Nachwuchsakademie : Das Abfallproblem ist nicht gelöst

Schülerinnen und Schüler im Gespräch mit Professor Gert Morscheck von der Universität Rostock Fotos: Monika maria Degner
Schülerinnen und Schüler im Gespräch mit Professor Gert Morscheck von der Universität Rostock Fotos: Monika maria Degner

Die Parchimer Nachwuchsakademie PaNAk initiierte einen Vortrag zum Thema Müll

svz.de von
18. November 2015, 16:40 Uhr

Kaum ist die recycelbare Einweg-Pfandflasche abgefüllt, wird der zentralen Kasse des Dualen Systems auch schon Tribut gezollt. Wenn dann der duale Kreislauf den umweltbewussten Verbraucher erreicht und dieser sein Leergut auch wieder ordentlich abgegeben hat, wandert die prekäre Materie zu den Müllunternehmen, die nun Mittel aus der genannten Kasse beziehen, und die Wiederverwertung läuft an. Die Parchimer Nachwuchsakademie PaNAk setzte das zeitgemäße Thema jetzt als Vorlesung auf die Tagesordnung.

Die Wiederverwertung und eine Menge wissenswerter Fakten und Zusammenhänge demonstrierte Professor Gert Morscheck in einer Powerpoint-Präsentation vor mehr als 150 Schülerinnen und Schülern im Friedrich-Franz-Gymnasium in Parchim. Der Hochschullehrer für Agrar- und Umweltwissenschaft vermittelte eine knappe Stunde lang harte Fakten zum wenig attraktiven, aber wesentlichen Thema Müll, Fakten und Zahlen, die Erfolge des Antimüllkampfes und das Gegenteil beziffern.

Unter anderem erfuhr man auch vom Erfolg des dualen Systems: Ob nun Einwegpfandflasche, die Flasche für den gelben Sack oder anderes recycelbares Verpackungsmaterial, seit der Gründung des Dualen Systems für Verpackungsmüll 1990 verringerte der Restmüll sich in Deutschland von 87 Prozent auf 37 Prozent. Eine Erfolgsbilanz also?

Auf eine kleine Erfolgsgeschichte jedenfalls kann die Parchimer Nachwuchsakademie (PaNAk), die die Präsentation initiierte, zurückblicken. 2012 gegründet mit dem Anliegen, Schülern bestimmte Themen nahezubringen und so den Unterricht zu ergänzen, war sie bisher mit ihren Referaten oder Präsentationen sehr gefragt. Ein Grund dafür mag die Auswahl der Themen sein, die gesellschaftliche Aktualität und Unterrichtsstoff verbinden.

Im Gespräch mit Jugendlichen der achten Klassen, die sich soeben im Atrium einfinden – sie haben vor kurzem im Chemieunterricht das Thema Müll behandelt – hört man schnell heraus, dass sie das Problem sensibel und wach in die eigene Zukunft projizieren, denn Müll belädt nicht nur die Kippen, sondern im übertragenen Sinn auch Zukunftsperspektiven.

Dieser Meinung jedenfalls sind Melina Fredrich, Paula Retemeyer, David Dann und Tim Prüß: Tim sagt, er interessiere sich dafür, ,,wie der Abfall verarbeitet wird und was dabei herauskommt.“ Paula hat noch erlebt, dass die Leute auf dem Dorf Abfall „in die Gräben“ warfen. Das habe sich jetzt aber gebessert, sagt sie. Alle aber sind entsetzt über das, was David benennt: die Plastikmüllinseln, die im Pazifik schwimmen. Später wird Professor Morscheck im Gespräch hinzufügen, dass diese Inseln aus globalem Abfall 200 Kilometer im Durchmesser groß und technisch nahezu nicht zu beseitigen seien. Kein Wunder also, dass Melina Parteien wie die Grünen, die sich für ein verändertes Umweltbewusstsein einsetzen, gut findet. Auch wir Deutschen müssen noch lernen, mit dem Müll anders umzugehen. Zwar trennen wir eifrig, demonstriert Morscheck, aber die Ausgangszahl des insgesamt erzeugten Mülls ist gestiegen und viel zu hoch. Deutschland liegt als Müllerzeuger weltweit an dritter Stelle. „Sogar die USA haben wir überrundet“, referiert der Professor. Weltmeister im Verbrauch von Papier sind wir außerdem. Die Steigerung der Müllerzeugung verursachen etwa Internethandel, zahlreicher gewordene Singlehaushalte, zunehmender Verbrauch von Fertigmahlzeiten, Werbung und nicht zuletzt das schicke Trinken beim Gehen aus Pappbechern „to go“. Bis zu sechs Milliarden, schätzen Experten, werden davon pro Jahr vermüllt.

Fazit: ein wichtiger Vortrag und Gründe, neu und konsequenter Anlauf zu nehmen, um Müll zu vermeiden. In seiner kurzen Ansprache wies Professor Dr. Bernd Klausch, der geistige Vater von PaNAk, darauf hin, dass manche Experten sogar der Meinung seien, dass das globale Ökosystem nicht mehr zu retten sei: „Der Rubikon ist überschritten.“ Auf jeden Fall aber sei die Lage ernst. Auch in Sachen Abfall.

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