeit der Hippies, die Zeit der Friedensbewegung. Ein Lehrer in den USA (gespielt von Jan-Eric Meier) wagt ein Experiment und will den Schülern klar machen, dass eine Minderheit eine Mehrheit beherrschen kann", erzählt Tillmann Eckardt. Der 16-Jährige ist sozusagen der Altmeister im Theaterjugendklub, denn er ist von Anfang an dabei, "Die Welle" ist bereits das siebente Stück, in dem er mitspielt. Seine zwei Jahre jüngere Schwester Clara war auch schon bei der Produktion "Haus von Montevideo" dabei und ist nun nach einer Pause wieder mit von der Partie. Ihr macht das Spielen Spaß, "vor allem nach einem Praktikum in der Theaterschneiderei", erzählt sie. Die Texte lernt sie gemeinsam mit ihrem Bruder, mit dem sie sich bestens versteht.

Auch Pauline Hegner kennt die Bühne. Die 15-Jährige hatte im vergangenen Jahr bereits in "Momo" die Titelrolle übernommen. "Wie man Schüler und damit Menschen manipulieren kann, das will der Lehrer den Schülern am Beispiel des Nationalsozialismus klar machen", ergänzt Pauline. Alle sind sich einig, dass dieses Thema angesichts von NPD-Aufmärschen und anderer rechtsradikaler Aktionen auch heute sehr aktuell ist.

Doch wie lässt sich so ein Stück umsetzen? Gemeinsam mit den Regisseuren gab es auch die Überlegung, es in die heutige Zeit zu setzen, einfach modern zu spielen. "Doch die Mehrheit entschied nach einer Diskussion anders und so spielen wir es in der Zeit der 68er und sind selber die Hippies und coolen Typen der damaligen Zeit", sagt Hannes Gaulke. Der 16-Jährige spielt gerne Theater. "Man bricht aus den Alltagszwängen aus und macht Dinge, die man sonst nicht kann oder darf", begründet er sein Engagement. Vielleicht wird Hannes Gaulke sogar ein Studium in diese Richtung anstreben.

Der jüngste unter den Schauspieleleven ist zugleich der Liebling aller, es ist der 13-jährige Carsten Scholz. Ihm scheint der Schalk im Nacken zu sitzen, seine Augen blitzen und so scheint hier ein kleiner Komödiant heranzuwachsen.

Die Jugendlichen haben viel Zeit und Arbeit in dieses Projekt gesteckt. Wer die Proben besuchte, konnte erleben, wie ernsthaft sie sich mit dem Thema befassen und über die Umsetzung diskutieren. Die Regisseure Andreas Flick und Conrad Waligura lassen ihnen die Zeit, sich in die Rollen zu versetzen. Sie spielen ihre Ideen aber nicht vor, sie geben Denkanstöße und die Mädchen und Jungen bringen sich selbst mit ein.

Und wie geht es einem gestandenen Schauspieler, der Regie führt? Hat er noch Lampenfieber bei diesem Projekt? "Klar, vor allem, weil man nicht eingreifen kann. Steht man selbst auf der Bühne und es hapert mit dem Text oder etwas anderes passiert, dann kann man selbst improvisieren. Aber hier steht man an der Seite", erzählt Conrad Waligura. Für Andreas Flick ist es sogar die erste Regiearbeit und so werden am Sonnabend nicht allein die Mimen des Theaterjugendclubs Lampenfieber haben.

Premiere ist morgen um 16 Uhr, die zweite Vorstellung folgt am Dienstag, dem 19. Juni um 18 Uhr.

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